Archiv der Kategorie: Bibliothek: Technologie

Bibliotheken bauen mit Social Media: Surrey City Centre Library in Kanada

Die Architektur-Website Dezeen.com stellt die Surrey City Centre Library des Architektenbüros Bing Thom in einem Beitrag mit eindrucksvollen Fotos vor. Dabei ist sofort erkennbar: Diese Bibliothek in der Nähe von Vancouver macht ein Statement! Der schiffsartige Bug aus Beton wird in seiner Dynamik und schwungvollen Eleganz durch gebogene, große Glasflächen unterstützt. Dabei erinnert er ein wenig an die Filiale „The Shard“ der britischen Birmingham Public Library mit ihrer ebenfalls prägnanten „Nase“.

Das Innere des Gebäudes wird dominiert von weißen Regalen, Flächen aus Naturholz bei den Sondermöbeln sowie einem terrakottafarbenen Teppich. Die kurvenreiche Linienführung der Außengestaltung setzt sich hier fort in der Gestaltung der Treppenaufgänge und Formensprache der verschiedenen Ebenen. Die Verfasser betonen als Besonderheit den starken Einbezug der Bevölkerung über die sozialen Medien bei dem bereits im Jahr 2011 fertiggestellten Gebäude und etikettieren es als „first public building in the world to be designed with the aid of social media.“

http://www.dezeen.com/2016/05/18/bing-thom-architects-surrey-library-vancouver-canada-concrete

 

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Daten- und Wissensvisualisierung in Bibliotheken

Im Zeitalter von „Big Data“ nimmt die Visualisierung von Daten auch in Bibliotheken einen immer größeren Raum ein. Bibliotheken bauen dies im wissenschaftlichen Bereich teilweise zu einem Serviceangebot aus und bieten ihren Kunden Unterstützung bei diesem Thema an, beispielsweise die North Carolina State Libraries  oder die Harvard Law School Library in den USA.

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) hat in Zusammenarbeit mit dem Diplom-Medieninformatiker Mirko Clemente für ihr Foyer eine ganz andere, spannende Form der Datenvisualisierung entwickelt. Das Weblog der SLUB berichtet zu einer entsprechenden, neuen Installation in ihrem Foyer: „Auf der großen Projektionsfläche sehen Sie, wie sich aus den Recherchen im Katalog live ein Sternensystem von Fachdisziplinen und Themenbereichen entwickelt. Jeder Aufruf im SLUB-Katalog wird zu einem Teilchen in der Galaxie. Wir nennen das „Wissenskosmos“. Wenn Sie die in Dauerrotation laufenden Fachdisziplin-Sternbilder eine Weile beobachten, dann gewinnen Sie ein Gefühl dafür, was am heutigen Tag in der SLUB recherchiert wird.“

Weitere Informationen:
http://blog.slub-dresden.de/beitrag/2016/01/25/live-visualisierung-im-foyer-wissenskosmos/

http://mirkoclemente.net/installation/wissenskosmos.html

 

 

San Francisco und Omaha: Entdecke Deinen inneren Ingenieur

Die Stadtbibliothek im kalifornischen San Francisco liefert bei ihrem aktuellen Veranstaltungsprogramm mit der Überschrift „Entdecke Deinen inneren Ingenieur“ ein gutes Beispiel für den Wandel bei bibliothekarischen Programmangeboten. Unter dem Titel „Rock the Bike and Magna-tiles“ wird mit einem E-Bike Strom erzeugt, der dann für die Erzeugung gesunder „Smoothies“ genutzt wird. Anschließend gibt es Spaß am Bauen mit den dreidimensionalen Puzzle-Magneten „Magna Tiles“. Bei der Freude am Konstruieren darf der ewige Spielzeug-Klassiker „Lego“ natürlich nicht fehlen – hier in Gestalt des LEGO WeDO Programms, mit dem bspw. nicht nur gebaut wird, sondern anschließend die Fahrweise der kleinen motorisierten Fahrzeuge auch noch programmiert werden kann.

Den Trend zum „Lernen durch Machen“ unterstreicht eindrucksvoll der neue „Do Space“ in Omaha und zeigt, dass es sich dabei um keinen regional beschränkten Trend in den USA handelt. Der Do Space beschreibt sich selbst auf diese Weise: „Do Space is a one-of-a-kind concept: it’s a community technology library, a digital workshop and an innovation playground filled with new opportunities to learn, grow, explore and create. Our every action, from working with the Omaha community to setting a new technology education standard, is based on four core principles:

  • We’re a technology equalizer, giving people from all walks of life access to software, computing and emerging technology.
  • We’re a technology enabler, empowering everyone with the tools and guidance needed to learn, create, explore and invent with technology.
  • We’re a technology educator, creating a new path for technology literacy and understanding its potential while providing opportunities for advanced learning.
  • We’re a technology innovator, changing the shape of technology education and actively playing a role in technology advancement and creation.“

Weitere Informationen zu den genannten Initativen finden sich hier:
http://sfpl.org/index.php?pg=1021488401
http://www.dospace.org/

Übrigens: Programmarbeit für junge Ingenieure kann man auch in kleinen Bibliotheken realisieren, siehe http://www.techsoupforlibraries.org/blog/of-makerspaces-and-media-labs-tales-from-two-small-libraries

 

 

 

 

Schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres ausgezeichnet

Die Dänische Agentur für Kultur und die Softwarefirma Sytematic haben in Kooperation mit dem Weltverband der Bibliotheken IFLA die schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres auf der IFLA-Jahrestagung im südafrikanischen Kapstadt ausgezeichnet.

„Schweden hat die beste öffentliche Bibliothek, wenn es nach Architektur, Innenraumgestaltung, der Nutzung digitaler Technologie sowie der lokalen Bürgerbeteiligung geht“, so die Jury. Insgesamt waren fünf Bibliotheken aus Spanien, Kenia, Australien, Neuseeland und Schweden nominiert.

Morten Lautrup-Larsen, der stellvertretende Direktor der Dänischen Agentur für Kultur ist sehr zufrieden mit der Schaffung des neuen Preises, mit dem Dänemark die Verbreitung fundamentaler demokratischer Werte durch Bibliotheken fördern will. In diesem Jahr wird der Preis in Zusammenarbeit mit der Public Library Section der IFLA verliehen und ist mit 5000 US-Dollar dotiert.

Link: http://modelprogrammer.kulturstyrelsen.dk/det-sker/public-library-of-the-year-award-2015/#.VdCw25eHqf-

Ein paar schöne Fotoimpressionen finden sich hier: https://www.flickr.com/photos/stockholms_stadsbibliotek/albums/72157646602157123

Danke an die Kollegen von www.bib-info.de für den Hinweis!

Beitrag von Andreas Mittrowann

Neuer Report „Future Libraries“ erschienen

Das weltweit tätige Ingenieurbüro ARUP hat einen wegweisenden Bericht zur Zukunft der Bibliotheken veröffentlicht. Die Grundlage des Dokuments bildet eine Serie von Workshops zu verschiedenen inhaltlichen Facetten: Während eine Teilnehmergruppe in Sydney den Fokus auf die Rolle und Funktion von Bibliotheken gelegt hat, ging es in San Francisco eher um Fragen des Designs und um das Bibliotheksgebäude. Weitere Veranstaltungen fanden in Melbourne und London statt, wo ARUP auch seinen Hauptsitz hat. Die Teilnehmer der Workshops stammten aus unterschiedlichen beruflichen und gesellschaftlichen Feldern – natürlich auch aus dem Bibliotheksbereich, unter anderem vertreten durch Diana Richards von der Australian Library & Information Association, Vicky McDonald von der State Library New South Wales, Mark Taylor vom britischen Bibliotheksverband CILIP und Jennifer Burrell von der australischen Blacktown Public Library.

Die Verfasser machen zu Beginn deutlich, dass die Unterschiede bei der internationalen Entwicklung von Bibliotheken fundamental sind. Während in Südkorea von 2009 bis 2013 493 Mio. US-Dollar für neue Bibliotheken investiert wurden, stehen viele andere Häuser vor der Herausforderung, mit weniger Mitteln mehr Aufgaben bewältigen zu müssen. Die Stichworte sind hier „digitale Umwälzungen“ und „gesellschaftliche Veränderungen“. Der Report arbeitet mir vier großen Themenfeldern, die gemeinsam ein „Ecosystem for Future Libraries“ beschreiben sollen:

  1. Participatory Knowledge Preservation
  2. Enabling Collaboration and Decision-making
  3. Hubs for Community Wellbeing
  4. Seamless Learning Experiences

Anhand von fiktiven Fallbeispielen werden die Felder anschließend mit Leben gefüllt: Wir lernen die australische Schauspielerin Caitlin kennen, die im Ruhestand lebt und einen Beitrag für die Erhaltung von Filmmaterial leisten möchte. Sie unterstützt die Filmbibliothek bei der Digitalisierung von Material (Participatory Knowledge Preservation). Die 27-jährige Architektin Susan hat den Auftrag, eine „Grüne Mauer“ für Singapur zu projektieren und wird vom Bibliotheksteam mit einer Liste der dafür 20 passenden Pflanzenarten sowie vom Roboter mit möglichen Materialien für den Bau beliefert – die Bibliotheksdrone räumt dann abends den gemeinsamen Arbeitsbereich auf, den Susans Team in der Bibliothek für die Ideenentwicklung genutzt hat … (Enabling Collaboration and Decision-making).

Der Bibliothekar Loh Ki aus Taipei wird demnächst mit seiner Bibliothek umziehen und möchte ganz sicher gehen, dass der neue Ort den Erwartungen der künftigen Kunden entspricht. Der Report beschreibt einen Kunden-Workshop und die positiven Folgen (Hubs for Community Wellbeing). Schließlich lernen wir auch den Finnen Pete kennen, der sich aufgrund seiner Lebenssituation eine berufliche Auszeit nimmt und mit Unterstützung der Bibliothek Programmieren lernt – von der Nutzung der entsprechenden Lernressourcen und einer digitalen Community bis hin zu einer abendlichen Lernrunde  gemeinsam mit anderen Kursteilnehmern in der lokalen Bibliothek (Seamless Learning Experiences).

Fazit der Autoren: „The role of libraries will significantly change in the coming years, driven by demographic changes, rising urban migration and technological advances. In the future, libraries will serve more culturally diverse and physically dense communities under the pressure of limited resources. Integrating a wider range of public and commercial services in their offering will help libraries remain vital and relevant to their communities, especially in more isolated contexts. Physical interaction will remain a key demand of users, despite the opportunity for ubiquitous and constant information access offered by technology.“

Fazit des Verfassers dieses Blogbeitrags: Sehr lesenswert!

Link: http://publications.arup.com/Publications/F/Future_Libraries.aspx

Beitrag von Andreas Mittrowann

Digital Storytelling: Drei Plätze zu vergeben!

Die Bill und Melinda Gates Foundation hat im Rahmen ihrer weltweiten Unterstützung öffentlicher Bibliotheken auch immer wieder Bibliotheken in Osteuropa gefördert. Im Kontext dieser Programme habe ich auf der NextLibrary-Conference 2013 in der Session „Innovative approaches to technology training: Meeting patrons needs from e-book to email“ auch Camelia Crişan von Biblionet Romania kennengelernt. Camelia ist inzwischen Executive Direktor bei der Progress Foundation in Rumänien und trägt am 27. April am Institut für Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen-Recklinghausen-Bocholt vor.

Thema: The Power of Digital Storytelling in  Advocating Change of Local Institutions (The case of Romanian Libraries)

Für diesen Vortrag sind noch drei Plätze für Kolleginnen oder Kollegen aus Bibliotheken zu vergeben! Wer Interesse hat, darf sich gern direkt melden bei: camelia.crisan[at]progressfoundation.ro.

Beitrag von Andreas Mittrowann

Nachtrag: Frau Dr. Crisan hat mir den Beitrag zur Verfügung gestellt und ich darf ihn den Globolibro-Leserinnen und Lesern als Anhang zu diesem Beitrag als Download anbieten: Power of DS in advocating change

Kanada: Edmonton Public Library mit digitalem Archiv für Lokalmusik

In den deutschen Öffentlichen Bibliotheken sind vielerots die Ausleihen mit Musik-CDs rückläufig,
da insbesondere jüngere Menschen Musik über YouTube oder Streamingdienste wie Spotify oder
Simfy hören. Firmen wie Apple und Amazon stehen mit ähnlichen Diensten in den Startlöchern.
Wie können Bibliotheken mit dieser Situation umgehen? Soll man künftig ganz auf ein CD-Angebot
verzichten oder vielleicht wie die Delfter Bibliothek in den Niederlandern lokale Spotify-Plätze anbieten?

Die Edmonton Public Library geht einen anderen Weg: Sie bietet ab Ende April die Musik
lokaler Bands und Künstler über einen kostenlosen Streamingdienst auf der Seite
http://www.capitalcityrecords.ca an. „Dies ist eine Gelegenheit für uns, um Vorteile aus einer coolen,
neuen Technologie zu ziehen die Menschen dabei unterstützen kann, sich mit kultureller Geschichte
in anregender Weise zu beschäftigen“, so Alex Carrtuhers, die bei der Edmonton Public
Library für „Digitale Spaces“ verantwortliche Bibliothekarin.

Bürger mit Bibliotheksausweis werden freien Zugriff auch auf die Möglichkeit zum Herunterladen
der Songs haben, während Nichtnutzer lediglich streamen dürfen. Musiker erhalten – je nach Länge
des Albums – bis zu 200 kanadische Dollars (rund 140 Euro). Auch die Toronto Public Library hat ein digitales Angebot lokaler Musik für ihre Kunden erarbeitet, weitere Informationen dazu finden sich hier.

Link: http://www.edmontonjournal.com/touch/story.html?id=10767915

Beitrag von Andreas Mittrowann

Erste öffentliche digitale Bibliothek eröffnet in Nebraska

Im US-amerikanischen Omaha wird im Herbst 2015 die erste rein digitale öffentliche Bibliothek des Staates Nebraska eröffnen. Dabei wird es sich – ähnlich wie im texanischen San Antonio – um ein ergänzendes Angebot zur bereits vorhandenen klassischen Bibliotheksstruktur handeln. In Omaha wird die neue Bibliothek vom Community Information Trust der Heritage Services, einer eigens für diesen Zweck gegründeten Non-Profit-Organisation, finanziert und betreut werden. Die Stadtbibliothek Omaha und das lokale Community College beraten bei der Gründung, Durchführung und der Ausbildung des ehrenamtlichen Personals.

„Menschen wünschen sich Zugang zu nutzbringender Technologie und als Gemeinschaft sollten wir den Zugang zu den entsprechenden Ressourcen schaffen“, so Walter Scott, der Vorsitzende der Heritage Services. „Die digitale Bibliothek, eine Bibliothek des 21. Jahrhunderts, wird Omaha zu einer der führenden Kommunen beim Verständnis der digitalen Welt machen, in der wir alle leben“.

Die digitale Bibliothek Omaha wird sich in einem ehemaligen „Borders-Bookstore“ befinden und soll für alle Altersgruppen Services bieten, von Menschen ohne Zugang zu Technologie bis hin zu Existenzgründern, die Unterstützung brauchen, um ihre Ideen auf den Weg zu bringen. Beispiele für die geplanten Angebote sind individuelle PC-Stationen mit Zugriff auf weltweite Bibliotheksdatenbanken, spezielle Kinderzonen für interaktive Geschichtenstunden, Innovationslabore für die Erstellung digitaler Inhalte sowie 3D-Drucker.

Link: http://www.infodocket.com/2014/12/03/plan-to-open-omahas-first-digital-library-announced-omaha-public-library-will-be-a-partner/

Beitrag von Andreas Mittrowann

Konferenzbericht: Public Library Futures in a global digital world

Am 12. und 13. August 2014 fand im britischen Birmingham die IFLA-Konferenz „Public Library Futures in a global digital world“ mit rund 150 Gästen statt. Organisiert von der Public Libraries Section des bibliothekarischen Weltverbandes IFLA sowie den britischen Vereinigungen CILIP sowie SCL, standen im Mittelpunkt der Veranstaltung die Fragen nach der zukünftigen Ausrichtung der öffentlichen Bibliotheken und der gegenwärtige Transformationsprozess. Star der Veranstaltung war allerdings die großartige neue Birmingham Public Library, in der die Konferenz auch stattfand. Einen Eindruck vom Gebäude vermittelt ein Film auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=fZ50SgXYkUg

Der erste Tag stand unter dem Motto „Breaking down barriers between physical and digital“ und wurde von Brian Gambles, dem Direktor der Birminghamer Bibliothek, eröffnet. Sein Vortrag unter dem Motto „Future City, Future Library“, fokussierte zunächst auf die industriell geprägte Geschichte Birminghams und die Notwendigkeit von Kreativitätsförderung und Bildungsangeboten für eine sehr junge Einwohnerschaft. Was ist eine Bibliothek im 21. Jahrhundert? Diese Frage beantworte Gambles mit Stichworten wie „Wissenszentrum“, „Social Learning Hub“, „Kultureller Austausch“ und „Empowerment Centre“.

Das Vorgehen im digitalen Bereich basiert in Birmingham auf einer dreigeteilten Strategie: Physischen Angeboten wie Touchtables und Monitoren in der Bibliothek, digitalen Services wie E-Lending und Lösungen für die mobile Gesellschaft. Grundsätzlich gelte allerdings: „Nothing is more important than free WiFi and good Coffee“. Gambles und auch seine Mitarbeiterin während der Führung betonten: „It is not our library, it is theirs“, um die große Offenheit gegenüber den Kundenwünschen und eine bisher nur sehr zurückhaltende Reglementierung zu begründen. Es müsse allen Bibliothekaren sehr klar werden, dass Innovation eine Daueraufgabe und nicht etwa mit einer Neueröffnung beendet sei. Für die Mitarbeiter sei das eine besondere Herausforderung und keine Stellenbeschreibung sei unverändert geblieben.

Ein Beispiel aus Deutschland für das Verschmelzen von Informationen aus der physischen und digitalen Welt stellten Sarah Dudek und Vera Binz aus der Zentral- und Landesbibliothek Berlin vor. Der dort eingerichtete „Topic Room“ adressiert aktuelle Themen wie den 1. Weltkrieg oder die Bundestagswahl und setzt darüber hinaus eigene Akzente wie beispielsweise beim Thema Märchen, das sich als Publikumsrenner erwies. Die beiden Vortragenden machten sehr schön deutlich, dass Innovation auch in der kontinuierlichen Überarbeitung des Erarbeiteten besteht – so sieht der aktuelle Topic Room nach einer Renovierungsmaßnahme anders aus als die erste Version  und enthält eine neue Möblierung sowie anders gestaltete Bildschirme und digitale Präsentationen inklusive einer eigens entwickelten App.

Ein Highlight des Tages war ganz sicher auch der Vortrag von Corinne Hill, Direktorin der Chattanooga Public Library und „Librarian of the Year 2014“. Die noch vor einigen Jahren unter der vorherigen Leitung stark kritisierte Bibliothek ist ein hervorragendes Beispiel für positiven Wandel. Hill präsentierte unter dem neu formulierten Mission Statement „To be the community’s catalyst for life long learning“ ein Bündel von Maßnahmen, die von einer sehr gezielten Teamentwicklung („Collaborate, Create, Control, Compete“) über Projekte wie ein Fablab und eine „Sandbox“ bis hin zur gemeinschaftlichen Ausräumung eines Möbellagers im 4. Stock der Bibliothek reichen, in dem ein völlig neuer Bereich für Events und experimentelle Maßnahmen geschaffen wurde: http://chattlibrary.org/4th-floor. Prägende Begriffe sind Transformation,  Zugang durch die Kunden („Customer Access“), technologische Plattformen und „Responsive Collections“. Hill ging auch auf ein immer wiederkehrendes Thema ein, das bereits von Brian Gambles adressiert worden war: Wie können Mitarbeiter für Wandel und Veränderung gewonnen werden? Während Gambles sich auf die 20-60-20-Regel berief (20 Prozent der Mitarbeiter ziehen bei Veränderungen mit, 60 Prozent sind offen und 20 Prozent dagegen), plädierte Hill für einen konsequenten und unmissverständlichen Stil („Don’t get in my way“), auch wenn sie generell sehr für kooperative Führung sei. Als richtige erkannte Entscheidungen müssten auch durchgesetzt werden – konkret äußert sich das beispielsweise u.a. in der deutlichen Reduktion von Kosten für kaum genutzte Datenbanken. Der so gewonnene Etat wird dem Printbereich zugeführt. Bei Hill wurde deutlich, dass der Wandel insbesondere über eine klare Strategie und die Gewinnung neuer, hoch motivierter Mitarbeiter gesteuert wird, während in Birmingham eine Strategie der „small steps to change“ eingesetzt wird: Eine komplette Neugestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation, ein „Customer Experience Pool“ sowie ein neues Corporate Design plus ein „Dress Code“ für alle Mitarbeiter sind einige der Elemente für den Wandel in Birmingham. Einen weiteren Höhepunkt des ersten Tages bildete der Vortrag von Laura Cole von der Bexar County Bibliotech Library, über die bereits an anderer Stelle berichtet wurde. Ein ähnlicher Vortrag findet sich hier.

Der zweite Konferenztag stand unter dem Motto „Libraries in the digital economy“ und wurde gleich zu Beginn durch einen hervorragenden Beitrag von Jens Thorhauge geprägt. Sein Vortragstitel „Transforming  public libraries in the knowledge society“ machte seine Überzeugung deutlich, dass ein völlig neues Modell notwendig sei, um die Bibliotheken für den schnellen Wandel fit zu machen. Im Zentrum seiner Präsentation stand daher folgerichtig das neue dänische Bibliotheksmodell mit den Schlagworten Innovation, Experience, Empowerment und Involvement, dass bereits an anderer Stelle ausführlich geschildert worden ist. Viele weitere Beispiele aus China, Spanien, Großbritannien, Australien und weiteren Nationen machten deutlich, dass der Wandel in Bibliotheken eine globale Aufgabe ist, die gemeinsam bewältigt werden kann.

Beitrag von Andreas Mittrowann

90 Prozent aller Stadtbibliotheken in den USA bieten E-Books an

Die American Libraries Association hat jetzt bestätigt, dass mittlerweile 90 Prozent aller öffentlichen Bibliotheken in den USA E-Books anbieten, verglichen mit noch 76 Prozent im Jahr 2012. Die Daten resultieren aus dem „ALA Digital Inclusion Survey„, der die Verfügbarkeit Ende 2013 abgefragt hatte und an dem sich rund 70 Prozent der Bibliotheken beteiligt hatten.

Weitere interessante Daten: 98 Prozent der Bibliotheken bieten kostenloses WLAN an und ebenfalls 98 Prozent offerieren Technologie-Trainings zu Themen wie Sicherheit im Internet oder der Nutzung sozialer Medien. ALA-Präsidentin Courtney Young kommentierte: „Ob es ein Kurs zur Internetsicherheit, ein Unternehmer auf der Suche nach potenziellen Kunden in einer Datenbank oder eine Gruppe zum Thema Erstellung digitaler Inhalte ist: Bibliotheken etablieren sich weiterhin als digitale Wegbereiter in ihren Kommunen. Diese Studie zeigt, wie kommunale Investitionen unseren Bibliotheken und ihren Kunden nützen und unsere Gemeinden voranbringen.“

Quelle: http://www.teleread.com/library/ala-finds-90-percent-u-s-libraries-now-lend-ebooks

Beitrag von Andreas Mittrowann