Archiv für den Monat September 2013

US-Bibliotheken: Buchlos in Bexar

Am 14. September öffnete im US-amerikanischen Bexar County (Texas) die erste kommunale Bibliothek ohne Bücher. Statt wie die meisten Stadtbibliotheken in westlichen Ländern auf einen hybriden Mix aus gedruckten und digitalen Medien plus Audio und Video zu setzen, bietet man in der der neuen Zweigstelle ausschließlich E-Books und andere digitale Medien zum Download an und verwendet dabei ein ähnliches Verfahren wie bei der deutschen „Onleihe“. Bibliothekskunden benötigen ein mobiles Gerät und eine „App“, um das Angebot nutzen zu können.

Die auch sonntags geöffnete Bexar County BiblioTech Library bietet darüber hinaus in ihrem futuristisch gestalteten Ambiente neben Laptops und Tablet-PCs auch 600 E-Reader und 48 Computerstationen an und vergisst darüber hinaus auch nicht Vorlesestunden für Kinder und Computerkurse. Die US-amerikanische Leiterin der San Rafael Public Library in Kalifornien sowie bekannte Bloggerin Sarah Houghton schätzt, dass in der nächsten Dekade rund zehn bis zwanzig Prozent der Bibliotheken ebenfalls auf buchlosen Kurs gehen könnten.

Die Bürgerinnen und Bürger wie die kommunalen Entscheider sollten dabei allerdings mitgenommen werden – dass ein buchloses Angebot auch Widerstand provozieren kann, zeigen aktuelle Erfahrungen aus dem Fairfax County. Der u. a. Quellartikel für unseren Beitrag weist in diesem Zusammenhang auf eine Veröffentlichung der Washington Post hin: Nachdem die Fairfax County Library im Zuge eines Optimierungsprozesses 250.000 Bücher aus dem Bestand entfernen wollte, brach vor Ort und überregional ein Sturm der Entrüstung los, weitere Informationen dazu siehe hier: http://wapo.st/18YrNDG

In Bexar County mit seinen 1,7 Millionen Bürgern wird dieser Konflikt voraussichtlich erst gar nicht entstehen, denn es handelt sich faktisch um eine Zweigstelle mit digitalem Fokus in einem Gesamtsystem mit der Kreisstadt San Antonio  – jeder, der weiterhin Zugriff auf gedruckte Bücher wünscht, kann auf eine der anderen Bibliotheken in der Nähe zugreifen. Die Laune bei der Eröffnung war jedenfalls offensichtlich gut, wie die ersten Fotos zeigen.

Link:
http://www.npr.org/blogs/thetwo-way/2013/09/14/222442870/bookless-public-library-opens-in-texas

Beitrag von Andreas Mittrowann

Neuseeland: Wahlen und Bibliotheken

Nicht nur in Deutschland, sondern auch auf der anderen Seite der Erde stehen Wahlen an: Laurinda Thomas, die Präsidentin des neuseeländischen Bibliotheksverbands LIANZA, forderte die Bürger auf, die Politiker vor dem Hintergrund der anstehenden „Local Elections“ eingehend hinsichtlich ihrer Position zu Bibliotheken zu befragen: „Neuseeländer/innen müssen wissen, wo ihre Kandidaten stehen, damit wir diejenigen wählen können, die ein Interesse an den Bibliotheken und der Kommune haben, der sie dienen.“ Bei 37,5 Millionen Bibliotheksbesuchen im vergangenen Jahr seien die Kandidaten aufgefordert, Bibliotheken als grundlegende Dienstleistung anzuerkennen.

Die Rückmeldungen der einzelnen Kandidaten werden auch auf der LIANZA-Website wiedergegeben werden und die Öffentlichkeit ist zusätzlich aufgefordert, das notwendige Bewusstsein bei den Kandidaten durch Tweets, Facebookeinträge oder E-Mails zu erhöhen. Vorlagen für entsprechende Texte sind ebenfalls auf der LIANZA-Seite zu finden.

Link:
http://www.scoop.co.nz/stories/PO1309/S00091/public-urged-to-library-up-ahead-of-local-elections.htm

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

Die neue Stadtbibliothek Birmingham öffnet ihre Tore

Am 3. September findet die Eröffnung eines des prestigeträchtigsten Bibliotheksgebäude in diesem Jahr statt: Der Neubau der Birmingham Public Library und damit eine der größten europäischen Bibliotheken wird dem allgemeinen Publikum zugänglich gemacht. Zehn Stockwerke, 189 Millionen britische Pfund Baukosten und 400.000 Medieneinheiten bilden ein architektonisches und bibliothekarisches Highlight für Großbritannien, das von der Niederländerin Francine Houben gestaltet wurde.

Die Eröffnung findet allerdings in einem Umfeld statt, in dem zahlreiche Wandlungen in Freiwilligen-Bibliotheken sowie Schließungen befürchten lassen, dass die entsprechende Grundversorgung in Großbritannien keineswegs gewährleistet ist. Insgesamt werden 1000 Bibliotheksschließungen bis zum Jahr 2016 befürchtet. Auch in Birmingham wird mit Kürzungen des kommunalen Etats um 300 Millionen Euro gerechnet – wie auf dieser Basis die laufende Aktualisierung des Medienbestandes gewährleistet wird, ist derzeit noch offen.

Ein besonderer Höhepunkt der heutigen Eröffnung vor geladenem Publikum ist ganz sicher die Anwesenheit von Malala Yousafzai, dem pakistanischen Mädchen, das sich für die Bildungsrechte von Frauen einsetzt und dafür von den Taliban angeschossen wurde. Yousafzai geht in Birmingham zur Schule und erhält übrigens auch den diesjährigen, internationalen Friedenspreis für Kinder.

Links:
http://www.theguardian.com/books/2013/jul/12/library-campaigners-1000-closures-2016

http://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2013/aug/29/birmingham-library-francine-houben-pictures

http://www.theguardian.com/books/2013/aug/29/library-birmingham-local-services-austerity

http://www.buchreport.de/nachrichten/buecher_autoren/buecher_autoren_nachricht/datum/2013/08/28/im-kampf-fuer-bildung.htm

Beitrag von Andreas Mittrowann

IFLA veröffentlicht Trend Report

Der Weltverband der Bibliotheken IFLA hat einen neuen, globalen Trendreport veröffentlicht. Während zahlreiche, meistens technologiegetriebene Veröffentlichungen sich häufig auf Einzelthemen konzentrieren, benennt die IFLA-Publikation fünf übergreifende Trends:

  • TREND 1: Neue Technologien werden den Zugang zu Informationen einerseits erweitern, andererseits begrenzen;
  • TREND 2: Online-Bildung wird das weltweite Lernen demokratisieren und gleichzeitig „zerstören“ („disrupt“);
  • TREND 3: Die Grenzen der Privatsphäre und des Datenschutzes werden neu definiert werden;
  • TREND 4: Hochvernetzte Gesellschaften werden neuen sozialen Gruppen und Stimmen mehr Gehör verschaffen und sie stärken;
  • TREND 5: Die globale Informationslandschaft wird von neuen Technologien transformiert werden.

Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer einjährigen Konsultation von Experten und Vertretern verschiedenster Disziplinen erarbeitet. Beim IFLA-Trendreport handelt es sich um mehr als ein einzelnes Dokument, sondern um die Zusammenführung einer Vielzahl von Quellen und Erkenntnissen, um die Bibliotheken auf ihrem Weg in die Zukunft zu stärken.

Weitere Informationen: http://trends.ifla.org/

Beitrag von Andreas Mittrowann, nach einem Hinweis von Karl Dietz

China: Automatenbibliotheken auf dem Vormarsch

Die Stadtbibliothek Köln hat vor kurzer Zeit den ersten Krimiautomaten einer öffentlichen Bibliothek vorgestellt. In China scheinen sich die „Automatenbibliotheken“ dagegen noch viel stärker durchzusetzen – auch, wenn sie eine echte Bibliothek mit kompetenten Mitarbeitern, Lern- und Austauschmöglichkeiten und einem breiten Informationsangebot nicht ersetzen können.

Die Website Xinhuanet berichtet nun vom verstärkten Einsatz dieser Selbstbedienungsmöglichkeit in Pekings Chaoyang Distrikt – dort wurden für die 2,9 Millionen Einwohner bereits 119 Automaten in 43 Vierteln aufgestellt. Nutzer können mit ihrem Personalausweis (!) gegen ein Pfand von 100 Yuan maximal fünf Bücher ausleihen. Die Automaten sollen unter anderem dazu beitragen, die Lesebegeisterung der Chinesen anzukurbeln, die laut dem Artikel aktuell durchschnittlich 4,39 Bücher pro Jahr lesen – in Deutschland liegt dieser Wert übrigens bei knapp neun Büchern.

Link:
http://news.xinhuanet.com/english/china/2013-08/28/c_132670649.htm

Beitrag von Andreas Mittrowann