IFLA-Impressionen 2014 (Teil 3)

Die „President´s Session“ auf dem IFLA-Kongress Lyon fand am 19. August morgens ab 9:30 Uhr unter dem Motto „Participation in the digital environment“ statt. Die finnische IFLA-Präsidentin Sinikka Sipilä stellt in ihrer Einführung noch einmal nachdrücklich den Zusammenhang von Informationsfreiheit und gesellschaftlicher Mitgestaltungsmöglichkeit her und bat nachdrücklich alle Teilnehmer/innen darum, für eine möglichst breite Mitzeichnung der Lyon Declaration zu sorgen.

Auf Sipilä folgte im Abschnitt „Strong Libraries = Strong Societies: e-participation for strong information societies“ IFLA-Governingboard-Mitglied Maria Carme Torras Calvo mit ihrem Vortrag zum Thema „Literacy – Essential for participation“. Sie stellte u. a. zwei der Thesen des IFLA-Trendreports in den Mittelpunkt, nämlich „New technologies will both expand and limit who has access to information“ sowie „Online education will democratise and disrupt global learning“ und zählte praxisnah auf, was Bibliotheken tun können (Übersetzung durch den Autor): 

  • Biete freie, vertrauenswürde und unabhängige Informationsquellen an
  • Schütze die Daten Deiner Nutzer
  • Entwickle die Fähigkeiten Deiner Mitarbeiter
  • Leiste einen Beitrag zur Integration des Lernens in die allgemeine kulturelle Praxis
  • Konzentriere Dich auf das, was Deine Nutzer brauchen
  • Integriere Deine Dienstleistungen in das Curriculum und das informelle Lernen
  • Leiste einen Beitrag zur Verbreitung des Wissens zu entstehenden Technologien (als Beispiele wurden die neuen, körpernahen Werkzeuge wie Fitnessarmbänder und Lifelogger sowie neue Interfaces zur Steuerung von Geräten via Gehirnströmen genannt).

Torras Calvo wies abschließend darauf hin, wie wichtig es für Bibliothekare sei, sich bei der Festlegung der künftigen digitalen Agenda durch die Entscheider aktiv zu engagieren und Barrieren beim Zugang zur Bildung zu beseitigen, so zum Beispiel durch „Massive Open Online CoursesMOOCs, die generell bei der Lyoner Konferenz ein großes Trendthema darstellten. Auch der Hinweis auf die UNESCO-Publikation zu weltweiten Quellen der Informationskompetenz war wertvoll – insgesamt ein runder und informativer Vortrag. 

Sehr aufschlussreich war der folgende Auftritt von Catherine Lucet, Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Nathan/Editis und somit Vertreterin des internationalen Verlegerverbandes IPA zum Thema „Local content publishing and participating“. Lucet nutzte die sich bietende Gelegenheit, die Lyon Declaration der IFLA hinsichtlich der fehlenden Nennung der Verlage öffentlich zu kritisieren, beschwichtigte aber gleichzeitig damit, dass die Verlage nah bei den Bibliotheken und bei der grundsätzlichen Ausrichtung der Deklaration seien. Als wesentliches Hindernis für den weltweiten, freien und gleichberechtigten Informationsaustausch nannte Lucet jedoch interessanterweise nicht Armut oder fehlende Bildungschancen, sondern die sogenannte „GAFA“-Gruppe (Google, Amazon, Facebook, Apple) und gab zu „We are all struggling to define this new framework and these new regulations“. Lucet erwähnte explizit auch Amazons neues Angebot „Kindle Unlimited“. Erneut wurde deutlich, welch unterschiedliche Bewertung die Aktualisierung des Urheberrechtes durch Verlage und Bibliotheken erfährt. Lucet dazu: „Exceptions to copyright should not be easy and shortsighted“. Positiv ragte hier ihre Bemerkung heraus, das insbesondere die Ausleihe digitaler Medien („eLending“) ein gutes Beispiel für notwendige und zukunftsgerichtete Experimente in diesem Bereich sei.

Im weiteren Verlauf ihres akzentuierten Beitrages ging Lucet auf die qualifizierte Erstellung und Verbreitung von Lehrbüchern in Entwicklungsländern ein und stelle insbesondere das Training der Lehrkräfte in den Fokus. Als besonders wirksames Werkzeug hierzu fanden auch an dieser Stelle erneut die „MOOCs“ eine Erwähnung. Lucet schloss unter anderem mit den folgenden Thesen:

  • Top down solutions do not work
  • An appropriate legal framework is an essential foundation
  • Fixed book prizes and ebook prizes are strongly recommended

Weitere Vortragende in der inhaltsreichen und fachlich gut aufgestellten Session waren Anriette Esterhuysen von der Association of Progressive Communications, Ernesto Hartikainen vom Finnish Innovation Fund, Andy Richardson von der International Parliamentary Union und Martine Reicherts, EU-Kommissarin für Justiz.

 

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

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