Archiv der Kategorie: Bibliothek: Strategie

Wie australische Bibliotheken den Wandel gestalten


In einem Online-Artikel auf der Website der Australien Broadcasting Commission (ABC) schildert die Autorin Jana Black den Wandel in australischen Bibliotheken am Beispiel Canberra. Dabei wird deutlich, wie vergleichbar die Situation vieler Bibliotheken in westlichen Demokratien ist. Auch in Canberra sind die Ausleihen physischer Medien in den letzten Jahren zurückgegangen, das Interesse an E-Books hingegen gestiegen. Bibliotheksdirektorin Vanessa Little betont, dass dies aber nur eine der vielen Möglichkeiten ist, in einem sich wandelnden Umfeld relevant zu bleiben. Dabei unterstreicht sie insbesondere die Rolle als Lernort: „Libraries emerged out of the mechanics institutes that were built around Australia [and] other places as a way of educating people so that they could participate in the industrial revolution. So people have always used libraries as places to learn.“

Daher wird in Canberra mit einem breiten Bildungsbegriff gearbeitet – „Lernort“ umfasst somit auch das Programm „CycleJam“, bei dem die Reparatur und Instandhaltung von Fahrrädern im Mittelpunkt stehen. Wichtig dabei sei der Fokus auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger vor Ort („community needs“), so Little – „[…] we know that people don’t always learn by reading, people learn by doing and listening and watching.“

Mehr Programmarbeit, weniger Print“ – so könnte das Motto lauten. Ein weiteres Beispiel dafür ist „Giggle and Wiggle“ („Kichern und Wackeln“), ein Programm zur Leseförderung, bei dem junge Familien angesprochen werden, um die Liebe am Erzählen von Geschichten mit Tanz- und Singelementen zu wecken – eines der beständigen Kernelemente von Bibliotheksarbeit heute.

Link:
http://www.abc.net.au/news/2016-07-16/act-libraries-turn-to-new-programs-as-loans-decline/7579120

Beitrag von Andreas Mittrowann

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Bitte mitmachen! Europäische Studie zum Lernen in öffentlichen Bibliotheken

Das European Bureau of Library, Information and Documentation Associations (EBLIDA) führt eine Studie zum nicht-formellen und informellen Lernen der europäischen öffentlichen Bibliotheken durch. Alle öffentlichen Bibliotheken sind eingeladen, sich an der Online-Befragung bis zum 17. Juni zu beteiligen!

Worum geht es dabei? In Europa existieren rund 65.000 Bibliotheken. Viele von Ihnen bieten nicht-formelle bzw. informelle Lernmöglichkeiten an und haben darüber hinaus in vielen Jahrzehnten Expertenwissen dazu aufgebaut – allerdings liegen bisher noch keine empirisch basierten Studien in diesem Umfeld vor. EBLIDA führt nun im Rahmen des „Library Advocacy for EU“-Projektes gemeinsam mit dem lettischen Bibliotheksverband LLA eine Befragung zu diesem Thema durch. Die Ergebnisse sollen als Input für die „EU Education and Training Strategy 2020“ verwendet werden.

Der Online-Fragebogen ist in englischer Sprache, die Verfasser raten außerdem dazu, die Ergebnisse der jeweiligen Jahresstatistik 2015 zur Hand zu haben. Als ungefähren Zeitrahmen für das Ausfüllen geben die Verantwortlichen 30 bis 45 Minuten an, die allerdings auf mehrere Sessions am gleichen oder am nächsten Tag aufgeteilt werden können. Bei Fragen oder Problemen kann ein Mail an liba4eusurvey@gmail.com gesendet werden.

Hier geht es zum Fragebogen: https://www.surveymonkey.com/r/LibA4EU_survey

Beitrag von Andreas Mittrowann
auf Basis einer Übersetzung des entsprechenden EBLIDA-Aufrufes

 

 

Bibliothekszukunft gestalten: Praxisbeispiel aus Cedar Rapids

Auf welche Bedarfe müssen Bibliotheken künftig reagieren? Wie können Ressourcen wirksam eingesetzt werden? Einer der „Königswege“, um diese Fragen zu beantworten, ist immer noch das direkte Gespräch mit den Bibliothekskunden in Form von sogenannten „Fokusgruppen“. Diesen Weg beschritt nun auch die y Cedar Rapids Public Libray im Bundesstaat Iowa in den USA. Die Stadt mit rund 130.000 Einwohnern gehört zu 23 Orten in den USA, die einen intensiven Dialog mit ihren Nutzern zur Zukunftssicherung begonnen haben.

Die Situation vor Ort ist nicht untypisch für eine Bibliothek in einem westlichen, demokratischen Land: Aufgrund eines gescheiterten Wählervotums im vergangenen Jahr (in den USA werden lokale Budgeterhöhungen für Bibliotheken häufig über eine Bürgerabstimmung zur Erhöhung bspw. der Grundsteuer entschieden) stand die Bibliothek vor Budgetkürzungen und einer Reduktion der Öffnungszeiten. Wie damit umgehen? Offensichtlich passen die Angebote und das Programm nicht mehr so gut wie früher zum Bedarf der Bürger.

Als Antwort darauf führte die Bibliothek in Abstimmung mit den kommunalen Entscheidern eine Interviewrunde vor Ort mit mehr als 40 Bürgern durch, in denen Fragen wie „Was sind die wichtigen Schritte, um die Bibliothek erfolgreich zu machen“ oder „Welche Faktoren machen die Kommune lebenswert?“ eine Rolle spielten. Kernfrage der Gruppeninterviews: Warum ist die Bibliothek für mich persönlich wichtig? „Ich wünsche mir, dass die Bibliothek mehr nach Außen geht, um sich bei den Menschen bekannt zu machen und für ihren Service zu werben“, so bspw. Hassan Selin. „Ich denke, ein Teil des Problems ist die Tatsache, dass einfach zu wenig Menschen die Bibliothek kennen und wissen, wie großartig sie ist“, führt er weiter aus.

Dara Schmidt, die Leiterin der Bibliothek: „In Zeiten mit begrenzten Ressourcen müssen wir schwierige Entscheidungen darüber fällen, was wichtig ist“. Sie drückt darüber hinaus ihre Überzeugung aus, dass der Prozess der Bürgerbeteiligung zu neuen Partnerschaften, einer verbesserten Effizienz und eine großartigen Vision der Bibliothek als kommunaler Ressource führen wird.

Das „Library Board of Trustees“ wird die aus den Fokusinterviews gewonnenen Informationen für ein Treffen zur strategischen Zukunftsplanung nutzen. Ein Video auf der Webseite unter dem angegebenen Link illustriert den Bericht und zeigt Ausschnitte aus den Gruppenarbeiten.

http://www.kcrg.com/content/news/Library-uses-community-input-to-shape-future-361356241.html

Eine Hilfestellung zur Durchführung von Fokusgruppen findet sich unter dem folgenden Link ab Seite 69 ff.

http://www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de/Bildungspartner/1.-Ebene-Material/Lesekompetenz/kooperation_macht_staerker.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann
Übersetzungen vom Autor

Alberto Manguel: Die Bibliothek neu erfinden

Der kanadische Schriftsteller Alberto Manguel ist unter anderem bekannt durch seine Werke „Eine Geschichte des Lesens“ und „Die Bibliothek bei Nacht“. Jetzt hat er sich in einem bemerkenswerten Artikel in der New York Times zum Thema „Reinventing the Library“ geäußert. Darin betont er zunächst die Bedeutsamkeit schriftlicher Werke und ihrer Aufbewahrung für die Kultur der Zivilisationen, bei denen früher die Hauptgefahr in Feuer, Wasser oder der Bürokratie bestand.

Heute jedoch bestünde die größte Bedrohung in einem „falsch verstandenen“ Wandel: „Librarians today are forced to take on a variety of functions that their society is too miserly or contemptuous to fulfill, and the use of their scant resources to meet those essential social obligations diminishes their funds for buying new books and other materials.“ Bibliotheken seien weder Obdachlosenheime, eine Spaßveranstaltung noch ein Anbieter für soziale oder medizinische Dienste, auch wenn dies in einigen Bibliotheken längst so sei.

Manguel verurteilt zwar nicht die „neuen Dienstleistungen“ von Bibliotheken und nennt sie gut und nützlich, allerdings macht er auch deutlich: „If we change the role of libraries and librarians without preserving the centrality of the book, we risk losing something irretrievable.“ Damit befindet sich Manguel mitten in einer höchst aktuellen Diskussion: Liegt die Zukunft der Bibliotheken in interaktiven Angeboten, ihrer Rolle als Ort der Begegnung und der Kommunikation oder in ihrem „Markenkern“, den Büchern und den Medien? Ein sehr schönes Beispiel für diese Diskussion bietet auch der jüngst veröffentlichtes Artikel über die neue Bibliothek in Aarhus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Titel „Und wo sind hier die Bücher“? Der Journalist Simon Strauss fragt darin (vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Bücher in Aarhus nicht im Vordergrund stehen) recht suggestiv: „Müsste nicht die Bibliothek der Zukunft ein Ort sein, der sich selbstbewusst von anderen unterscheidet, der darauf vertraut, dass die unmittelbare Begegnung mit dem gedruckten Buch (nicht nur, aber besonders) für Kinder gerade dadurch wieder ein Erlebnis wird, weil sonst schon so viel hinter dem allgegenwärtigen Display passiert?“

 Vielleicht muss es aber auch überhaupt kein „entweder oder“ sein, sondern die sozialen, interaktiven und kommunikativen Funktionen der „neuen“ Bibliothek lassen sich mit dem klassischen „Markenkern“ verbinden? Eine spannende, internationale Auseinandersetzung, die uns sicher noch die nächsten Jahre intensiv begleiten wird und die die Fachwelt auch nicht notwendigerweise entzweien muss: Denn um die Erhaltung der Bibliothek als wichtiger Institution geht es beiden Seiten.

Link: http://www.nytimes.com/2015/10/24/opinion/reinventing-the-library.html?_r=0

Beitrag von Andreas Mittrowann

Schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres ausgezeichnet

Die Dänische Agentur für Kultur und die Softwarefirma Sytematic haben in Kooperation mit dem Weltverband der Bibliotheken IFLA die schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres auf der IFLA-Jahrestagung im südafrikanischen Kapstadt ausgezeichnet.

„Schweden hat die beste öffentliche Bibliothek, wenn es nach Architektur, Innenraumgestaltung, der Nutzung digitaler Technologie sowie der lokalen Bürgerbeteiligung geht“, so die Jury. Insgesamt waren fünf Bibliotheken aus Spanien, Kenia, Australien, Neuseeland und Schweden nominiert.

Morten Lautrup-Larsen, der stellvertretende Direktor der Dänischen Agentur für Kultur ist sehr zufrieden mit der Schaffung des neuen Preises, mit dem Dänemark die Verbreitung fundamentaler demokratischer Werte durch Bibliotheken fördern will. In diesem Jahr wird der Preis in Zusammenarbeit mit der Public Library Section der IFLA verliehen und ist mit 5000 US-Dollar dotiert.

Link: http://modelprogrammer.kulturstyrelsen.dk/det-sker/public-library-of-the-year-award-2015/#.VdCw25eHqf-

Ein paar schöne Fotoimpressionen finden sich hier: https://www.flickr.com/photos/stockholms_stadsbibliotek/albums/72157646602157123

Danke an die Kollegen von www.bib-info.de für den Hinweis!

Beitrag von Andreas Mittrowann

Eine nationale Strategie für Schottlands Öffentliche Bibliotheken

Am 2. Juni wurde das Dokument „Ambition and Opportunity: A Strategy for Public Libraries in Scotland 2015-2020“ vom Scottish Library & Information Council mit Unterstützung des Carnegie UK Trust veröffentlicht. Das 48seitige Paper legt seinen Fokus zunächst auf die Ausgangslage: Öffentliche Bibliotheken sind in Schottland gut genutzte und angesehene Institutionen – 61 Prozent der Schotten nutzen sie regelmäßig. Bibliotheken müssen sich aber über ein „Lagerhaus für Bücher“ hinaus entwickeln. Das reicht von der Anpassung der Öffnungszeiten über die Einbindung digitaler Medien und der entsprechenden Geräte bis hin zur gesellschaftlichen Dimension (bspw. Familien und Inklusion) sowie der Aufenthaltsqualität.

Als Vision wird nun neu definiert: „Schottlands Öffentliche Bibliotheken sind zuverlässige Führer, die alle Bürger mit den Möglichkeiten und Chancen dieser Welt verbinden“. Dem zur Seite wird eine klare Mission gestellt: „Schottlands Öffentliche Bibliotheken sind Teil eines gemeinsamen bürgergesellschaftlichen Strebens, das Potenzial Einzelner und der Gemeinschaft zu entfalten“. Damit es nicht bei allgemeinen Absichtserklärungen bleibt, werden in Strategieprozessen im nächsten Schritt üblicherweise strategische und operative Ziele sowie Handlungsfelder und dazu passende Schritte formuliert. So auch hier: Die schottische Strategie leitet aus Vision und Mission sechs strategische Ziele bzw Felder ab:

  1. Lesen, Lesefähigkeit und Lernen
  2. Digitale Inklusion
  3. Wirtschaftliches Wohlergehen
  4. Soziales Wohlergehen
  5. Kultur und Kreativität
  6. Exzellente öffentliche Services

In der Folge wird daraus eine Vielzahl konkreter Handlungsempfehlungen entwickelt, so unter anderem „Ensure access to library services for all citizens using new technology“, „Test and replicate provision of co-working spaces for small businesses“, „Pilot a collaborative venture to provide access to eBooks from Scottish publishers“ oder „Develop and implement a learning and development programme for all library staff“.

Insgesamt ein lesenswerter, inspirierender und zeitgemäßer Rahmen für eine nationale Bibliotheksstrategie!

Direkter Link zum Paper: http://scottishlibraries.org/wp-content/uploads/2015/01/Strategy.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

 

 

Neuer Report „Future Libraries“ erschienen

Das weltweit tätige Ingenieurbüro ARUP hat einen wegweisenden Bericht zur Zukunft der Bibliotheken veröffentlicht. Die Grundlage des Dokuments bildet eine Serie von Workshops zu verschiedenen inhaltlichen Facetten: Während eine Teilnehmergruppe in Sydney den Fokus auf die Rolle und Funktion von Bibliotheken gelegt hat, ging es in San Francisco eher um Fragen des Designs und um das Bibliotheksgebäude. Weitere Veranstaltungen fanden in Melbourne und London statt, wo ARUP auch seinen Hauptsitz hat. Die Teilnehmer der Workshops stammten aus unterschiedlichen beruflichen und gesellschaftlichen Feldern – natürlich auch aus dem Bibliotheksbereich, unter anderem vertreten durch Diana Richards von der Australian Library & Information Association, Vicky McDonald von der State Library New South Wales, Mark Taylor vom britischen Bibliotheksverband CILIP und Jennifer Burrell von der australischen Blacktown Public Library.

Die Verfasser machen zu Beginn deutlich, dass die Unterschiede bei der internationalen Entwicklung von Bibliotheken fundamental sind. Während in Südkorea von 2009 bis 2013 493 Mio. US-Dollar für neue Bibliotheken investiert wurden, stehen viele andere Häuser vor der Herausforderung, mit weniger Mitteln mehr Aufgaben bewältigen zu müssen. Die Stichworte sind hier „digitale Umwälzungen“ und „gesellschaftliche Veränderungen“. Der Report arbeitet mir vier großen Themenfeldern, die gemeinsam ein „Ecosystem for Future Libraries“ beschreiben sollen:

  1. Participatory Knowledge Preservation
  2. Enabling Collaboration and Decision-making
  3. Hubs for Community Wellbeing
  4. Seamless Learning Experiences

Anhand von fiktiven Fallbeispielen werden die Felder anschließend mit Leben gefüllt: Wir lernen die australische Schauspielerin Caitlin kennen, die im Ruhestand lebt und einen Beitrag für die Erhaltung von Filmmaterial leisten möchte. Sie unterstützt die Filmbibliothek bei der Digitalisierung von Material (Participatory Knowledge Preservation). Die 27-jährige Architektin Susan hat den Auftrag, eine „Grüne Mauer“ für Singapur zu projektieren und wird vom Bibliotheksteam mit einer Liste der dafür 20 passenden Pflanzenarten sowie vom Roboter mit möglichen Materialien für den Bau beliefert – die Bibliotheksdrone räumt dann abends den gemeinsamen Arbeitsbereich auf, den Susans Team in der Bibliothek für die Ideenentwicklung genutzt hat … (Enabling Collaboration and Decision-making).

Der Bibliothekar Loh Ki aus Taipei wird demnächst mit seiner Bibliothek umziehen und möchte ganz sicher gehen, dass der neue Ort den Erwartungen der künftigen Kunden entspricht. Der Report beschreibt einen Kunden-Workshop und die positiven Folgen (Hubs for Community Wellbeing). Schließlich lernen wir auch den Finnen Pete kennen, der sich aufgrund seiner Lebenssituation eine berufliche Auszeit nimmt und mit Unterstützung der Bibliothek Programmieren lernt – von der Nutzung der entsprechenden Lernressourcen und einer digitalen Community bis hin zu einer abendlichen Lernrunde  gemeinsam mit anderen Kursteilnehmern in der lokalen Bibliothek (Seamless Learning Experiences).

Fazit der Autoren: „The role of libraries will significantly change in the coming years, driven by demographic changes, rising urban migration and technological advances. In the future, libraries will serve more culturally diverse and physically dense communities under the pressure of limited resources. Integrating a wider range of public and commercial services in their offering will help libraries remain vital and relevant to their communities, especially in more isolated contexts. Physical interaction will remain a key demand of users, despite the opportunity for ubiquitous and constant information access offered by technology.“

Fazit des Verfassers dieses Blogbeitrags: Sehr lesenswert!

Link: http://publications.arup.com/Publications/F/Future_Libraries.aspx

Beitrag von Andreas Mittrowann

British Library: Bibliotheken können das Internet überdauern

Roy Keating, der Direktor der British Library, äußerte in einem Interview mit dem britischen „Telegraph“ sein Erstaunen darüber, wie viele „smarte Menschen“ immer noch hinterfragen, ob Bibliotheken im digitalen Zeitalter Bestand haben werden. Bibliotheken zu bewahren sei mit zahllosen Werten verbunden, die es zu verteidigen gälte. Dazu zählte insbesondere Vertrauen, denn Bibliotheken könnten beweisen, dass sie über das mächtigste und belastbarste Netzwerk überhaupt verfügten. Diese Werte seien dem Internet vorausgegangen und würden es – so Keating – „wenn wir es richtig machen, auch überdauern“.

Keating sprach auf dem „Hay Festival“, um über die Pläne seines Teams in den kommenden Jahren zu sprechen und unterstrich dabei die vitale Bedeutung von Bibliotheken in den Kommunen sowie ihre steigende Bedeutung für wahrheitsgetreue Informationen im digitalen Zeitalter.

„Wenn wir über Bibliotheken sprechen, dann wird mir von ihren alten und traditionellen Werten berichtet. Einige denken nun, diese werden von neuen Werten wie mehr Offenheit, Vernetzung und Virtualität ersetzt. Unsere leidenschaftliche Überzeugung in der British Library ist es jedoch, an beides zu glauben. Und dies ist der großartige Reichtum der Bibliotheken und was sie künftig sein können“, so Keating. Er führte weiter aus, dass Bibliotheken im Zeitalter des Internet für Freiheit, Schutz der Privatsphäre sowie Schutz der Suche und des Ausdrucks, für Sicherheit und bei Bedarf auch für Zurückgezogenheit stünden. Wichtig seien insbesondere auch Angebote in Kommunen mit einem hohen Anteil von Armut.

http://www.telegraph.co.uk/culture/hay-festival/11627276/Libraries-could-outlast-the-internet-head-of-British-Library-says.html

Beitrag und Übersetzung der Zitate von Andreas Mittrowann

Und immer wieder Holland…

Die Kolleginnen und Kollegen in den Niederlanden haben sich in den letzten Jahren gemeinsam mit den Dänen an die europäische Spitze bei innovativen Konzepten und herausragenden Bibliotheksbauten gesetzt. Ein Bericht des Kultursenders Arte vom 20. Juli in der Sendereihe Metropolis stellte unter anderem das Architekturbüro Neutelings & Riedijk vor, die für zwei neue Kulturzentren und die darin integrierten öffentlichen Bibliotheken in Arnheim und Amersfoort verantwortlich sind. Zitat von der Arte-Website zu Arnheim:

„Das Baukünstler-Duo Neutelings & Riedijk schuf für die Stadt Arnheim ein phantastisches Kulturzentrum mit Konzertsaal, Proberäumen, Bibliothek und einem coolen Restaurant. Bis spät abends lockt es die Bewohner an, gibt der Stadt ein neues Herz. Das Gebäude ist nur ein typisches Beispiel für das Büro der beiden in Rotterdam residierenden Baumeister. Sie haben sich darauf spezialisiert, skulpturale Bauwerke zu entwerfen, die sich den Bürgern auf eine neue, freundliche Art öffnen.“

Damit nicht genug: Die Kollegen vom nordrhein-westfälischen Bibliotheksblog berichteten kürzlich auch über das spannende neue niederländische Strategiepapier zur Zukunft der Bibliotheken mit dem Titel The Library of the Future : Hub for Contact, Knowledge and Culture. Daraus ein Kernsatz:

„Knowledge and information will be essential production resources in 2025. Not just the development of knowledge, but also its exchange, will be increasingly important for the economy and competitive position of the Netherlands. The core purpose of the library is to contribute to and form a foundation for the knowledge and information society. This consists of stimulating, supporting, facilitating and equipping people with what they need to be able to participate in and contribute to the modern knowledge society. The library also plays an important socio-cultural role.“

Lust auf mehr? Der 10. Deutsch-niederländische Bibliothekentag der Ems-Dollart-Region am 20. Oktober in Coevorden greift einzelne, aktuelle Themen der Fachdiskussion auf und ist offen für alle Interessierten.

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

Diskussion um Bibliothekstantieme in der Schweiz

In einem sehr interessanten Beitrag für die „Neue Zürcher Zeitung“ nimmt Hans Ulrich Locher, Geschäftsführer des Schweizer Bibliotheksverbandes SAB/CLP, zur Forderung der Schweizer Autoren nach einer Bibliothekstantieme Stellung. Dr. Locher betont, dass allein bereits über den Kauf von Büchern im Wert von 120 Millionen Franken durch die Schweizer Bibliotheken rund 12 Millionen Franken an Autorenhonoraren finanziert werden und führt weiter aus:

„Die Bibliotheken sind die grössten Förderer des Lesens und der Literatur; sie sind die geistigen Fitnesszentren unserer Gesellschaft. Sie werden jährlich von rund 20 Millionen Personen besucht und haben somit zehnmal mehr Publikum als die oberste nationale Fussballliga – publikumsmässig spielen sie in der Champions League“.

Der Kommentator weist ausdrücklich darauf hin, dass die geforderten Zahlungen letztlich die Budgets der Kantone belasten und damit zu einer Reduzierung der Bibliotheksetats führen werden – das dürfte eher nicht im Sinne der Autoren sein. Dr. Locher zeigt auch das von Amazon angestrebte Marktmodell auf und macht seine Einschätzung deutlich, dass vor dem Hintergrund dieses „digitalen Tsunamis“ die Forderung nach einer Bibliothekstantieme „ins letzte Jahrtausend und nicht in die Gegenwart“ gehört.

Link: http://www.nzz.ch/meinung/debatte/keine-lesesteuer-1.18272179

Beitrag von Andreas Mittrowann