Archiv der Kategorie: Bibliothek: Bestand

Kleiner IFLA-Rückblick (6): Martin Julius V. Perez und Mariel R. Templanza, „Local Studies Centers“

Die Philippinen können auf eine reiche und wechselhafte Geschichte zurückblicken, die unter anderem durch spanische, US-amerikanische und japanische Besetzungen sowie die Unabhängigkeit seit dem Jahr 1946 geprägt wurde. Martin Julius V. Perez und Mariel R. Templanza – die Gewinner des von der ekz.bibliotheksservice GmbH gesponserten IFLA LIS Student Awards – konnten mit Unterstützung der Award-Partner von den Philippinen nach Helsinki fliegen und dort über ihre Arbeit zu „Local Studies Centers“ berichten.

Bei diesen Zentren handelt es sich um eine Kombination aus Bibliothek, Museum und Archiv, die sich der Bewahrung der regionalen Geschichte und der kulturellen Errungenschaften verschrieben haben. Die qualitative Untersuchung der beiden Kollegen bestand in Literatursichtung, persönlichen Besuchen vor Ort sowie der Durchführung von Fallstudien in drei philippinischen Regionen mit dem Ziel, die Wirkung der Zentren zu evaluieren. Im Fokus der Untersuchung standen drei Forschungsfragen:

1. What are the characteristics and status of local studies centers in the Philippines?
2. What are the contributions of local studies centers to history, culture and heritage studies in the Philippines?
3. What is/are the impact/s of these contributions of local studies centers to history,
culture and heritage studies in the Philippines?

Als konkreter Effekt auf die Praxis war darüber hinaus die Formulierung von Empfehlungen für die erfolgreiche Arbeit von Local Studies Centers erwünscht. Im Ergebnis konnte insbesondere vor dem Hintergrund der Fallstudien der Einfluss der Regional- und Heimatzentren auf Geschichte und Kulturerbe klar nachgewiesen werden, obwohl sie in der untersuchten Form erst seit 1975 existieren. Die Autoren empfehlen abschließend unter anderem:

–    Eine systematische, geographisch durchdachte Planung der Zentren
–    Die Entwicklung eines durchdachten, effektiven Marketings
–    Bereitstellung ausreichender Ressourcen
–    Weitergehende Forschung zu Regional- und Heimatzentren.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Kooperation von Bibliotheken in Deutschland mit Schulen und Volkshochschulen sowie Stadtarchiven und Museen war der Vortrag besonders interessant.

Link: http://conference.ifla.org/sites/default/files/files/papers/wlic2012/180-perez-en.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann

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Weltkongress der Bibliotheken mit mehr als 3000 Teilnehmern

Vom 11. bis zum 17. August fand unter dem Motto „Libraries Now! – Inspiring – Surprising – Empowering“ im finnischen Helsinki der 78. Weltkongress der Bibliotheken statt. Der Veranstalter International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) zeigte sich zufrieden mit der Akzeptanz: Präsidentin Ingrid Parent sprach in der Generalversammlung von mehr als 3000 Teilnehmern. In weit über 200 „Sessions“ stellte der Weltverband die Vielfalt der globalen Bibliothekswelt unter Beweis: Leseförderung, multikulturelle Bibliotheksarbeit, digitale Projekte, wissenschaftliche Literaturversorgung im 21. Jahrhundert, neue Standards für Metadaten, Bildungsförderung durch Gefängnisbibliotheken, Bibliotheksarbeit für Obdachlose oder die Bibliothek als Ort waren nur einige der Themen. Nachhaltige Eindrücke haben neben anderen die folgenden Vorträge beim Autor hinterlassen:

Im Rahmen des Kongresses verlieh die Bill and Melinda Gates Foundation erneut den „Access to Learning Award„, mit dem in diesem Jahr die Community Technology Centers in der Dominikanischen Republik ausgezeichnet wurden.

Die Stimmung im durchweg sonnigen Helsinki war überaus positiv und die finnischen Kollegen organisierten die Veranstaltung mit höchster Professionalität.  Auf Wiedersehen 2013 in Singapur! Der IFLA-Kongress 2014 wird übrigens im französischen Lyon stattfinden.

Link: http://conference.ifla.org/ifla78

Beitrag von Andreas Mittrowann

Gedruckte Bücher bleiben für britische Studierende wichtigste Informationsquelle

Obwohl die meisten britischen Studenten mittlerweile E-Books nutzen, verlassen sie sich nicht auf das digitale Medium als einzige Informationsquelle. Gedrucktes Wissen repräsentiert weiterhin die wichtigste Schlüsselkomponente bei den Inhalten für mindestens zwei Drittel der Studierenden. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse einer neuen Studie der zur Bowker-Gruppe gehörenden Firma BML. Die Untersuchung wurde im Dezember 2011 durchgeführt und zeigt einige wichtige Veränderungen seit dem Jahr 2003, in dem BML ein ähnlich gelagertes Forschungsvorhaben durchführte.

Demnach nutzen 88 Prozent der Studierenden gedruckte Bücher und Handouts der Lehrenden, ein Rückgang von 95 Prozent in 2003. Die Beliebtheit von Online-Journalen stieg von 66 auf 80 Prozent. Die Studie untersucht zudem die Zugangswege zu Information. So beziehen 48 Prozent der Studierenden gedruckte Materialien vorwiegend aus ihrer Bibliothek, der überwiegende Teil hingegen kauft Bücher neu oder gebraucht. 38 Prozent leihen auch E-Books in der Bibliothek aus, während nur 9 Prozent dieses Medium selber kaufen. Die Untersuchung soll künftig jährlich durchgeführt werden.

Quelle:
http://www.digitalbookworld.com/2012/uk-students-still-prefer-text-to-print-study-says/
Beitrag von Andreas Mittrowann

Toronto positioniert sich mit lokaler Musik

Wie schaffen es Bibliotheken, sich in der aktuellen Medienwelt mit eigenen, unverwechselbaren Angeboten zu positionieren? Eine Möglichkeit ist das aktive Einbringen in bestehende Services wie Facebook, so wie es dänische Bibliotheken in der jüngsten Zeit aktiv betreiben – dazu gehören beispielweise die Kollegen in Nørrebro, Gladsaxe und Aabenraa. Ein weiterer Weg sind Angebote, um sich mit den aktuellen Entwicklungen im Web 2.0 kritisch auseinanderzusetzen, wie es beispielsweise die Stadtbücherei Stuttgart mit ihrem Festival zum Datenschutz tut: http://www5.stuttgart.de/stadtbuecherei/MeineDaten/

Die Toronto City Library hat sich für eine weitere Möglichkeit über die direkte Verknüpfung mit den „klassischen“ Medienangeboten entschieden: Das Blog „Make some noise“ ist ein digitales Begleitangebot zum gleichnamigen Festival, das sich auf lokale Musik konzentriert. Auf diesem Weg werden klassische Bibliotheksangebote mit digitalen verbunden: „Toronto Public Library’s Local Music Collection includes music from across Canada, with a focus on the Toronto area. CDs are located in 20 branches and can be reserved for pick up at your local library.“

Gleichzeitig bearbeitet die Bibliothek damit die Aufgabenstellung, sich in der veränderndern Musikmedienwelt zu behaupten: An vielen Orten wandern immer mehr junge Kunden zu digitalen Angeboten ab – die lokale Musikszene ist ein wichtiger Ankerpunkt für die Bibliothek. Die Toronto City Library arbeitet zur Qualitätssicherung mit dem Anbieter Soundscapes zusammen, der wiederum Communities in MySpace, Facebook, Twitter und YouTube betreut. Ein schönes Beispiel für ein Konzept, bei dem alle gewinnen: Bands, Hörer, Bibliothek und lokaler Anbieter.

Link: http://torontopubliclibrary.typepad.com/make_some_noise/about.html

Beitrag von Andreas Mittrowann

Irische Bibliothek erhält Europäischen Sprachpreis

Die irische Offaly County Library hat am 25. September als erste Bibliothek neben weiteren Preisträgern den diesjährigen European Award for Languages (EAL) erhalten. Der EAL wird an Projekte vergeben, die auf herausragende und kreative Weise die Qualität von Sprachlehre verbessern, Schüler motivieren und die vorhandenen Ressourcen auf dem besten Weg nutzen. Das Projekt in Offaly bestand aus einer Zusammenarbeit der Bibliothek und vier Grundschulen, die ihrerseits an der „Modern Language Primary Schools Initiative“ (MLPSI) teilnehmen.

Konkreter Bezugspunkt für den Preis war eine Aktion mit dem Titel „Europäischer Kulturmorgen“ am Europäischen Tag der Sprachen am 26. September 2008. Zu Beginn führten die Schüler kleine Theaterstücke in einer modernen Sprache – Französisch, Spanisch oder Irisch – auf. In einem zweiten Teil waren die Schüler aufgefordert, einen Parcours von zehn in der Bibliothek aufgebauten Arbeitsstationen zu durchlaufen, bei denen es u .a. um Bibliothekskompetenzen, Informationssuche, Spracherkennung, Sprachverständnis, kulturelles Bewusstsein, geographische Kenntnisse und Informationskompetenz ging. Verschiedene Lehrmethoden unterstützten dabei den individuellen Lernerfolg. Im Ergebnis konnte die Bibliothek als wertvolle Ressource im Bewusstsein der Lehrenden, der Schüler und der Eltern im Kontext von Spracherwerb verankert werden.

Link: http://www.offaly.ie/eng/Services/Libraries/Documents/Birr_Library_Wins_European_Award.html

Beitrag von Andreas Mittrowann

Helsinki verleiht Sportgeräte

Libraryweb berichtet: Die Zweigstellen in Roihuvuori and Herttoniemi der Helsinki City Libraries werden für den kommenden Winter Skier verleihen. Bereits während des Sommers war es durch die Unterstützung der städtischen Sportbehörde für die Bibliothekskunden möglich geworden, Ausrüstungen für Sommer- und Freizeitaktivitäten zu nutzen. Einer der Ausleihrenner war dabei das Equipment für Baseball. Die Leihfrist beträgt jeweils eine Woche, für die Ausleihe ist die Hinterlegung eine Pfandbetrages notwendig.

Wie zu erwarten, folgte eine Diskussion über die Notwendigkeit dieses Angebots sowie die entstehenden Kosten auf dem Fuße.  Bibliotheksleiterin Maija Berndtson betonte daraufhin, dass für ihr Haus keine Kosten entstanden seien, da alle Geräte gespendet oder von der Sportbehörde zur Verfügung gestellt worden seien. Die Stadtbibliothek Helsinki hatte bereits in der Vergangenheit über das klassische Angebot hinaus neuartige Dienstleistungen angeboten, unter anderem den Verleih von Breitbandanschlüssen.

Link: Artikel in Helsingin Sanomat

Beitrag von Andreas Mittrowann



Bibliotheken und die Schweinegrippe

Während die neuseeländischen Wellington City Libraries ihre Kunden bereits darum bitten, bei einer möglichen Infektion mit der Schweinegrippe von einem Bibliotheksbesuch abzusehen, zeichnet sich in Großbritannien eventuell eine ganz andere und überraschende Entwicklung ab: Der britische Personalverband CILIP berichtet in einem Blogeintrag von einer Meldung der Channel 4 News vom 16. Juli, nach dem die Verteilung des Grippe-Medikamentes Tamiflu angeblich durch Bibliothekare vorgenommen werden soll: „Five Warwickshire libraries will act as collection points for anti-viral medicines if cases of swine flu become widespread in the county“. In einer späteren Richtigstellung meldete das Blog, dass es bei einer ernsthaften Verbreitung der Krankheit im Zuge von Priorisierungen beim Personaleinsatz im öffentlichen Dienst eventuell zu einem Einsatz von Bibliotheksmitarbeitern in „Care homes“ kommen könne…

Andere Bibliotheken setzen bei diesem aktuellen Thema auf ihre Kernkompetenzen: So bietet die United States National Library of Medicine auf ihrer Homepage Informationsressourcen zum Thema an, genau wie beispielsweise die Arlington Public Library in Texas (USA).

Link: http://communities.cilip.org.uk/blogs/update/archive/2009/07/17/librarians-will-run-tamiflu-centres.aspx

Beitrag von Andreas Mittrowann

Ausleihmaschinen in Kalifornien

Bereits im Februar 2008 hatte das Bibliotheksblog „Minerva Shelved“ auf die kommende Installation von  Ausleihmaschinen im Einzugsgebiet der US-amerikanischen Contra Costa County Library (Kalifornien) hingewiesen. Jetzt wurde bereits das dritte Gerät namens „Library-a-Go-Go“ installiert. Ganz gezielt und überlegt wird das neue Angebot an den Schnellbahn-Stationen verortet, im aktuellen Fall an der Station „El Cerrito del Norte BART (Bay Area Rapid Transit)“. Bei diesem Bahnhof handelt es sich um einen der meisten genutzten im gesamten Contra Costa County.

Die Maschine kann bis zu 400 Medien ausgeben und zurücknehmen, der Inhalt ist speziell auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgerichtet. Die Erfahrungen mit anderen Schnellbahn-Stationen bilden dabei eine gute Grundlage. Das neue Angebot wird u. a. vom US-amerikanischen Bibliotheksdienstleister Baker & Taylor unterstützt.

Link: http://ccclib.org/press_releases/lagg_gws.html

Beitrag von Andreas Mittrowann

Vancouver veranstaltet „E-Book Boot Camp“

Die Vancouver Public Library in British Columbia (Kanada) veranstaltet am 3. April ihr erstes „E-Book Boot Camp„. Ziel ist es, den Bibliothekskunden die kürzlich erworbenen über 1000 E-Books und ihren Nutzen näher zu bringen. Auch Tipps und Tricks zur Nutzung, zur Technik und die verschiedenen Themenbereiche der elektronischen Inhalte sollen vermittelt werden. Die Veranstaltung ist thematisch gegliedert, so stehen von 10.00 bis 11.00 Uhr Ressourcen zu Karriere und Bildung im Mittelpunkt, dann folgen Essen und Kultur, Hinweise für kleine Unternehmen sowie Gesundheit und Wellness.

Eine sehr schöne Idee, um die neuen Medien den Kunden vorzustellen, denn so attraktiv E-Books sein mögen: Auch sie müssen aktiv vermittelt und den Bibliotheksnutzern mittels „klassischer“ Methoden wie Veranstaltungen nahe gebracht werden. Das Schöne daran: Die Bibliothek als Ort wird gestärkt und vielleicht lernt man ja auch ein paar nette Menschen kennen… 🙂

Link: http://www.vpl.vancouver.bc.ca/news/details/ebook_boot_camp

Beitrag von Andreas Mittrowann

Jiddische Bibliothek geht online

Mehr als 10.000 Werke in jiddischer Sprache stehen nun online zur Verfügung als Teil eines gemeinsamen Projektes zwischen dem Nationalen Jiddischen Zentrum in Amherst, Massachussets (USA) und dem Internet-Archiv in San Francisco. Der Scanprozess begann bereits vor zehn Jahren mit Hilfe der Steven Spielberg Digital Library. Die Dokumente stehen in verschiedenen Formaten zur Verfügung: als Flip Book, das online durchbättert werden kann, als PDF und im DjVu-Format (ein offenes Format für Rastergrafiken). Eine sehr nützliche Quelle und eine sehr lobenswerte Unternehmung!

Link: http://www.archive.org/details.php?identifier=nationalyiddishbookcenter
via The New York Times

Beitrag von Andreas Mittrowann