Kleiner IFLA-Rückblick (5): Rebecca Hope Renard, DC Public Library – “Jugend202″

In den Vereinigten Staaten spielen Telefonvorwahlen eine deutlich größere Rolle für die Identifikation mit der eigenen Stadt als in Deutschland. Kein Wunder also, dass ein Jugendprojekt in Washington DC die lokale Vorwahl „202“ zum Bestandteil des Projektnamens machte. Das Multimediaprojekt „Youth202“ der Washington Public Library wurde im Rahmen eines Sommerprogramms für Teenager im Jahr 2010 „geboren“ und hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendliche bei der Schaffung ihrer eigenen Inhalte und einer damit entstehenden Wissenswelt zu unterstützen. Im Zentrum steht dabei die Website http://www.youth202.org, zum Gesamtprojekt gehören aber auch ein Twitter-Feed und ein von den Jugendlichen gestaltetes Radioprogramm.

Natürlich sind die entsprechenden Inhalte entscheidend für den Projekterfolg:

  • Veranstaltungskalender für Jugendliche,
  • Angebote für Arbeitsplätze, Voluntariate, Praktika und Nachmittagsbetreuung,
  • Verknüpfungen mit Bibliotheksservices zur Hausaufgabenhilfe und entsprechende Datenbanken,
  • Rezensionen zu Büchern, Musik, Filmen und Spielen, die ausschließlich von Jugendlichen geschrieben wurden,
  • Links zu regionalen Beratungsangeboten und entsprechenden Onlinequellen bei familiären oder persönlichen Problemen,
  • Einer regelmäßigen Beratungskolumne (“Fragen Sie….”),
  • Volltextsuche und Tag Cloud für das schnelle Finden der gewünschten Inhalte.

Die Kollegin hat während ihres Vortrages besonders betont, dass diese Angebote eine wichtige Lücke füllen, denn die meisten Informationsangebote richten sich an Erwachsene. Die Bibliothek hat das Projekt insbesondere durch ein Schulungsprogramm für die Jugendlichen begleitet, in dem die wesentlichen Prinzipien für die Informationsvermittlung trainiert wurden. Im Mittelpunkt stand dabei die RADCAB-Methode.

Rebecca Hope Renard ist Pädagogin und hat sich bereits intensiv in ihrer Vergangenheit mit Multimediapädagogik beschäftigt. Es handelt sich offensichtlich um eine Initiative mit vielen Beteiligten, die ein hohes Maß an Vernetzung erforderlich macht, aber es lohnt sich:

„By pairing youth with adult library and community media professionals who are skilled in working with teens and who are experts in the information and media fields, Youth202 supports teens’ youth development needs, while developing their 21st century literacy
skills. With our community partner, Radio Rootz, a non-profit organization specializing in youth radio, teens are trained in research, information analysis, digital audio production, interviewing, online writing, “cyber-marketing”, and a host of other skills,
while working collaboratively to create content that they share with their peers.“

Link: http://conference.ifla.org/sites/default/files/files/papers/wlic2012/141-renard-en.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann

Kleiner IFLA-Rückblick (2): Kurt Hirn – “Myllypuro Media Library Helsinki”

Im Rahmen des vergangenen IFLA-Kongresses stellte Kurt Hirn die Myllypuro Media Library vor. Die Bibliothek war 1997 ursprünglich als „Reading Room“ und recht kleine Nachbarschaftsbibliothek im Stadtteil Myllypuro gegründet worden. Im Zuge des technologischen Wandels wurde die Bibliothek grundlegend neu gestaltet – dabei war es auch ein wichtiges Ziel, digitale Spaltung und Nachteile bei der Versorgung sozial bedürftiger Stadtteile zu vermeiden.

Die Veränderung machen jetzt die neuen Angebote deutlich:

  • Die Bibliothek bietet jetzt nicht nur E-Zeitungen und E-Books an, sondern vermittelt dies auch aktiv an ihre Nutzer. Neben dem klassischen, stationären Bibliotheks-PC werden jetzt auch Notebooks, iPads und andere Tablet-PCs sowie E-Reader angeboten, verbunden mit entsprechenden Einführungen und Trainings.
  • Nutzer können jetzt auch Videokameras ausleihen, die entstandenen Filme dürfen im bibliothekseigenen Ton- und Videostudio oder auf „Media-Notebooks“ vor Ort bearbeitet werden.
  • Es werden zehn Samsung-Tablet-PC mit jeweils sechs vor-installierten E-Books ausgeliehen. Alle Geräte wurden von Firmen gesponsert. Ziel dieses Teilprojektes ist es, die Medienkompetenz der Nutzer zu erhöhen.
  • Die Bibliothek hat einen „Laptop-Club“ gegründet, in dem gegenseitiges Lernen mit neuen Medien ermöglicht werden soll
  • Im Sommer 2012 hat die Bibliothek gemeinsam mit dem Jugendamt der Stadt einen Workshop zum Thema „Skateboard-Videoaufnahmen und –bearbeitung“ durchgeführt.
  • Besonders beliebt ist das Angebot, alte Videokassetten in der Bibliothek zu digitalisieren und auf DVD zu brennen.
  • Zum Ausleihangebot der Bibliothek gehören jetzt auch Schrittzähler, Pulsmesser und diverse Kompasse

Erwähnenswert ist die Tatsache, dass ein enormes Umdenken und ein breit angelegtes Fortbildungsangebot für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliothek erforderlich waren und sind. Kurt Hirn dazu: „Since many traditional library skills are becoming insufficient it is necessary to try to find new ways for staff development. The aim of the Media Library is to serve as a learning environment also for the library staff in building new skills and competences.”

Link: http://conference.ifla.org/sites/default/files/files/papers/wlic2012/173-hirn-en.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann

Jahresbericht der Aarhus City Libraries

Die Stadtbibliothek im dänischen Aarhus hat ihren Jahresbericht vorgelegt. Das ist deshalb interessant, weil für das Jahr 2014 die Eröffnung des innovativen „Mediaspace“ in der zweitgrößten Stadt des Landes geplant ist. Design und Konzept der neuen Bibliothek lassen Großes erwarten: Das futuristische Gebäude im Hafengebiet der smarten Metropole steht für Interaktivität und Erlebnisorientierung – zwei wichtige Erfolgsfaktoren für die Bibliothek der Zukunft. Jetzt kann der Neubau mittels eines 3D-Modells erkundet werden: http://www.urbanmediaspace.dk/3dmodel

Weitere Abschnitte des Berichtes konzentrieren sich unter anderem auf innovative Projekte, darunter das „Transformation Lab 2“, in dem der Umzug auf den Neubau vorbereitet wird: „In Transformation Lab 2 we have placed a number of permanent elements that will provide the frame for continuous experiments with service forms, services, furniture and decor. Transformation Lab 2 will become the place where we can tell the story of the Main Library’s process of change towards realisation of the library of the future in the new house on the harbour in 2014. The space provides opportunity for employees, network partners and library users to experience the activities that the new library will contain.”

Eine weitere Besonderheit in Aarhus ist die Verantwortung des Bibliotheksleiters Rolf Hapel auch für die Bürgerservices, die sich in 2011 auf die Weiterentwicklung der international ausgerichteten Leistungen für Menschen mit Migrationshintergrund konzentrierten: „In 2011, Citizens’ Services focused on the development of international services. Citizens’ Services One Stop Shop was disseminated nationwide under the name International Citizens’ Service. At the same time Citizens’ Services developed an international welcome pack including complimentary tickets and a website in English in cooperation with six other municipalities. Also, the employees were given a linguistic competence boost.“

Zum Jahresbericht: http://beretning.aakb.dk/en

Beitrag von Andreas Mittrowann

Fayetteville Free Library mit Entdeckungslabor

Der Bibliothekar David Lee King von der Topeka & Shawnee County Public Library in den USA berichtet in seinem Weblog über einen Vortrag der Kollegin Lauren Britton zu den neuen Möglichkeiten, die von der Fayetteville Free Library im Rahmen ihres “Makerspace” geschaffen worden sind.
Bei einem „Makerspace“ handelt es sich um eine Ort oder einen Raum, in dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam Dinge zu kreieren oder Wissen zu teilen. Die Bibliothek stellt in diesem Kontext wie in einem Labor oder einer Werkstatt die Werkzeuge und Ressourcen dafür bereit. In Fayetteville ist nun vor einiger Zeit der erste permanente „Makerspace“ unter dem Namen „Fab Lab“ entstanden.

Im Zentrum der Aktivitäten stehen zwei sogenannte „Makerbots“  – dabei handelt es sich um spezielle dreidimensionale Drucker, die man auch als „Minifabriken“ bezeichnen könnte, denn mit ihrer Hilfe lassen sich Objekte wie Spielzeuge, Alltagsgegenstände oder Modelle aus Kunststoff herstellen. Wer eine konkretere Vorstellung erhalten möchte, findet hier ein anschauliches Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=l-SsD_1d78I

Aber auch die Produktion des ersten, eigenen Buches gemeinsam mit Kindern oder das Untersuchen der Funktionsweise von Alltagsgegenständen wie einem Toaster gehören zu den Aktivitäten des Fab Lab, das sich damit in die noch junge Tradition der interaktiven Bibliotheken stellt. Für die Finanzierung hat Lauren Britton intensiv nach Sponsoren und Förderern gesucht und war auch mit innovativen Methoden wie der Unterstützung durch die Plattform „Indiegogo“ erfolgreich.

Quelle:
http://www.davidleeking.com/2012/03/23/cildc-the-fayetteville-free-library-a-fabulous-laboratory

Beitrag von Andreas Mittrowann

Gedruckte Bücher bleiben für britische Studierende wichtigste Informationsquelle

Obwohl die meisten britischen Studenten mittlerweile E-Books nutzen, verlassen sie sich nicht auf das digitale Medium als einzige Informationsquelle. Gedrucktes Wissen repräsentiert weiterhin die wichtigste Schlüsselkomponente bei den Inhalten für mindestens zwei Drittel der Studierenden. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse einer neuen Studie der zur Bowker-Gruppe gehörenden Firma BML. Die Untersuchung wurde im Dezember 2011 durchgeführt und zeigt einige wichtige Veränderungen seit dem Jahr 2003, in dem BML ein ähnlich gelagertes Forschungsvorhaben durchführte.

Demnach nutzen 88 Prozent der Studierenden gedruckte Bücher und Handouts der Lehrenden, ein Rückgang von 95 Prozent in 2003. Die Beliebtheit von Online-Journalen stieg von 66 auf 80 Prozent. Die Studie untersucht zudem die Zugangswege zu Information. So beziehen 48 Prozent der Studierenden gedruckte Materialien vorwiegend aus ihrer Bibliothek, der überwiegende Teil hingegen kauft Bücher neu oder gebraucht. 38 Prozent leihen auch E-Books in der Bibliothek aus, während nur 9 Prozent dieses Medium selber kaufen. Die Untersuchung soll künftig jährlich durchgeführt werden.

Quelle:
http://www.digitalbookworld.com/2012/uk-students-still-prefer-text-to-print-study-says/
Beitrag von Andreas Mittrowann

Irisches E-Learning-Projekt für Auszeichnung nominiert

Die irischen STAR Awards (Showcasing Teamwork, Awarding Recognition) bilden einen Bestandteil des jährlichen „Festivals für erwachsene Lerner“ und stellen eine Auszeichnung dar, mit der herausragende Projekte im Bereich der Erwachsenenbildung gewürdigt werden sollen. Das Programm “The FÁS eLearning at the Library” wurde nun kürzlich in die Kurzliste der Nominierten für eine landesweite Auszeichnung aufgenommen.

Bei der Initiative handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem nationalen Netzwerk irischer öffentlicher Bibliotheken (FÁS) und „An Chomhairle Leabharlanna“, der irischen Landesagentur für Bibliotheken. Ziel des E-Learning-Projektes ist es, individuellen Lernbedarf von Erwachsenen im Rahmen eines Systems von begleitenden Workshops zu unterstützen. Seit dem Start in 2008 nahmen 4000 Lerner an dem Programm teil. Die Kurse dauern typischerweise 16 Wochen mit jeweils zwei Wochenstunden in der lokalen Bibliothek. Themen sind unter anderem IT-Kompetenz, digitale Medien und das Internet.

Im vergangenen Jahr hatte bereits die Zentralbibliothek in Dublin mit ihrem offenen Lernzentrum einen STAR-Award in der Kategorie „Lernen für den Beruf“ erhalten.

Quelle:
http://www.library.ie/2012/01/20/fas-elearning-at-the-library-project-nominated-for-star-award/

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

Kinderbibliothek mit Entdeckungszentrum in Queens eröffnet

In der vergangenen Woche öffnete das neue Children’s Library Discovery Center der New Yorker Queens Library seine Pforten. Der moderne Anbau in Form eines Kubus wurde vom Büro „1100 Architect“ gestaltet und von der Firma „Lee H. Skolnick Architecture & Design Partnership“ eingerichtet. Konzeptionell werden die Überlegungen zur interaktiven Kinderbibliothek aus Singapur, DänemarkPaderborn oder Baltimore fortgeführt: Neben das Medienangebot tritt eine Reihe von Experimentierstationen zu naturwissenschaftlichen Themen oder mit spielerischem Charakter. Spiegel, Magnete oder Klänge laden zum Entdecken und Ausprobieren ein, erhöhen das pädagogische Potenzial der Bibliothek und unterstützen den Paradigmenwandel vom Ausleih- zum Lernort mit Aufenthaltsqualität.

Auch bei diesem Beispiel zeigt sich der Vorteil von strategischen Partnerschaften, denn die Lernstationen in Queens wurden mit Unterstützung der US-amerikanischen National Science Foundation finanziert und eingerichtet. Der Neubau stellt gleichzeitig einen wichtigen Baustein bei der Renovierung öffentlicher Gebäude in Queens dar, die im Wesentlichen auf die Aktivitäten von David J. Burney, dem Commissioner für das Department of Design and Construction zurückgehen

Links:
http://www.nytimes.com/2011/10/11/arts/design/new-yorks-public-architecture-gets-a-facelift.html?_r=2

http://www.queenslibrary.org/index.aspx?page_nm=DiscoveryCenter

Beitrag von Andreas Mittrowann, nach einem Hinweis von June Garcia