IFLA-Impressionen 2014 (Teil 4 und Abschluss)

Am 19. August fand im Rahmen des IFLA-Kongresses in Lyon auch die Session „Green libraries promoting sustainable development — Environmental Sustainability and Libraries Special Interest Group“ statt. Den herausragenden ersten Vortrag lieferte der Architekt Jeffrey Scherer, dessen Firma MSR Architecture überregional bekannt wurde für die Umgestaltung bestehender Gebäude in faszinierende und oft in leuchtenden Farben gestaltete Bibliotheken, so u. a. ein Walmart-Gebäude in Texas. Ein Vortrag der australischen Kollegin Debra Burn aus Westaustralien von der Peppermint Grove Library zeigte, wie eine öffentliche Bibliothek mit viel Elan und Fantasie auf das Thema Nachhaltigkeit ausgerichtet werden kann und wurde ergänzt durch den ungewöhnlichen Beitrag von Jonas Söderholm, der die Ergebnisse einer Recherche zur demnächst erscheinenden Dissertation mit dem Thema „Werkzeugbibliotheken“ (Tool Lending Libraries) in den USA vorstellte. Die Session schloss Andreas Mittrowann aus der ekz mit seinem Vortrag „Green library suppliers – partners for Green libraries“ ab.

Der anschließende Festabend fand im Südwesten Lyons in einer alten Zuckerfabrik statt und bot vielfältige Gelegenheiten zum Schlemmen auf die französische Art, zum Austausch mit den Fachkollegen und – wer`s mochte – auch zum angeleiteten Tanzen mit Unterstützung einer musikalischen Geräuschkulisse im oberen Dezibelbereich.

Den diesjährigen Besuch und die Teilnahme am IFLA-Kongress in Lyon schloss die Session „Less is Less: Managing for a greater impact“ der Public Libraries Section ab. Hier wurde deutlich, dass die deutsche Problematik der stagnierenden oder schrumpfenden Medienetats in öffentlichen Bibliotheken eine weltweite Entwicklung widerspiegelt. Logische Konsequenz der Veranstalter: Wenn Bibliotheken heute über immer weniger Mittel verfügen, ist ein umso stärkeres und umfassendes Marketing erforderlich.

Ein besonders krasses Beispiel für den Niedergang von Bibliotheksetats in Verbindung mit der Wirtschaftskrise im Süden Europas schilderte Glòria Pérez-Salméron unter dem Titel „Libraries facing the crisis: Action“. Die Fakten sind ernüchternd: Die spanischen Bibliotheken mussten in den vergangenen Jahren einen Etatrückgang in Höhe von 36 Prozent hinnehmen, daraufhin sanken die Erwerbungen um 43,6 Prozent, vorrangig im Bereich der audiovisuellen Medien und damit die Bestandsvielfalt deutlich einschränkend. Die Zahl der Beschäftigten im Bibliotheksbereich sank um 20 Prozent. Recht typisch bei Wirtschaftskrisen nahm aber gleichzeitig die Zahl der Ausleihen und vor allen Dingen die Zahl der Besuche um 20,5 Prozent zu, die Nutzerbasis stieg von 8,2 auf 15,2 Millionen.

Vor diesem Hintergrund entstand die Zielsetzung, den wirtschaftlichen und konkret nachweisbaren sozialen Nutzen der Bibliotheken im Rahmen einer Studie zu belegen. Im Ergebnis entstand die „fesabid study the economic and social value of information services: libraries“, um die spanische Bibliothekscommunity mit einem entsprechenden Argumentationspaket zu versorgen. Fazit u. a.: Wäre das spanische Bibliothekswesen kommerziell orientiert, müsste ein Nutzer dafür pro Jahr 212 Euro zahlen und der Return of Investment beträgt 3,1 Millionen Euro pro Jahr. Pérez-Salméron schloss: „Libraries are becoming multipurpose spaces in which technology plays an increasing role. The economical crisis plus the copyright crisis plus the mission crisis of libraries is an important issue which has to be addressed. Don’t leave these important issues to anyone else!“.

Eine weitere Rednerin in dieser interessanten Session war Jan Richards, die über „the value of partners and advocates“ sprach (mehr Infos zu australischen öffentlichen Bibliotheken unter https://www.alia.org.au/node/184/public-libraries) und bereits sehr eloquent die IFLA-Satellite-Conference in Birmingham moderiert hatte. Außerdem dabei: Åke Nygren aus Schweden, der sehr zukunftsgerichtet das Thema „Connected society, connected learning, connected libraries, connect your library!“ adressierte und auf die interessanten weltweiten Hive Learning Communities hinwies (noch ist keine deutsche Bibliothek dabei, oder?) sowie die Projekte von Mozilla (der Stiftung, die den Webbrowser „Firefox“ anbietet) zur Web Literacy.

Gesamtfazit: Die IFLA-Teilnahme hat sich gelohnt und war gekennzeichnet vom Austausch mit den internationalen Kollegen, vielfältigen Begegnungen sowie einem fachlich recht interessanten Programm, in dem die öffentlichen Bibliotheken allerdings einen deutlich höheren Stellenwert hätten einnehmen dürfen. Auch die extreme zeitliche Dauer sollte von den Veranstaltern noch einmal kritisch beleuchtet werden. Ansonsten DANKE an alle Beteiligten und die französischen Kolleginnen und Kollegen für eine ergebnisreiche Konferenz!

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

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