Archiv der Kategorie: Bibliothek: Gebäude

Die Bibliothek als Labor

In einer zunehmend komplexer werdenden Welt gibt es im Zuge der Digitalisierung viele Entwicklungen, die nur die wenigsten Bürger noch überschauen können. Nimmt man den Auftrag der Bibliothek als Wissenvermittlerin ernst, kann man aus dieser Situation eine Vielfalt von Angeboten ableiten. Die State Library of Queensland in Australien präsentiert jedes Jahr einen inhaltlichen Schwerpunkt für die Bürger*innen und hat sich in diesem Jahr für das Thema „Digitale Zukunft“ entschieden. Dazu gehört als besonderer Schwerpunkt auch ein „Digitales Zukunftslabor 2.0“. Zu seinen Bestandteilen zählen eine interaktive Ausstellung, digitale Games, Mode von morgen und tragbare Technologie, ein Drohnensimulator sowie viele weitere Möglichkeiten speziell für Familien und Kinder: http://www.slq.qld.gov.au/whats-on/events/digital-futures

Damit steht die Bibliothek in Queensland für einen weltweiten Trend: Die Bibliothek als Labor. Die kanadische Vancouver Public Library nennt es „Inspirational Lab“ mit der Möglichkeit zu digitalen Tonaufnahmen, Digitalisierung oder E-Book-Erstellung: https://www.vpl.ca/inspirationlab. Die Madison Public Library in Wisconsin (USA) nennt ihr Labor „Bubbler“ und dort beinhaltet es Möglichkeiten für Trickfilmanimationen, 3D-Design, Videoerstellung mit „Green Screens“ und grafischem Design: http://madisonbubbler.org/media-lab/.

Da ist es eine tolle Nachricht, dass auch die Düsseldorfer Stadtbüchereien nun ihr eigenen „Library Lab“ eröffnen werden. Hier umfasst die Palette unter anderem Virtual Reality, Gaming, Digitales Leben, 3D-Druck und die weiteren Online-Angebote der Bibliothek. Der Start wird natürlich mit einer vielseitigen Eröffnungswoche gefeiert, die am 14. Oktober um 11:00 Uhr beginnt – alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Link: https://www.duesseldorf.de/stadtbuechereien/bibliotheken/librarylab.html

Beitrag von Andreas Mittrowann

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Die „Filia Nr. 12“ – eine neue Zweigstelle der Stadtbibliothek Wrocław (PL)

Das heutige Wrocław mit seinen über 600.000 Einwohnern präsentierte sich im Rahmen des diesjährigen Weltkongresses der Bibliotheken vom 19. bis zum 25. August als freundliche, offene Stadt mit einer gelungenen Mischung aus historischer Altbausubstanz und modernen architektonischen Kontrapunkten. Die positiven Auswirkungen aus der letztjährigen Rolle als „Kulturhauptstadt“ waren noch deutlich positiv spürbar.

Im Rahmen des Kongresses hatte ich die Möglichkeit, die im Mai 2017 im zweiten Stockwerk des Breslauer Hauptbahnhofes eröffnete neue Zweigstelle der Stadtbibliothek zu besuchen. Die Filiale umfasst 580 qm und verfolgt das Ziel, Reisende und Pendler direkt an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte mit Medien, Literatur und Informationen zu versorgen. Die Innenraumgestaltung folgt diese Zielsetzung konsequent und präsentiert sich als „Dritter Ort“ im Zentrum der Stadt mit bequemen Sofas, Loungemöbeln, Arbeitsplätze und Nischen, um mitten im urbanen Leben einen Platz für Konzentration, Lernen und Entspannung zu schaffen. Eine große Uhr hinter der Verbuchungstheke steht einerseits als Symbol für den Bahnhof und seine Betriebsamkeit, andererseits aber durch ihren Stillstand für den selbstgewählten Moment der Ruhe. Auch die Bezeichnung der Räume verfolgt den Gedanken des zweiten Zuhauses durch seine Bezeichnungen wie „Diele“, „Küche“ oder  „Wohnzimmer“.

Es war schön zu sehen, dass die Stadtbibliothek und die Kommune den mit der Jugendbibliothek „Mediateka“ im Jahr 2004 gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung begonnenen Prozess einer zielgruppenorientierten Raumgestaltung fortgesetzt haben.

Persönliche Fotos finden Sie hier: https://flickr.com/photos/67365955@N02/sets/72157685656850823

Beitrag von Andreas Mittrowann

USA: Zukunftsrollen für Bibliotheken

Welche Möglichkeiten sehen öffentliche Bibliotheken in Kommunen mit rund 25.000 Einwohnern für die Ausgestaltung ihrer näheren konkreten Zukunft? Zwei aktuelle Beispiele aus den USA können dafür als Beispiel dienen: Myrtle Beach ist eine Stadt im Nordosten von South Carolina mit rund 27.000 Einwohnern, Ridgewood liegt im Norden von New Jersey und hat rund 25.000 Einwohner.

Während es in Myrtle Beach bereits konkrete Planungen für eine neues Bibliotheksgebäude gibt, arbeitet man in Ridgewood noch an einer Vision, die allerdings bereits auch schon Veränderungen bei der Raumgliederung vorsieht.  Ratsmitglied Mary Jeffcoat aus Myrtle Beach äußert sich zum Paradigmenwandel in Bibliotheken und führt aus, dass moderne Bibliotheken als Treffpunkt genutzt würden, als Punkte für den freien Zugriff auf das Internet sowie Computer und als moderne Dienstleister, die natürlich nach wie vor auch einen Buchbestand anbieten würden.  Bibliotheksleiterin Jennifer Nassar fügt hinzu, dass Programme für Jugendliche und frühkindliche Leseförderung im Fokus der Arbeit stünden, aber andere, neuartige Angebote von der Rechtsberatung bis hin zu Kursen zum smarten Fahrverhalten reichen könnten.

Die Pläne in Ridgewood sind noch unbestimmter, nehmen aber einen ähnlichen Weg in Richtung „Aufenthaltsqualität“. Bibliotheksleiterin Nancy Greene sprach gemeinsam mit der Präsidentin des Bibliothekausschusses vor kommunalen Entscheidern über die von ihr bemerkten Veränderungen: Die Besucher würden die Bibliothek auf einer andere Art und Weise beanspruchen seit der letzten Renovierung im Jahr 1998: Sie blieben für einen längeren Zeitraum, um die angebotenen Technologien zu nutzen oder Konzerte, Lesungen und andere Programme zu besuchen. Aktuell würde man das Haus als zu „überfüllt“, zu dunkel und das Design als zu veraltet empfinden. Eine moderne Vision für ein neu gestaltetes Haus sei es, sich die Bibliothek als Ort vorzustellen, um eine Lesung zu hören, eine Sprache zu lernen, sich in einer Diskussionsgruppe zu engagieren, ein Projekt im lokalen Makerspace zu beginnen oder sich mit Stadtgeschichte und Familienforschung auseinanderzusetzen. Der Start für eine neue Bibliothek in Ridgewood ist auf jeden Fall gemacht und weitere, konkretisierte Präsentationen für den Rat sollen folgen.

Die entwickelten Pläne und Visionen wurden in beiden Kommunen also genutzt, um den Rat und die Bürger auf dem Weg hin zu einer neuen Bibliothek mitzunehmen und dem Vorhaben somit weiteren Schwung zu verleihen.

Beitrag und Übersetzungen von Andreas Mittrowann

Links
http://www.myrtlebeachonline.com/news/local/article129243269.html

http://www.northjersey.com/story/news/bergen/ridgewood/2017/01/26/ridgewood-library-presents-preliminary-renovation-proposal/97078726/

 

 

Aus Chicago: Impressionen vom IFLA Satellite Meeting „Collaborative Strategies for Successful Library Design and Innovative Use“

Wissen Bibliothekar/innen auf Basis ihrer Erfahrungen, was „richtig“ für ihre Besucher ist? Reichen die Erfahrungen von Architekt/innen seit dem Bau der Bibliothek von Alexandria bis heute nicht aus, um die perfekte Bibliothek zu gestalten? Unsere Welt ist so viel komplexer geworden, die Gesellschaft deutlich facettenreicher, die Technologie dynamischer und unsere Werte unterliegen einem deutlichen Wandel, wie man beispielsweise in der Kindererziehung deutlich beobachten kann. 

Für den Bau und die Gestaltung von Bibliotheken bedeutet dies, dass unter anderem der Einbezug der KundInnen oder BenutzerInnen eine deutlich wichtigere Rolle spielt als in vergangenen Zeiten. Da wir das Zeitalter der Universalgenies hinter uns gelassen haben und heute jeder nicht mehr „alles“ wissen kann, ist es umso notwendiger, möglichst viele Perspektiven und Erfahrungen in den Designprozess einfließen zu lassen. Genau diesem Thema widmet sich das aktuell in Chicago durchgeführte IFLA Satellite Meeting „Collaborative Strategies for Sucessful Library Design and Innovative Use“, das in der Galvin Library des Illinois Institute for Technology stattfindet. Unter der Regie der wunderbaren Gastgeberinnen Sharon Bostick und Diane Koen standen am ersten Konferenztag die Schwerpunkte „Student engagement and collaboration“, „Stakeholder engagement“ sowie „Collaboration for a successful master plan“ und „Inkrementeller Opportunismus / User driven design“ (Letzteres mit Olaf Eigenbrodt aus Hamburg) im Mittelpunkt. Dabei ist es den Organisatorinnen gelungen, gleichermaßen Menschen aus wissenschaftlichen sowie öffentlichen Bibliotheken und aus der Architekturprofession auf die Bühne der Galvin Library zu bringen.

Ein paar Kernaussagen des ersten Tages (so wie ich sie verstanden habe) von den hervorragenden Referentinnen und Referenten:

  • Bibliothekar/innen müssen viel aggressiver ihre Sache in den Gremien vertreten! Seien Sie mehr involviert, sitzen Sie an jedem (Entscheidungs)Tisch, machen Sie mehr Lobbyarbeit! Wissen Ihre Entscheider eigentlich, wo genau die Bibliothek ist und wie es darin aussieht? „Advocacy is the top competency librarians must have“
  • Schaffen Sie durch den Einbezug der Kunden und durch die Gestaltung der Bibliothek einen Sinn für Gemeinschaft
  • Es ist ein gutes Zeichen, wenn man einen Raum betritt und nicht sofort klar ist, welche Funktion wo vorgesehen ist
  • Machen Sie Bibliotheken zu dem Ort, wo die „Action“ ist
  • Erwerben Sie ein grundlegendes Verständnis dafür, was Lernen heute für Schüler und Studenten bedeutet
  • Es werden nur zwei Typen von Gebäuden überleben: Der sehr „einfache“ Typus und der hochentwickelte Typus
  • Gutes Design vermittelt den Bibliotheksbesuchern Wertschätzung (!!!)
  • Studenten heute wollen sozial orientierte Räume für projektbasiertes Arbeiten
  • Das heutige Analogon für Bibliotheken ist eher das Labor, das Studio, der Kreativitätsraum als die Mediensammlung, BIbliotheken sind und bleiben aber auch Orte der „intellektuellen Kontemplation“
  • Immer mehr Bibliotheken reduzieren den Raum für Medien zugunsten von Raum zum Lernen und Begegnen
  • Schaffen Sie Bereiche für das „Ich“ (individuelles Lernen), das „Wir“ (Gruppenlernen) und das „Uns“ (plenare Veranstaltungen)

Die zahlreichen Beispiele, die für den Einbezug von Nutzergruppen präsentiert wurden, lassen sich im Programm hier nachvollziehen: http://docdro.id/x9wFU8q

Ein Highlight der Veranstaltung war der nachmittägliche Workshop mit Marie Østergard vom DOKK1 in Aarhus sowie Elif Tinaztepe von Schmidt Hammer Lassen Architects. Unter ihrer Moderation schufen die Teilnehmer in Dreiergruppen zunächst „Personas“. Eine Persona stellt einen Prototyp für eine Gruppe von Nutzern dar, mit konkret ausgeprägten Eigenschaften und einem konkreten Nutzungsverhalten. Anschließend wurde der Gang der geschaffenen Persona durch einen vorgegebenen Bibliotheksgrundriss simuliert und sowohl die vermuteten positiven als auch negativen Effekte nachvollzogen. Durch die vielen geschaffenen Personas entsteht ein eindrucksvoller Prozess des „systematischen Hineinversetzens“ – die Bibliothek wird aus Sicht der Kunden erlebt. Diese Methode kann beispielsweise hervorragend in Workshops mit Bürgern eingesetzt werden – nicht nur bei Neubauten, sondern bei allen geplanten Veränderungen in der Innenraumgestaltung. Ein wirklich sehr lohnender Tag!

Mit herzlichen Grüßen aus Chicago

Ihr Andreas Mittrowann

Bibliotheken bauen mit Social Media: Surrey City Centre Library in Kanada

Die Architektur-Website Dezeen.com stellt die Surrey City Centre Library des Architektenbüros Bing Thom in einem Beitrag mit eindrucksvollen Fotos vor. Dabei ist sofort erkennbar: Diese Bibliothek in der Nähe von Vancouver macht ein Statement! Der schiffsartige Bug aus Beton wird in seiner Dynamik und schwungvollen Eleganz durch gebogene, große Glasflächen unterstützt. Dabei erinnert er ein wenig an die Filiale „The Shard“ der britischen Birmingham Public Library mit ihrer ebenfalls prägnanten „Nase“.

Das Innere des Gebäudes wird dominiert von weißen Regalen, Flächen aus Naturholz bei den Sondermöbeln sowie einem terrakottafarbenen Teppich. Die kurvenreiche Linienführung der Außengestaltung setzt sich hier fort in der Gestaltung der Treppenaufgänge und Formensprache der verschiedenen Ebenen. Die Verfasser betonen als Besonderheit den starken Einbezug der Bevölkerung über die sozialen Medien bei dem bereits im Jahr 2011 fertiggestellten Gebäude und etikettieren es als „first public building in the world to be designed with the aid of social media.“

http://www.dezeen.com/2016/05/18/bing-thom-architects-surrey-library-vancouver-canada-concrete

 

Fotos aus Bibliotheken weltweit

Ob Madrid, Birmingham oder gerade eben erst Genf: In den vergangenen Jahren hatte ich die Möglichkeit, vorwiegend öffentliche Bibliotheken weltweit und natürlich auch in Deutschland zu besuchen. Einige der Fotoimpressionen aus diesen Bibliotheken habe ich jetzt auf der Plattform Flickr unter dem Link www.bibliowelten.de für Sie zusammengestellt, liebe Fachkolleginnen und -kollegen.

Vielleicht sind ein paar Inspirationen für Ihr nächstes Einrichtungsprojekt dabei oder Ideen für eine angenehmere Raumatmosphäre in Ihrer Bibliothek?
Direktlink: https://www.flickr.com/photos/67365955@N02/albums

Viel Spaß beim Betrachten und Umsetzen wünscht Ihnen
Ihr Andreas Mittrowann

P.S. Zum Thema „Flickr“ siehe auch http://www.bibliotheksportal.de/themen/web20/flickr.html#c5002

Daten- und Wissensvisualisierung in Bibliotheken

Im Zeitalter von „Big Data“ nimmt die Visualisierung von Daten auch in Bibliotheken einen immer größeren Raum ein. Bibliotheken bauen dies im wissenschaftlichen Bereich teilweise zu einem Serviceangebot aus und bieten ihren Kunden Unterstützung bei diesem Thema an, beispielsweise die North Carolina State Libraries  oder die Harvard Law School Library in den USA.

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) hat in Zusammenarbeit mit dem Diplom-Medieninformatiker Mirko Clemente für ihr Foyer eine ganz andere, spannende Form der Datenvisualisierung entwickelt. Das Weblog der SLUB berichtet zu einer entsprechenden, neuen Installation in ihrem Foyer: „Auf der großen Projektionsfläche sehen Sie, wie sich aus den Recherchen im Katalog live ein Sternensystem von Fachdisziplinen und Themenbereichen entwickelt. Jeder Aufruf im SLUB-Katalog wird zu einem Teilchen in der Galaxie. Wir nennen das „Wissenskosmos“. Wenn Sie die in Dauerrotation laufenden Fachdisziplin-Sternbilder eine Weile beobachten, dann gewinnen Sie ein Gefühl dafür, was am heutigen Tag in der SLUB recherchiert wird.“

Weitere Informationen:
http://blog.slub-dresden.de/beitrag/2016/01/25/live-visualisierung-im-foyer-wissenskosmos/

http://mirkoclemente.net/installation/wissenskosmos.html

 

 

Die Eroberung des Raums: drei internationale Beispiele zur Innengestaltung von Bibliotheken

Trotz der weltweit fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft erhalten Bibliotheken als physische, nicht-kommerzielle Orte eine steigende Bedeutung. Was bewegt Bibliotheken und internationale Architekturbüros bei der Einrichtung und beim Design? Drei subjektiv ausgewählte, aktuelle Quellen zeigen Trends und Entwicklungslinien an:

  1. Die Online-Ausgabe von American Libraries zeigt mit dem Schwerpunkt „2015 Library Design Showcase“ neue Einrichtungen aus den USA. Neben sehr klassisch orientierten Beispielen aus wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken („Regale, Stühle, Tische“) wird bei der Sawyer Library des Williams College ein Akzent auf die Aufenthaltsqualität deutlich. Der Anbau eines historischen Gebäudeteils zeichnet sich durch luftige Strukturierung und dynamische Formen aus, in der Kombination mit hellem Holz und grünen Akzenten bei Teppichboden und Polstermöbeln wird hier die Aussage getroffen: „Lernen, Entspannen, anregen lassen“. Das Mitchell Park Library and Community Center zeigt durch leuchtend-blaue, großzügige Sofaflächen und entsprechende Teppiche seinen Anspruch als „öffentliches Wohnzimmer“. Die Main Library im Monroe County hingegen steht in der Fotoauswahl für den Trend hin zur kreativen Bibliothek: Ein digitales Tonstudio lädt zum Musizieren ein und bietet dabei gleichzeitig eine Teilantwort auf die Frage nach der Zukunft der Musikabteilung in Bibliotheken.
    Link: http://americanlibrariesmagazine.org/2015/09/01/2015-library-design-showcase/
  1. Das Feature „10 beautiful Canadian libraries“ in der Septemberausgabe des Canadian Geographic stellt den Aspekt der „neuen Bibliothekskathedralen“ in den Vordergrund. Vielerorts werden Bibliotheksneubauten heute für ein architektonisches Statement genutzt. Zur „ewigen Liste“ zählt hier schon länger die Vancouver Public Library mit ihrer Schneckenform und der großen Glaspassage, die auch gern schon mal für Hollywoodfilme genutzt wird. Besonders augenfällig ist die Halifax Central Library, die mit ihren gegeneinander verschobenen Stockwerk-Riegeln ein urbanes Statement setzt und durch innenlaufende Galerien sowie zeitgemäße Möblierung einen Wohlfühlcharakter vermittelt. Welche Wirkung auf die Stadtgesellschaft das lobenswerte, kommunale Engagement für diese neue Bibliothek erzeugt hat, zeigt dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=dg2qE5aebMo. Ein hervorragendes Beispiel für innovative Zweigstellenarchitektur bildet die Edmonton Public Library Jasper Place Branch.
  1. Eine „bibliotheksarchitektonische Disruption“ zeigt die Website „Weanthecolor“ mit der Einrichtungsrealisierung der Conarte Library im mexikanischen Monterrey durch die Designagentur Anagrama. Mission der Bibliothek: „The Conarte Library is known as the council for culture and art in the city of Monterrey, Mexico. The library stimulates artistic expression. In addition they support the preservation and enrichment of culture.“ Hier wurden die klassischen Regale gebogen und bis zur Decke hin über einer breiten Treppe in eine domartige Dachstruktur gebracht, die gleichzeitig schützend wirkt und dabei auch Bücher aufnimmt. Kontrastiert wird dies durch klare, weiße Präsentationsregale an den Wänden in einem anderen Gebäudeteil sowie rechteckige, langgezogene Regale im freien Raum. Link: http://weandthecolor.com/conarte-library-interior-design-concept-by-anagrama/58864

Alle genannten Beispiele zeigen, dass zeitgemäße Bibliotheksarchitektur sowie Innenraumgestaltung lebendig, dynamisch und durchaus anspruchsvolle Aufgaben sein können, die dann am erfolgreichsten gelöst werden, wenn sie aus einer engen Zusammenarbeit von Bibliothekaren und Architekten hervorgehen. Die Bürger sind jederzeit bereit, solche Ergebnisse mit einer hohen Besuchsfrequenz zu belohnen.

Beitrag von Andreas Mittrowann

Schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres ausgezeichnet

Die Dänische Agentur für Kultur und die Softwarefirma Sytematic haben in Kooperation mit dem Weltverband der Bibliotheken IFLA die schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres auf der IFLA-Jahrestagung im südafrikanischen Kapstadt ausgezeichnet.

„Schweden hat die beste öffentliche Bibliothek, wenn es nach Architektur, Innenraumgestaltung, der Nutzung digitaler Technologie sowie der lokalen Bürgerbeteiligung geht“, so die Jury. Insgesamt waren fünf Bibliotheken aus Spanien, Kenia, Australien, Neuseeland und Schweden nominiert.

Morten Lautrup-Larsen, der stellvertretende Direktor der Dänischen Agentur für Kultur ist sehr zufrieden mit der Schaffung des neuen Preises, mit dem Dänemark die Verbreitung fundamentaler demokratischer Werte durch Bibliotheken fördern will. In diesem Jahr wird der Preis in Zusammenarbeit mit der Public Library Section der IFLA verliehen und ist mit 5000 US-Dollar dotiert.

Link: http://modelprogrammer.kulturstyrelsen.dk/det-sker/public-library-of-the-year-award-2015/#.VdCw25eHqf-

Ein paar schöne Fotoimpressionen finden sich hier: https://www.flickr.com/photos/stockholms_stadsbibliotek/albums/72157646602157123

Danke an die Kollegen von www.bib-info.de für den Hinweis!

Beitrag von Andreas Mittrowann

Österreichischer Bibliothekartag: PreConference zum Thema Bibliotheksbau

Am Dienstag, den 15. September 2015 findet im Vorfeld des Österreichischen Bibliothekskongresses eine Vorkonferenz mit dem Titel „Die Bibliothek als Marke. Bibliotheksbau im 21. Jahrhundert“ statt. Die Veranstaltung ist in die Blöcke

  • „Bibliotheksbau als Marketingstrategie“,
  • „Bibliotheksbau als Chance“ und
  • „Aktuelle Entwicklungen im Bibliotheksbau“

gegliedert. Referenten sind u.a. Nikolaus Berger vom Library and Learning Center WU Wien, Olaf Eigenbrodt von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Patrick Lüth  vom Architekturbüro Snøhetta (Oslo), Werner Schlacher,  Universitätsbibliothek Graz
sowie Dr. Klaus Ulrich Werner von der FU Berlin.

Weitere Informationen:
https://bibliothekartag2015.univie.ac.at/preconference/detailprogramm/

Beitrag von Andreas Mittrowann