Archiv der Kategorie: Bibliothek: Strategie

USA: Zukunftsrollen für Bibliotheken

Welche Möglichkeiten sehen öffentliche Bibliotheken in Kommunen mit rund 25.000 Einwohnern für die Ausgestaltung ihrer näheren konkreten Zukunft? Zwei aktuelle Beispiele aus den USA können dafür als Beispiel dienen: Myrtle Beach ist eine Stadt im Nordosten von South Carolina mit rund 27.000 Einwohnern, Ridgewood liegt im Norden von New Jersey und hat rund 25.000 Einwohner.

Während es in Myrtle Beach bereits konkrete Planungen für eine neues Bibliotheksgebäude gibt, arbeitet man in Ridgewood noch an einer Vision, die allerdings bereits auch schon Veränderungen bei der Raumgliederung vorsieht.  Ratsmitglied Mary Jeffcoat aus Myrtle Beach äußert sich zum Paradigmenwandel in Bibliotheken und führt aus, dass moderne Bibliotheken als Treffpunkt genutzt würden, als Punkte für den freien Zugriff auf das Internet sowie Computer und als moderne Dienstleister, die natürlich nach wie vor auch einen Buchbestand anbieten würden.  Bibliotheksleiterin Jennifer Nassar fügt hinzu, dass Programme für Jugendliche und frühkindliche Leseförderung im Fokus der Arbeit stünden, aber andere, neuartige Angebote von der Rechtsberatung bis hin zu Kursen zum smarten Fahrverhalten reichen könnten.

Die Pläne in Ridgewood sind noch unbestimmter, nehmen aber einen ähnlichen Weg in Richtung „Aufenthaltsqualität“. Bibliotheksleiterin Nancy Greene sprach gemeinsam mit der Präsidentin des Bibliothekausschusses vor kommunalen Entscheidern über die von ihr bemerkten Veränderungen: Die Besucher würden die Bibliothek auf einer andere Art und Weise beanspruchen seit der letzten Renovierung im Jahr 1998: Sie blieben für einen längeren Zeitraum, um die angebotenen Technologien zu nutzen oder Konzerte, Lesungen und andere Programme zu besuchen. Aktuell würde man das Haus als zu „überfüllt“, zu dunkel und das Design als zu veraltet empfinden. Eine moderne Vision für ein neu gestaltetes Haus sei es, sich die Bibliothek als Ort vorzustellen, um eine Lesung zu hören, eine Sprache zu lernen, sich in einer Diskussionsgruppe zu engagieren, ein Projekt im lokalen Makerspace zu beginnen oder sich mit Stadtgeschichte und Familienforschung auseinanderzusetzen. Der Start für eine neue Bibliothek in Ridgewood ist auf jeden Fall gemacht und weitere, konkretisierte Präsentationen für den Rat sollen folgen.

Die entwickelten Pläne und Visionen wurden in beiden Kommunen also genutzt, um den Rat und die Bürger auf dem Weg hin zu einer neuen Bibliothek mitzunehmen und dem Vorhaben somit weiteren Schwung zu verleihen.

Beitrag und Übersetzungen von Andreas Mittrowann

Links
http://www.myrtlebeachonline.com/news/local/article129243269.html

http://www.northjersey.com/story/news/bergen/ridgewood/2017/01/26/ridgewood-library-presents-preliminary-renovation-proposal/97078726/

 

 

STEAM und STEM in öffentlichen Bibliotheken

Wissenschafts- und Technologieprojekte in Bibliotheken gewinnen weltweit immer mehr  an Bedeutung. Unter den Akronymen „STEAM“ (Science, Technology, Engineering, Art and Math) oder „STEM“ (Science, Technology, Engineering and Math) werden kontinuierlich neue Angebote eingeführt. So bieten beispielsweise drei Zweigstellen der Houston Public Library sogenannte „STEAM“-Kits für unterschiedliche Altersgruppen an. Dazu gehören Sets oder Boxen mit Mikroskopen, Teleskopen, Magneten, Exponaten zum menschlichen Körper oder Sets zur künstlerisch-handwerklichen Bildung wie Nähen, Origami oder Architektur.

Ziel dieser Projekte ist es, den Bildungsauftrag der öffentlichen Bibliotheken über das Feld der Medien hinaus auszuweiten und damit zu sichern. Einen guten Überblick über entsprechende Aktivitäten beispielsweise in Australien bietet Elisabeth Swan in ihrem Vortrag „STEM for Children in Public Libraries“, den sie im Rahmen einer Veranstaltung des Victorian Public Library Networks im Sommer 2016 hielt. Darin führt sie unter anderem aus: „My interest in STEM started when the Australian Chief Scientist issued his report Science, Technology, Engineering and Mathematics: Australia’s Future. Canberra, Australian Government, 2014 http://tinyurl.com/hy585p6

His report begins with these words:

  • The global economy is changing. New technologies and smart companies lead.
  • New industries and new sources of wealth are emerging.
  • New skills are required for workers at all levels.
  • Australians must decide whether we will be in the forefront of these changes or be left behind. We have a choice.“

Einen sehr guten Überblick zum Thema bieten auch die Quellen https://showmelibrarian.blogspot.de/p/all-things-steam.html sowie http://www.libraryasincubatorproject.org/?tag=steam

Auch auf der Tagung des bibliothekarischen Weltverbandes IFLA in Columbus/Ohio 2016 war das Thema präsent, unter anderem in diesem Vortrag: http://library.ifla.org/1360/1/080-allen-en.pdf.

Wer sich zu diesem Programmschwerpunkt öffentlicher Bibliotheken mit weltweiten Kollegen austauschen möchte, kann sich übrigens zur kommenden Konferenz „STEAM into Sydney“ anmelden, die von der Public Libraries Section der IFLA im März 2017 veranstaltet wird. Weitere Informationen dazu finden sich hier:  https://steamintosydney.wordpress.com/program.

Beitrag von Andreas Mittrowann

Die Mehrheit der US-Amerikaner hält Bibliotheken für wichtig

Drei Viertel aller Bürger gaben in einer Befragung an, dass Bibliotheken sie mit den von ihnen benötigten Ressourcen versorgen, zwei Drittel stimmten darüber hinaus der Aussage zu, dass eine Schließung der lokalen Bibliothek einen negativen Effekt auf ihre Kommune hätte.

An der Befragung des Pew Research Instituts hatten mehr als 1.600 Bürger ab 16 Jahren teilgenommen. 80 Prozent davon wünschten sich eine Beratung zu digitalen Werkzeugen wie Computern und Smartphones, 57 Prozent erwarten komfortable Bereiche zum Lesen und Arbeiten.

http://goodereader.com/blog/digital-library-news/the-majority-of-americans-think-libraries-are-important

Beitrag / Übersetzung von Andreas Mittrowann

 

„Leih‘ Dir eine Erfahrung aus“: Perspektiven auf die Bibliothek der Zukunft

Bibliotheken werden in 50 Jahren Zentren sein, die Lernen, Aufnehmen, Teilen, Kreieren und Erleben an einem Ort verbinden. Zu ihrem Angebot werden auch riesige Datenbanken gehören, mit deren Hilfe Erlebnisse und Lernerfahrungen mittels neuer Technologien „ausgeliehen“ und „nacherlebt“ werden können – sei es das Erklimmen des Mount Everest oder ein Nachmittag als Hund. Dies berichtet die Website „UK Business Insider“ auf Basis der Aussagen von David Pescovitz, dem Mitherausgeber der US-Website „Boing Boing“ und Forschungsdirektor am Zukunftsinstitut in Palo Alto.

Um überhaupt Aussagen für einen so langen Zeitraum machen zu können, müsse man zuerst einmal die grundlegende Aufgabe von Bibliotheken verstehen, so Pescovitz. Und die bestünde, so der Forscher weiter, im Kern darin, den Zugriff auf Wissen zu ermöglichen. Das besondere Kennzeichen für die Bibliothek der Zukunft sei Hyperkonnektivität, die unsere weiter voranschreitende Bindung an soziale Medien, Streaming und Daten aus öffentlichen Quellen reflektiere (siehe hierzu auch http://trends.ifla.org/hyper-connected-societies). Das Makerspace in der Bibliothek der Zukunft sieht der Experte beispielsweise im Schaffen genetisch manipulierter Mikroben.

Beständigkeit sieht Peskovitz jedoch bei der Notwendigkeit einer Beratung und Begleitung in der Bbliothek 2056, lässt aber offen, ob diese Aufgabe durch Menschen wahrgenommen werden wird: „Pescovitz suspects that humans will always need some sort of guide to make a foreign landscape more familiar. Whether humanity turns that job into one for artificial intelligence is another matter, he says.“

„Wir reden sehr viel über Informationen und das Informationszeitalter. Ich denke jedoch, Menschen in der Zukunft werden eher nach Wissen und Weisheit Ausschau halten“, so die Einschätzung des Forschers.

Link: http://uk.businessinsider.com/libraries-of-the-future-2016-8?r=US&IR=T

Beitrag / Übersetzungen von Andreas Mittrowann

Die Armidale Library und der Wandel

Wenn unendlich viele Informationen im Internet verfügbar sind, was ist dann die Rolle der öffentlichen Bibliothek? Diese Frage stellt sich auch Martin Mantle von der Armidale Library in Australien, einem kleinen Ort mit rund 20.000 Einwohnern. Im Interview mit dem „Armidale Express“ bekräftigt er seine Einschätzung, das eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben der öffentlichen Bibliothek die eines „Community place“ sein wird.

„From the inclusion of maker spaces to collection points for charity organisations like Wraps with Love, Martin said libraries were no longer just about the books.“ Dabei betont der Bibliothekar, dass er nach wie vor Bücher wegen ihres barrierefreie Zugriffs und der Informationseffizienz dem Internet für überlegen hält.

Mantle sieht die Bibliothek zwischen ihrer Informationsfunktion und dem Zentrum für die Kommune: „For libraries, Martin said the future is about finding the middle ground between old and new. While he said libraries, like the local one, will always be a repository of information, they are increasingly a community space.“ Der Artikel zeigt auf schöne Weise, dass auch kleine Bibliotheken vom großen Wandel betroffen sind und ihm mit Mut und guten Konzepten erfolgreich begegnen können.

Link: http://www.armidaleexpress.com.au/story/4069767/librarian-tells-why-the-internet-will-never-roll-the-greatest-invention-humans-ever-made

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

Wie australische Bibliotheken den Wandel gestalten


In einem Online-Artikel auf der Website der Australien Broadcasting Commission (ABC) schildert die Autorin Jana Black den Wandel in australischen Bibliotheken am Beispiel Canberra. Dabei wird deutlich, wie vergleichbar die Situation vieler Bibliotheken in westlichen Demokratien ist. Auch in Canberra sind die Ausleihen physischer Medien in den letzten Jahren zurückgegangen, das Interesse an E-Books hingegen gestiegen. Bibliotheksdirektorin Vanessa Little betont, dass dies aber nur eine der vielen Möglichkeiten ist, in einem sich wandelnden Umfeld relevant zu bleiben. Dabei unterstreicht sie insbesondere die Rolle als Lernort: „Libraries emerged out of the mechanics institutes that were built around Australia [and] other places as a way of educating people so that they could participate in the industrial revolution. So people have always used libraries as places to learn.“

Daher wird in Canberra mit einem breiten Bildungsbegriff gearbeitet – „Lernort“ umfasst somit auch das Programm „CycleJam“, bei dem die Reparatur und Instandhaltung von Fahrrädern im Mittelpunkt stehen. Wichtig dabei sei der Fokus auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger vor Ort („community needs“), so Little – „[…] we know that people don’t always learn by reading, people learn by doing and listening and watching.“

Mehr Programmarbeit, weniger Print“ – so könnte das Motto lauten. Ein weiteres Beispiel dafür ist „Giggle and Wiggle“ („Kichern und Wackeln“), ein Programm zur Leseförderung, bei dem junge Familien angesprochen werden, um die Liebe am Erzählen von Geschichten mit Tanz- und Singelementen zu wecken – eines der beständigen Kernelemente von Bibliotheksarbeit heute.

Link:
http://www.abc.net.au/news/2016-07-16/act-libraries-turn-to-new-programs-as-loans-decline/7579120

Beitrag von Andreas Mittrowann

Bitte mitmachen! Europäische Studie zum Lernen in öffentlichen Bibliotheken

Das European Bureau of Library, Information and Documentation Associations (EBLIDA) führt eine Studie zum nicht-formellen und informellen Lernen der europäischen öffentlichen Bibliotheken durch. Alle öffentlichen Bibliotheken sind eingeladen, sich an der Online-Befragung bis zum 17. Juni zu beteiligen!

Worum geht es dabei? In Europa existieren rund 65.000 Bibliotheken. Viele von Ihnen bieten nicht-formelle bzw. informelle Lernmöglichkeiten an und haben darüber hinaus in vielen Jahrzehnten Expertenwissen dazu aufgebaut – allerdings liegen bisher noch keine empirisch basierten Studien in diesem Umfeld vor. EBLIDA führt nun im Rahmen des „Library Advocacy for EU“-Projektes gemeinsam mit dem lettischen Bibliotheksverband LLA eine Befragung zu diesem Thema durch. Die Ergebnisse sollen als Input für die „EU Education and Training Strategy 2020“ verwendet werden.

Der Online-Fragebogen ist in englischer Sprache, die Verfasser raten außerdem dazu, die Ergebnisse der jeweiligen Jahresstatistik 2015 zur Hand zu haben. Als ungefähren Zeitrahmen für das Ausfüllen geben die Verantwortlichen 30 bis 45 Minuten an, die allerdings auf mehrere Sessions am gleichen oder am nächsten Tag aufgeteilt werden können. Bei Fragen oder Problemen kann ein Mail an liba4eusurvey@gmail.com gesendet werden.

Hier geht es zum Fragebogen: https://www.surveymonkey.com/r/LibA4EU_survey

Beitrag von Andreas Mittrowann
auf Basis einer Übersetzung des entsprechenden EBLIDA-Aufrufes

 

 

Bibliothekszukunft gestalten: Praxisbeispiel aus Cedar Rapids

Auf welche Bedarfe müssen Bibliotheken künftig reagieren? Wie können Ressourcen wirksam eingesetzt werden? Einer der „Königswege“, um diese Fragen zu beantworten, ist immer noch das direkte Gespräch mit den Bibliothekskunden in Form von sogenannten „Fokusgruppen“. Diesen Weg beschritt nun auch die y Cedar Rapids Public Libray im Bundesstaat Iowa in den USA. Die Stadt mit rund 130.000 Einwohnern gehört zu 23 Orten in den USA, die einen intensiven Dialog mit ihren Nutzern zur Zukunftssicherung begonnen haben.

Die Situation vor Ort ist nicht untypisch für eine Bibliothek in einem westlichen, demokratischen Land: Aufgrund eines gescheiterten Wählervotums im vergangenen Jahr (in den USA werden lokale Budgeterhöhungen für Bibliotheken häufig über eine Bürgerabstimmung zur Erhöhung bspw. der Grundsteuer entschieden) stand die Bibliothek vor Budgetkürzungen und einer Reduktion der Öffnungszeiten. Wie damit umgehen? Offensichtlich passen die Angebote und das Programm nicht mehr so gut wie früher zum Bedarf der Bürger.

Als Antwort darauf führte die Bibliothek in Abstimmung mit den kommunalen Entscheidern eine Interviewrunde vor Ort mit mehr als 40 Bürgern durch, in denen Fragen wie „Was sind die wichtigen Schritte, um die Bibliothek erfolgreich zu machen“ oder „Welche Faktoren machen die Kommune lebenswert?“ eine Rolle spielten. Kernfrage der Gruppeninterviews: Warum ist die Bibliothek für mich persönlich wichtig? „Ich wünsche mir, dass die Bibliothek mehr nach Außen geht, um sich bei den Menschen bekannt zu machen und für ihren Service zu werben“, so bspw. Hassan Selin. „Ich denke, ein Teil des Problems ist die Tatsache, dass einfach zu wenig Menschen die Bibliothek kennen und wissen, wie großartig sie ist“, führt er weiter aus.

Dara Schmidt, die Leiterin der Bibliothek: „In Zeiten mit begrenzten Ressourcen müssen wir schwierige Entscheidungen darüber fällen, was wichtig ist“. Sie drückt darüber hinaus ihre Überzeugung aus, dass der Prozess der Bürgerbeteiligung zu neuen Partnerschaften, einer verbesserten Effizienz und eine großartigen Vision der Bibliothek als kommunaler Ressource führen wird.

Das „Library Board of Trustees“ wird die aus den Fokusinterviews gewonnenen Informationen für ein Treffen zur strategischen Zukunftsplanung nutzen. Ein Video auf der Webseite unter dem angegebenen Link illustriert den Bericht und zeigt Ausschnitte aus den Gruppenarbeiten.

http://www.kcrg.com/content/news/Library-uses-community-input-to-shape-future-361356241.html

Eine Hilfestellung zur Durchführung von Fokusgruppen findet sich unter dem folgenden Link ab Seite 69 ff.

http://www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de/Bildungspartner/1.-Ebene-Material/Lesekompetenz/kooperation_macht_staerker.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann
Übersetzungen vom Autor

Alberto Manguel: Die Bibliothek neu erfinden

Der kanadische Schriftsteller Alberto Manguel ist unter anderem bekannt durch seine Werke „Eine Geschichte des Lesens“ und „Die Bibliothek bei Nacht“. Jetzt hat er sich in einem bemerkenswerten Artikel in der New York Times zum Thema „Reinventing the Library“ geäußert. Darin betont er zunächst die Bedeutsamkeit schriftlicher Werke und ihrer Aufbewahrung für die Kultur der Zivilisationen, bei denen früher die Hauptgefahr in Feuer, Wasser oder der Bürokratie bestand.

Heute jedoch bestünde die größte Bedrohung in einem „falsch verstandenen“ Wandel: „Librarians today are forced to take on a variety of functions that their society is too miserly or contemptuous to fulfill, and the use of their scant resources to meet those essential social obligations diminishes their funds for buying new books and other materials.“ Bibliotheken seien weder Obdachlosenheime, eine Spaßveranstaltung noch ein Anbieter für soziale oder medizinische Dienste, auch wenn dies in einigen Bibliotheken längst so sei.

Manguel verurteilt zwar nicht die „neuen Dienstleistungen“ von Bibliotheken und nennt sie gut und nützlich, allerdings macht er auch deutlich: „If we change the role of libraries and librarians without preserving the centrality of the book, we risk losing something irretrievable.“ Damit befindet sich Manguel mitten in einer höchst aktuellen Diskussion: Liegt die Zukunft der Bibliotheken in interaktiven Angeboten, ihrer Rolle als Ort der Begegnung und der Kommunikation oder in ihrem „Markenkern“, den Büchern und den Medien? Ein sehr schönes Beispiel für diese Diskussion bietet auch der jüngst veröffentlichtes Artikel über die neue Bibliothek in Aarhus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Titel „Und wo sind hier die Bücher“? Der Journalist Simon Strauss fragt darin (vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Bücher in Aarhus nicht im Vordergrund stehen) recht suggestiv: „Müsste nicht die Bibliothek der Zukunft ein Ort sein, der sich selbstbewusst von anderen unterscheidet, der darauf vertraut, dass die unmittelbare Begegnung mit dem gedruckten Buch (nicht nur, aber besonders) für Kinder gerade dadurch wieder ein Erlebnis wird, weil sonst schon so viel hinter dem allgegenwärtigen Display passiert?“

 Vielleicht muss es aber auch überhaupt kein „entweder oder“ sein, sondern die sozialen, interaktiven und kommunikativen Funktionen der „neuen“ Bibliothek lassen sich mit dem klassischen „Markenkern“ verbinden? Eine spannende, internationale Auseinandersetzung, die uns sicher noch die nächsten Jahre intensiv begleiten wird und die die Fachwelt auch nicht notwendigerweise entzweien muss: Denn um die Erhaltung der Bibliothek als wichtiger Institution geht es beiden Seiten.

Link: http://www.nytimes.com/2015/10/24/opinion/reinventing-the-library.html?_r=0

Beitrag von Andreas Mittrowann

Schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres ausgezeichnet

Die Dänische Agentur für Kultur und die Softwarefirma Sytematic haben in Kooperation mit dem Weltverband der Bibliotheken IFLA die schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres auf der IFLA-Jahrestagung im südafrikanischen Kapstadt ausgezeichnet.

„Schweden hat die beste öffentliche Bibliothek, wenn es nach Architektur, Innenraumgestaltung, der Nutzung digitaler Technologie sowie der lokalen Bürgerbeteiligung geht“, so die Jury. Insgesamt waren fünf Bibliotheken aus Spanien, Kenia, Australien, Neuseeland und Schweden nominiert.

Morten Lautrup-Larsen, der stellvertretende Direktor der Dänischen Agentur für Kultur ist sehr zufrieden mit der Schaffung des neuen Preises, mit dem Dänemark die Verbreitung fundamentaler demokratischer Werte durch Bibliotheken fördern will. In diesem Jahr wird der Preis in Zusammenarbeit mit der Public Library Section der IFLA verliehen und ist mit 5000 US-Dollar dotiert.

Link: http://modelprogrammer.kulturstyrelsen.dk/det-sker/public-library-of-the-year-award-2015/#.VdCw25eHqf-

Ein paar schöne Fotoimpressionen finden sich hier: https://www.flickr.com/photos/stockholms_stadsbibliotek/albums/72157646602157123

Danke an die Kollegen von www.bib-info.de für den Hinweis!

Beitrag von Andreas Mittrowann