Konferenzbericht: Public Library Futures in a global digital world

Am 12. und 13. August 2014 fand im britischen Birmingham die IFLA-Konferenz „Public Library Futures in a global digital world“ mit rund 150 Gästen statt. Organisiert von der Public Libraries Section des bibliothekarischen Weltverbandes IFLA sowie den britischen Vereinigungen CILIP sowie SCL, standen im Mittelpunkt der Veranstaltung die Fragen nach der zukünftigen Ausrichtung der öffentlichen Bibliotheken und der gegenwärtige Transformationsprozess. Star der Veranstaltung war allerdings die großartige neue Birmingham Public Library, in der die Konferenz auch stattfand. Einen Eindruck vom Gebäude vermittelt ein Film auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=fZ50SgXYkUg

Der erste Tag stand unter dem Motto „Breaking down barriers between physical and digital“ und wurde von Brian Gambles, dem Direktor der Birminghamer Bibliothek, eröffnet. Sein Vortrag unter dem Motto „Future City, Future Library“, fokussierte zunächst auf die industriell geprägte Geschichte Birminghams und die Notwendigkeit von Kreativitätsförderung und Bildungsangeboten für eine sehr junge Einwohnerschaft. Was ist eine Bibliothek im 21. Jahrhundert? Diese Frage beantworte Gambles mit Stichworten wie „Wissenszentrum“, „Social Learning Hub“, „Kultureller Austausch“ und „Empowerment Centre“.

Das Vorgehen im digitalen Bereich basiert in Birmingham auf einer dreigeteilten Strategie: Physischen Angeboten wie Touchtables und Monitoren in der Bibliothek, digitalen Services wie E-Lending und Lösungen für die mobile Gesellschaft. Grundsätzlich gelte allerdings: „Nothing is more important than free WiFi and good Coffee“. Gambles und auch seine Mitarbeiterin während der Führung betonten: „It is not our library, it is theirs“, um die große Offenheit gegenüber den Kundenwünschen und eine bisher nur sehr zurückhaltende Reglementierung zu begründen. Es müsse allen Bibliothekaren sehr klar werden, dass Innovation eine Daueraufgabe und nicht etwa mit einer Neueröffnung beendet sei. Für die Mitarbeiter sei das eine besondere Herausforderung und keine Stellenbeschreibung sei unverändert geblieben.

Ein Beispiel aus Deutschland für das Verschmelzen von Informationen aus der physischen und digitalen Welt stellten Sarah Dudek und Vera Binz aus der Zentral- und Landesbibliothek Berlin vor. Der dort eingerichtete „Topic Room“ adressiert aktuelle Themen wie den 1. Weltkrieg oder die Bundestagswahl und setzt darüber hinaus eigene Akzente wie beispielsweise beim Thema Märchen, das sich als Publikumsrenner erwies. Die beiden Vortragenden machten sehr schön deutlich, dass Innovation auch in der kontinuierlichen Überarbeitung des Erarbeiteten besteht – so sieht der aktuelle Topic Room nach einer Renovierungsmaßnahme anders aus als die erste Version  und enthält eine neue Möblierung sowie anders gestaltete Bildschirme und digitale Präsentationen inklusive einer eigens entwickelten App.

Ein Highlight des Tages war ganz sicher auch der Vortrag von Corinne Hill, Direktorin der Chattanooga Public Library und „Librarian of the Year 2014“. Die noch vor einigen Jahren unter der vorherigen Leitung stark kritisierte Bibliothek ist ein hervorragendes Beispiel für positiven Wandel. Hill präsentierte unter dem neu formulierten Mission Statement „To be the community’s catalyst for life long learning“ ein Bündel von Maßnahmen, die von einer sehr gezielten Teamentwicklung („Collaborate, Create, Control, Compete“) über Projekte wie ein Fablab und eine „Sandbox“ bis hin zur gemeinschaftlichen Ausräumung eines Möbellagers im 4. Stock der Bibliothek reichen, in dem ein völlig neuer Bereich für Events und experimentelle Maßnahmen geschaffen wurde: http://chattlibrary.org/4th-floor. Prägende Begriffe sind Transformation,  Zugang durch die Kunden („Customer Access“), technologische Plattformen und „Responsive Collections“. Hill ging auch auf ein immer wiederkehrendes Thema ein, das bereits von Brian Gambles adressiert worden war: Wie können Mitarbeiter für Wandel und Veränderung gewonnen werden? Während Gambles sich auf die 20-60-20-Regel berief (20 Prozent der Mitarbeiter ziehen bei Veränderungen mit, 60 Prozent sind offen und 20 Prozent dagegen), plädierte Hill für einen konsequenten und unmissverständlichen Stil („Don’t get in my way“), auch wenn sie generell sehr für kooperative Führung sei. Als richtige erkannte Entscheidungen müssten auch durchgesetzt werden – konkret äußert sich das beispielsweise u.a. in der deutlichen Reduktion von Kosten für kaum genutzte Datenbanken. Der so gewonnene Etat wird dem Printbereich zugeführt. Bei Hill wurde deutlich, dass der Wandel insbesondere über eine klare Strategie und die Gewinnung neuer, hoch motivierter Mitarbeiter gesteuert wird, während in Birmingham eine Strategie der „small steps to change“ eingesetzt wird: Eine komplette Neugestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation, ein „Customer Experience Pool“ sowie ein neues Corporate Design plus ein „Dress Code“ für alle Mitarbeiter sind einige der Elemente für den Wandel in Birmingham. Einen weiteren Höhepunkt des ersten Tages bildete der Vortrag von Laura Cole von der Bexar County Bibliotech Library, über die bereits an anderer Stelle berichtet wurde. Ein ähnlicher Vortrag findet sich hier.

Der zweite Konferenztag stand unter dem Motto „Libraries in the digital economy“ und wurde gleich zu Beginn durch einen hervorragenden Beitrag von Jens Thorhauge geprägt. Sein Vortragstitel „Transforming  public libraries in the knowledge society“ machte seine Überzeugung deutlich, dass ein völlig neues Modell notwendig sei, um die Bibliotheken für den schnellen Wandel fit zu machen. Im Zentrum seiner Präsentation stand daher folgerichtig das neue dänische Bibliotheksmodell mit den Schlagworten Innovation, Experience, Empowerment und Involvement, dass bereits an anderer Stelle ausführlich geschildert worden ist. Viele weitere Beispiele aus China, Spanien, Großbritannien, Australien und weiteren Nationen machten deutlich, dass der Wandel in Bibliotheken eine globale Aufgabe ist, die gemeinsam bewältigt werden kann.

Beitrag von Andreas Mittrowann

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