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Cortana, kannst Du Kunden beraten? Künstliche Intelligenz und Bibliotheken (3)

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Von Benutzer:iToms – Eigenes Werk, PD-Schöpfungshöhe, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=8865353

In dieser Folge unserer kleinen Sommerreihe wollen wir uns mit ein paar der bereits heute bestehenden Möglichkeiten zum Einsatz Künstlicher Intelligenz beschäftigen. Ein wichtiges Beispiel sind dabei die Möglichkeiten, die sich im Empfangsbereich der Bibliothek und bei einfachen Auskünften bieten. Die bibliothekarische Information hat sich in den letzten Jahren bereits auf vielfältige Weise diversifiziert und um Möglichkeiten wie Auskunft per Mail, Chat oder WhatsApp erweitert. Bibliotheken und Hotels lassen sich nicht direkt vergleichen, verfügen aber beide über eine „Empfangssituation“,  in der sich durchaus einfache Auskünfte (zum Beispiel die in manchen Häusern aufgrund der baulichen Situation häufige Frage nach den Toiletten) oder Standardvorgänge wie die Anmeldung auch auf andere Weise erledigen lassen. Japan ist hier ganz klar in der Vorreiterrolle, denn dort nimmt die Zahl der Hotels mit Robotern am Empfang deutlich zu. Zimmerbuchung, Einchecken und einfache Auskünfte werden dort bereits auf diese Weise erledigt. In Deutschland testet unter anderem bereits die Bibliothek der FH Wildau einen Roboter für diesen Einsatzzweck. Philip Calvert von der School of Information Management an der Victoria University in Wellington / Neuseeland fasst das Thema in seinem Beitrag „Robots, the Quiet Workers, Are you Ready to Take Over“ zusammen (Public Library Quarterly, 2017/2).

Eine weitere Variante der computergestützte Information sind die sogenannten „Chatbots“: Algorithmen, die durch Zugriff auf riesige Datenbibliotheken in der Lage sind, Vorgänge im direkten Austausch mit dem User zu erledigen. Dabei kann es sich um eine Flugbuchung, eine Pizzabestellung oder eben um eine Auskunft im Zusammenhang mit Bibliotheksservices handeln – von der Öffnungszeit über die Buchung eines Raums bin hin zu einfachen Sachauskünften. In China ist dies im Alltag bereits über die App „WeChat“ auf vielfältige Weise möglich, beispielsweise die Änderung von Bankdaten. Einige Experten sagen bereits das Aussterben von Apps und Websites zugunsten von ChatApps voraus.

Natürlich können Fehler der Maschinen bei diesen Auskunftsformen nie ausgeschlossen werden. Yuval Noah Harari bringt in seinem aktuellen Buch „Homo Deus – A brief history of tomorrow“ allerdings ein Gegenbeispiel aus der Welt der Apotheken: „In 2011 a pharmacy opened in San Francisco manned by a single robot. When a human comes to the pharmacy, within seconds the robot receives all of the customer’s prescriptions, as well as detailed information about other medicines taken by them, and their suspected allergies. The robot makes sure the new prescriptions don’t combine adverselynith any other medicine or allergy, and then provides the customer with the required drug. In its first year of operation the robotic pharmacist provided 2 million prescriptions, without making a single mistake. On average, flesh-and-blood pharmacists get wrong 1.7 per cent of prescriptions. In the United States alone this amounts to more than 50 million prescription errors every year!“

Was sagt uns das alles für die Zukunft der Bibliotheken? Meine Einschätzung: Wenn Technologie auch im Bereich der Auskunft und Information eine immer stärkere Rolle einnehmen wird, spielt der Kontakt von Mensch zu Mensch eine umso größere Rolle. So wie wir erleben, dass gedruckte Bücher und echte, physische Räume für viele Bibliotheksbesucher eine immer noch oder erneut wichtige Rolle in einer zunehmend digitalisierten Welt spielen, so werden wir insbesondere bei der Auskunft sehen, dass menschlicher Austausch ein geschätztes und besonderes Gut bleiben wird – dies zeigt beispielsweise die Allensbach-Umfrage zur Zukunft der Bibliotheken, bei der „Gute fachliche Beratung, geschultes Personal“ auf Platz 3 bei den wichtigsten Erwartungen an Bibliotheken landeten (S. 11, Schaubild 4). Den Auskunfts-Alltag aber erledigen in Zukunft stärker als heute Chatbots und Roboter.

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

Siri, wie hoch ist der Eiffelturm? Künstliche Intelligenz und Bibliotheken (2)

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Foto: Von Apple – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28766033

Wenn wir uns vorstellen, dass Roboter und Künstliche Intelligenz in vielleicht zehn Jahren bereits wesentliche Teile unsere Lebens durchdrungen haben oder sogar bestimmen werden, welche Rolle kommt dann noch Bibliotheken zu? Kristin Whitehair – die Bibliothekarin für E-Ressourcen an der Johnson County Library in Kansas (USA) – hat in einem Fachbeitrag vom vergangenen Jahr ausgeführt, dass viele Alltagsfragen natürlich bereits jetzt von digitalen Assistenten beantwortet werden. So ist es kein Problem für „Siri“ vom Apple-Konzern, eine direkte Antwort auf die Frage nach der Höhe des Eiffelturms zu geben. Früher waren dafür das heimische Brockhaus-Lexikon oder der Gang in die Stadtbibliothek unabdingbar. Gründe sind unter anderem die deutlichen Fortschritte der vergangenen Jahre bei der Anwendung natürlicher Sprache, Mustererkennung und dem Aufbau komplexer Expertensysteme.

Die Renaissance des Raums in vielen Bibliotheken und die gestiegene Bedeutung als Dritter Ort machen ganz klar deutlich, dass die Beantwortung von Sachfragen auch nicht der künftige Fokus der bibliothekarischen Mission sein wird – entscheidend werden die Verbindungen zwischen den Menschen sein, so führt Whitehair aus : „(…) what is lacking is the human connection. Inherent in AI’s name is that the intelligence is artificial, not human. Libraries can connect people to information and, more importantly, to other people. A book group connects patrons with a similar interest. Hobby groups act similarly. We see these connections being made daily in public libraries.

Fast noch spannender sind natürlich die Jahre und Entwicklungen, die direkt vor uns liegen. In dieser Zeit wird es zu vielfältigen Formen der engen Zusammenarbeit von Menschen und Künstlicher Intelligenz kommen, so Tolga Kurtoglu – der Geschäftsführer von PARC (früher XEROX PARC) – in einem kürzlich geführt Interview mit der Website „recode“. Seine Firma arbeitet bereits in verschiedenen Projekten an diesen neuen Formen der Interaktion. Erfolgskritisch sei dabei, dass der Mensch an die KI nicht nur Fragen oder Befehle richte, sondern diese auch Rückfragen stelle oder selbst Vorschläge mache. Im Bibliotheksbereich könnten wir uns beispielsweise den Hinweis auf eine besonders effektive Recherche-Strategie vorstellen. Ein spezielles Kapitel in dieser Zusammenarbeit sei das Vertrauen, so Kurtoglu: „At some point, there is going to be a huge issue with people really taking the answers that the computers are suggesting to them without questioning them,” so Kurtoglu. “So this notion of trust between the AI agents and humans is at the heart of the technology we’re working on. We’re trying to build trustable AI systems.“

Diese Bemerkung wiederum weist auch auf die großen Aufgabenstellungen hin, die im Zusammenhang mit Big Data und Datensicherheit auf alle Beteiligten zukommen. Wer beispielsweise das Echo-System der Firma Amazon mit der digitalen Assistentin „Alexa“ sein Eigen nennt, dem wird hoffentlich bekannt sein, dass alle Suchanfragen sorgfältig gespeichert werden und manuell gelöscht werden müssen, falls man Alexa am (theoretischen) Ende der Nutzung in die digitale Demenz schicken möchte…

Was digitale Assistentinnen und Künstliche Intelligenzen heute bereits steuern und beeinflussen, erfahren Sie im nächsten Teil unserer Serie.

Beitrag von Andreas Mittrowann

Siehe auch: https://globolibro.wordpress.com/2017/07/22/alexa-uebernehmen-sie-kuenstliche-intelligenz-und-bibliotheken-1/

Alexa, übernehmen Sie!? Künstliche Intelligenz und Bibliotheken (1)

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Foto: (C) Guillermo Fernandes, Public Domain Mark 1.0, http://bit.ly/2eLjY2F

Die Chicago Public Library hat in den Fokus ihres Veranstaltungsformates „Tomorrow’s Technology Today Panel“ das Thema Innovation gestellt, dazu gehören unter anderem auch Facetten wie Virtuelle Realität und Künstliche Intelligenz. Am 12. Juli trafen unter dieser Überschrift Chris Hammond von Narrative Science, Julie Freedman Steele von der World Future Society und Shelley Stern Grach von Microsoft zusammen. In Zusammenhang mit dem Diskussionspanel fand auch eine interaktive Ausstellung mit 3D-Druckern, Headsets, Drohnen und vielen anderen neuen Technologien statt. Die Verknüpfung dieser Formate und das Oberthema sind ein gutes Beispiel dafür, wie eine Bibliothek sich diesen Toptrends der digitalen Welt nähern kann. In Deutschland ist sicher die Stadtbibliothek Köln das herausragende Beispiel für die Auseinandersetzung mit solchen Inhalten – so unter anderem geschehen in der jüngst durchgeführten Veranstaltung „Robotik und Künstliche Intelligenz“.

Wie aber steht es mit dem anstehenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der bibliothekarischen Basisarbeit? Sind Bibliotheken in dieser nächsten großen Welle der Digitalisierung noch einmal stärker bedroht als durch die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre? Sind sie überhaupt bedroht oder kann diese Herausforderung als Chance für ein sinnvolles Fortschreiben des Paradigmenwandels in Bibliotheken genutzt werden? In einer kleinen Reihe in Globolibro (Gastbeiträge willkommen!) wollen wir uns diesem Thema widmen.

Zu Beginn ein wenig Theorie und ein erster Input aus Indien: Die Fachkollegin Dr. Shivaranjini S. Mogali hat bereits vor zwei Jahren auf der Konferenz „Information Technology – Yesterday, Today, and Tomorrow“ im Delhi einen instruktiven Vortrag zum  Thema „Artificial Intelligence and its Applications in Libraries“ gehalten. Darin skizziert sie unter anderem neben der Strukturierung von KI in die drei Felder Expertensysteme, Natürliche Sprachverarbeitung und Mustererkennung diverse Anwendungsmöglichkeiten in Bibliotheken. Dazu zählen zunächst einmal die klassisch bibliothekarischen Felder Auskunftsdienst, Katalogisierung, Systematisierung und Indexierung. In allen Bereichen existieren bereits erste, von ihr im Aufsatz beschriebene Anwendungen, die auf lange Sicht voraussichtlich mehr und mehr Arbeitsanteile vom Menschen übernehmen werden.

Dabei ist der Auskunftsdienst sicher eine besonders spannende Komponente, denn kann der „menschliche Touch“ bei der Beratung überhaupt durch ein Expertensystem ersetzt werden? Welche Rolle spielt beispielsweise die Intuition des Beratenden bei einem Kundengespräch, wenn es dabei um lebensbedrohende Krankheiten in Verbindung mit Medien zum Thema Freitod geht? Bibliothekar*innen sind keine Therapeuten, aber sie können menschliche Verbindungen herstellen. Muss eine digitale Assistentin wie Alexa von Amazon – auch noch einmal technologisch fünf Jahre weitergedacht – in solchen Situationen nicht kläglich versagen? An dieser Stelle öffnet sich ein breites Feld mit ethischen Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind….  Es bleibt spannend für Bibliotheken!

Weiter geht es demnächst mit Beispielen aus den USA und den Niederlanden.

Beitrag von Andreas Mittrowann

Partizipation in den USA: Wie Bibliotheken Bürger*innen einbeziehen

Es ist immer wieder erstaunlich, wie selten Bürgerinnen und Bürger in strategische Planungen oder die Schaffung neuer Services in der Bibliothek einbezogen werden. Gerade vor dem Hintergrund der extremen Dynamik in der digitalen Welt erscheint es mehr denn je notwendig, die „Weisheit der Vielen“ für die Bibliotheksentwicklung zu nutzen.

Drei aktuelle Beispiele aus den USA zeigen, wie es auch bereits im kleinen Maßstab gehen kann:

  • Die Peter White Public Library in Marquette (rund 20.000 Einwohner, Michigan) hat mit der Aktualisierung ihres Strategieplans begonnen und rief die Bürger*innen zur Mitgestaltung im Rahmen von drei Fokusgruppen-Sessions im Juni auf. Interessierte konnten sich über die Website der Bibliothek und eine Telefonnummer informieren. Als positives Ergebnis einer entsprechenden Initiative zum Strategieplan des Jahres 2006 wird die erfolgreiche Erweiterung der Services für Teenager in den Bereichen Medien, Personal und Einrichtung genannt.
  • Die Beverly Public Library (rund 40.000. Einwohner, Massachusetts) hat einen anderen Weg gewählt: Sie nutzt als Beteiligungsinstrument eine Online-Befragung der Einwohner*innen. Die Fragen umfassen dabei unter anderem die Häufigkeit der Bibliotheksbesuche, die typischen Nutzungsformen, Gründe für die Nichtnutzung,  Bibliotheksbesuche durch eigene Kinder, die Bewertung der digitalen Dienste der Bibliothek oder die Auffindbarkeit einzelner Dienstleistungen und Bereiche.
  • Schließlich bildet die Haywood County Library in North Carolina (rund 60.000 Einwohner im County) ein drittes, interessantes Beispiel für Beteiligungsprozesse. Dort wurden umfassende Renovierungs- und Erneuerungsmaßnahmen im Wert von 6 Mio. US-Dollar vom Gemeinderat abgelehnt. County Manager Ira Dove will aber nicht aufgeben und stattdessen einen strategischen Bibliotheksplan mit Bürgerbeteiligung auf den Weg bringen, um das Projekt doch noch zum Erfolg zu führen. Grundlage dafür soll unter anderem eine Bürgerbefragung aus dem vergangenen Jahr sein. Auf den ersten fünf Plätzen der Einwohner*innen standen demnach ein größerer Medienbestand (54 Prozent), erweiterte Öffnungszeiten (42 Prozent), mehr Veranstaltungen für Erwachsene (27 Prozent), zusätzliche Flächen zur stillen Nutzung und zum Lernen (25 Prozent) und eine bessere technologische Ausstattung. Auch in Haywood waren die Bürger*innen eingeladen, im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen Input zum aktuellen Stand des strategischen Plans zu geben und somit gemeinsam eine bürgernähere Bibliothek zu gestalten.

Natürlich sind das nur einige wenige Ausschnitte aus einer Vielzahl von Möglichkeiten, unter denen aktuell das Design Thinking for Libraries eine vermehrte Beachtung erfahren hat.

Links und Nachweise:
http://www.upmatters.com/news/local-news/peter-white-public-library-strategic-planning-focus-group-sessions/732942788

https://patch.com/massachusetts/beverly/beverly-library-surveys-residents-strategic-plan

http://beverlypubliclibrary.org/survey/

https://www.surveymonkey.com/r/HR2RN3D

http://www.smokymountainnews.com/media/pdf/HCPLStrategic.pdf

http://www.smokymountainnews.com/news/item/20146-public-input-will-guide-library-s-renovation

Beitrag von Andreas Mittrowann

Moderne Bibliotheksarbeit in Italien

Viele Öffentliche Bibliotheken in Europa stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Der digitale Wandel erfordert eine veränderte Positionierung beim Bestandsmanagement, die Bedeutung als öffentlicher Ort nimmt zu und die demografischen Entwicklungen inklusive Migration machen eine Reflexion der Zielgruppenarbeit erforderlich. Hinzu kommen veränderte Arbeitsformen in der Schule wie verstärktes teambasiertes Lernen und generell die Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft, in der lebenslange, persönliche Fortbildung eine größere Rolle als in der Vergangenheit spielt.

Alles dies ist auch in Italien spürbar, in dem der Autor in der vergangenen Woche eine Reihe von Bibliotheken im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit besuchen durfte. Ziele waren u. a. die LibriKa im Südtiroler Ort Bruneck sowie die Biblioteca „Il Pertini“ in Cinisello Balsamo, die Biblioteca San Giorgio in Pistoia sowie die Biblioteca Collina della Pace in Rom. Der überwiegende Teil der ausgewählten Häuser zeichnet sich durch eine einladende Atmosphäre, moderne Raumgestaltung sowie Innovationen wie Makerspaces, Hometrainer (!) oder QR-gestützte Leitsysteme aus. Auffällig war der hohe Anteil an Lernplätzen in vielen Häusern, die überwiegend von jungen Menschen intensiv in Anspruch genommen werden. Visuelle Eindrücke aus den genannten Bibliotheken finden Sie unter www.bibliowelten.de.

Bedrückend war insbesondere in Rom der starke Rückgang des Bibliotheksbudgets in den vergangenen Jahren – keine gute Entwicklung für die engagierten Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die sich einen ganzen Tag Zeit für die Besucher nahmen. Insgesamt waren wir von der ungetrübten, großartigen Motivation der italienischen Bibliotheksmitarbeiter/innen begeistert!

Weitere Informationen zu Bibliotheken in Italien finden Sie auch hier: http://www.bibliotheksportal.de/bibliotheken/bibliotheken-international/bibliotheksarbeit-weltweit/italien.html

Beitrag von Andreas Mittrowann

Niederlande: Positiver Trend für Bibliotheken

Die Website DutchNewsNL berichtet: Aktuelle Daten aus einer Studie des holländischen Bildungsministeriums zeigen, dass die Ausleihzahlen in den Bibliotheken des westeuropäischen Nachbarn wieder steigen. Von den 770 Bibliotheken im Land wurden im Jahr 2015 rund 75 Millionen Medien ausgeliehen und damit die Werte des Vorjahres übertroffen. Besonders interessant ist die Tatsache, dass die Zahl der Nutzer im Kindesalter um 2 Prozent stieg und damit einen Gegentrend zu sonstigen Rückgängen bei der Zahl der Bibliotheksausweise bildete. Der Anteil der Kinderbücher lag bei rund der Hälfte der ausgeliehenen Titel und erfreulicherweise um zwei Millionen höher als in 2015.

Als Hauptgrund für den positiven Trend macht die Untersuchung die hohe Zahl an Veranstaltungen aus: So fanden im Jahr 2015 rund 82.000 Veranstaltungen in Bibliotheken statt und damit 10.000 mehr als im Vorjahr. Ein entsprechendes Lob gab es von der Bildungsministerin Jet Bussemaker.

Der Ansatz, Bibliothekerfolge auch im 21. Jahrhundert noch über den Faktor „Ausleihen“ zu bewerten, muss allerdings kritisch betrachtet werden. Der profilierte Fachkollege John Pateman von der kanadischen Thunder Bay Library wird in der Publikation „Public Libraries in the 21st Century“ zu diesem Thema wie folgt zitiert: „I think visitor’s numbers are the best indicators of library use, better than issues for example because people coming through the door use us for all kinds of things, they don’t even have to join and have ticket.“

Ob Lerngruppe, WLAN-Nutzung, Sprachcafé oder Referatecoaching – heute gibt es mehr denn je eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Bibliothek auch ohne einen Ausleihvorgang zu nutzen. Innovative holländische Bibliotheken wie Amsterdam, Amersfoorth, Delft oder Arnheim haben das in den letzten Jahren überzeugend demonstriert.

Link: http://www.dutchnews.nl/news/archives/2017/01/a-turn-up-for-the-books-young-readers-drive-increase-in-library-borrowing/

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

USA: Zukunftsrollen für Bibliotheken

Welche Möglichkeiten sehen öffentliche Bibliotheken in Kommunen mit rund 25.000 Einwohnern für die Ausgestaltung ihrer näheren konkreten Zukunft? Zwei aktuelle Beispiele aus den USA können dafür als Beispiel dienen: Myrtle Beach ist eine Stadt im Nordosten von South Carolina mit rund 27.000 Einwohnern, Ridgewood liegt im Norden von New Jersey und hat rund 25.000 Einwohner.

Während es in Myrtle Beach bereits konkrete Planungen für eine neues Bibliotheksgebäude gibt, arbeitet man in Ridgewood noch an einer Vision, die allerdings bereits auch schon Veränderungen bei der Raumgliederung vorsieht.  Ratsmitglied Mary Jeffcoat aus Myrtle Beach äußert sich zum Paradigmenwandel in Bibliotheken und führt aus, dass moderne Bibliotheken als Treffpunkt genutzt würden, als Punkte für den freien Zugriff auf das Internet sowie Computer und als moderne Dienstleister, die natürlich nach wie vor auch einen Buchbestand anbieten würden.  Bibliotheksleiterin Jennifer Nassar fügt hinzu, dass Programme für Jugendliche und frühkindliche Leseförderung im Fokus der Arbeit stünden, aber andere, neuartige Angebote von der Rechtsberatung bis hin zu Kursen zum smarten Fahrverhalten reichen könnten.

Die Pläne in Ridgewood sind noch unbestimmter, nehmen aber einen ähnlichen Weg in Richtung „Aufenthaltsqualität“. Bibliotheksleiterin Nancy Greene sprach gemeinsam mit der Präsidentin des Bibliothekausschusses vor kommunalen Entscheidern über die von ihr bemerkten Veränderungen: Die Besucher würden die Bibliothek auf einer andere Art und Weise beanspruchen seit der letzten Renovierung im Jahr 1998: Sie blieben für einen längeren Zeitraum, um die angebotenen Technologien zu nutzen oder Konzerte, Lesungen und andere Programme zu besuchen. Aktuell würde man das Haus als zu „überfüllt“, zu dunkel und das Design als zu veraltet empfinden. Eine moderne Vision für ein neu gestaltetes Haus sei es, sich die Bibliothek als Ort vorzustellen, um eine Lesung zu hören, eine Sprache zu lernen, sich in einer Diskussionsgruppe zu engagieren, ein Projekt im lokalen Makerspace zu beginnen oder sich mit Stadtgeschichte und Familienforschung auseinanderzusetzen. Der Start für eine neue Bibliothek in Ridgewood ist auf jeden Fall gemacht und weitere, konkretisierte Präsentationen für den Rat sollen folgen.

Die entwickelten Pläne und Visionen wurden in beiden Kommunen also genutzt, um den Rat und die Bürger auf dem Weg hin zu einer neuen Bibliothek mitzunehmen und dem Vorhaben somit weiteren Schwung zu verleihen.

Beitrag und Übersetzungen von Andreas Mittrowann

Links
http://www.myrtlebeachonline.com/news/local/article129243269.html

http://www.northjersey.com/story/news/bergen/ridgewood/2017/01/26/ridgewood-library-presents-preliminary-renovation-proposal/97078726/

 

 

USA und anderswo: Bibliotheksausweise werden digital(er)

Ein Bibliotheksausweis bietet den zentralen Zugang zu den Ressourcen einer Bibliothek. Im Zeitalter der Digitalisierung unterliegt aber auch dieses Werkzeug den Bedingungen des Zeitenwandels. Das American Libraries Magazine widmet dem Thema „The Future of Library Cards“ einen ausführlichen Artikel.

Als konkretes Beispiel für einen digitalen Bibliotheksausweis nennt der Artikel die „iKnow Digital Access Card“ der Harris County Public Library in Texas. Die Karte kann online erworben werden, sofern der Nutzer seinen Wohnsitz im Postleitzahlenbereich des County hat. Bereits rund 50.000 Nutzer verfügen bereits über diese innovative Möglichkeit, die direkten Zugriff auf alle digitalen Ressourcen bietet. Auch die Rowan Public Library in North Carolina bietet ihren Kunden eine ähnliche Möglichkeit an.

Den nächsten logischen Schritt auf diesem Weg stellt die Smartphone-App dar, die zunächst den Barcode des Bibliotheksausweises abbildet und mancherorts schon länger Realität ist wie beispielsweise in Boulder, Colorado. Während Miguel Figueroa vom Center for the Future of Libraries eine verlässliche Zukunft für den physischen Bibliotheksausweis sieht, nimmt Randy Maxey von der Firma Boopsie – die sich auf Bibliotheksapps spezialisiert hat – einen Trends zur immer stärkeren Digitalisierung von Bibliotheksausweisen wahr.

Ein weiterer Schritt wird vermutlich die Möglichkeit sein, auch physische Medien mit dem Smartphone direkt am Regal auszuleihen. Vielleicht kennt jemand der Globolibro-Leser*innen bereits ein konkretes Beispiel?

Link:
https://americanlibrariesmagazine.org/2017/01/03/future-library-cards/

Beitrag von Andreas Mittrowann

STEAM und STEM in öffentlichen Bibliotheken

Wissenschafts- und Technologieprojekte in Bibliotheken gewinnen weltweit immer mehr  an Bedeutung. Unter den Akronymen „STEAM“ (Science, Technology, Engineering, Art and Math) oder „STEM“ (Science, Technology, Engineering and Math) werden kontinuierlich neue Angebote eingeführt. So bieten beispielsweise drei Zweigstellen der Houston Public Library sogenannte „STEAM“-Kits für unterschiedliche Altersgruppen an. Dazu gehören Sets oder Boxen mit Mikroskopen, Teleskopen, Magneten, Exponaten zum menschlichen Körper oder Sets zur künstlerisch-handwerklichen Bildung wie Nähen, Origami oder Architektur.

Ziel dieser Projekte ist es, den Bildungsauftrag der öffentlichen Bibliotheken über das Feld der Medien hinaus auszuweiten und damit zu sichern. Einen guten Überblick über entsprechende Aktivitäten beispielsweise in Australien bietet Elisabeth Swan in ihrem Vortrag „STEM for Children in Public Libraries“, den sie im Rahmen einer Veranstaltung des Victorian Public Library Networks im Sommer 2016 hielt. Darin führt sie unter anderem aus: „My interest in STEM started when the Australian Chief Scientist issued his report Science, Technology, Engineering and Mathematics: Australia’s Future. Canberra, Australian Government, 2014 http://tinyurl.com/hy585p6

His report begins with these words:

  • The global economy is changing. New technologies and smart companies lead.
  • New industries and new sources of wealth are emerging.
  • New skills are required for workers at all levels.
  • Australians must decide whether we will be in the forefront of these changes or be left behind. We have a choice.“

Einen sehr guten Überblick zum Thema bieten auch die Quellen https://showmelibrarian.blogspot.de/p/all-things-steam.html sowie http://www.libraryasincubatorproject.org/?tag=steam

Auch auf der Tagung des bibliothekarischen Weltverbandes IFLA in Columbus/Ohio 2016 war das Thema präsent, unter anderem in diesem Vortrag: http://library.ifla.org/1360/1/080-allen-en.pdf.

Wer sich zu diesem Programmschwerpunkt öffentlicher Bibliotheken mit weltweiten Kollegen austauschen möchte, kann sich übrigens zur kommenden Konferenz „STEAM into Sydney“ anmelden, die von der Public Libraries Section der IFLA im März 2017 veranstaltet wird. Weitere Informationen dazu finden sich hier:  https://steamintosydney.wordpress.com/program.

Beitrag von Andreas Mittrowann

USA: 80.000 Schüler erhalten digitale Bibliotheksausweise

Um mehr Kinder zum Lesen zu bewegen, haben die Bibliotheken und Schulen im Anne Arundel County im Bundesstaat Maryland der USA 80.000 digitale Bibliotheksausweise ausgegeben. Im County wohnen insgesamt rund 500.000 Menschen. Die Ausweise ermöglichen es den Schülern, E-Books und andere digitale Medien auf Smartphones, Tablets und Computer herunterzuladen.

Bei den Inhalten handelt es sich vorwiegend um Online-Bibliotheken zur Fachrecherche („Online Research Libraries“) und E-Kurse, eine digitale Hausaufgabenhilfe sowie den Zugang zu Rosetta Stone, einem bekannten Anbieter von Sprachkursen.

http://goodereader.com/blog/digital-library-news/80000-students-receive-digital-library-card

Beitrag / Übersetzung: Andreas Mittrowann