IFLA-Konferenz „E-Books in Libraries – A Global Question of Survival?“

Am 21. Februar fand in der Londoner Zentrale des britischen Bibliotheksverbandes CILIP (Chartered Institute of Library and Information Professionals) eine Konferenz des Weltverbandes der Bibliotheken (IFLA) mit dem Titel “E-Books in Libraries – A Global Question of Survival” statt. An dieser Konferenz durfte ich für die ekz.bibliotheksservice teilnehmen. Ziele der Veranstaltung waren es, einerseits einen Überblick zum internationalen Stand der Ausleihe von E-Books in Bibliotheken zu schaffen und andererseits Rückmeldungen zu den geplanten weiteren Initiativen der IFLA in diesem Feld zu erhalten.

Entsprechend dieser Zielsetzung waren insgesamt rund 90 Teilnehmer/innen aus allen Kontinenten im Publikum vertreten. CILIP-Präsident und Gastgeber Phil Bradley formulierte in seiner Begrüßung unter anderem: „E-Books are stressing librarians around the globe“ und spielte damit auf die Tatsache an, dass einige Verlagsvertreter nicht bereit sind, Bibliotheken die E-Books ihrer Häuser für die digitale Ausleihe zur Verfügung zu stellen. Die Bibliotheken ihrerseits sehen damit den Auftrag zur freien Informationsversorgung der Bürger gefährdet und stehen weltweit vor unzureichenden Urheberrechtsgesetzgebungen und einem bisher nur wenig entwickelten Bewusstsein der Politiker/innen für diese Problematik. Es gebe viele Gründe für Bibliothekare, dieser Situation selbstbewusst gegenüberzustehen, so Bradley, denn: „Bibliotheken waren schon lange vor den Büchern da und werden es auch danach noch sein“. Seine Botschaft sei, Vertrauen und Optimismus zur Lösung der bestehenden, aktuellen Probleme zu vermitteln, denn „Nobody else than we can do it“.

Im Anschluss sprachen
–    Gerald Leitner von der IFLA-Arbeitsgruppe MLAS zur weltweiten Thematik,
–    Michael Dowling von der American Library Association zu Situation in den USA,
–    Chloe Vicente de Billion von der Universidad Adolfo Ibánez in Chile zur Lage in Südamerika,
–    Yasuyo Inoue von der Dokko University in Japan zu den Problemen in Asien,
–    Dr. Maisela Eddy Maepa von der University of South Africa zum Sachstand in Afrika,
–    Fiona Bradley von den IFLA-Member Services and Developement über die E-Ausleihe in Australien und Neuseeland
–    sowie EBLIDA-Präsident Klaus-Peter Böttger über die Situation in Europa.

Es ist nicht überraschend, dass die Lage in den Erdteilen sehr unterschiedlich ist: Während in den USA bereits 18 Prozent der Verlagsumsätze durch E-Books generiert werden, stehen in Afrika noch Kernaspekte wie Internetzugang oder Kosten von mobilen Geräten im Vordergrund, auch wenn durchaus erste digitale Verlagsinhalte vorhanden sind. In Japan besteht der E-Book-Markt derzeit noch zu 80 Prozent aus Mangas, in Neuseeland ist die E-Ausleihe derzeit gesetzlich nicht gestattet und in Europa erlauben die extrem unterschiedlichen Steuergesetzgebungen den Konzernen, ihr Geschäft beispielsweise in Luxemburg anzusiedeln, um eine Preisgestaltung mit nur drei Prozent Umsatzsteuer zum Nachteil lokaler Anbieter zu ermöglichen. Es gab aber auch zentrale Themen, die alle Redner bewegten:

  • In der physischen Buchwelt herrscht der so genannte „Erschöpfungsgrundsatz“: Die Rechte der Verleger haben sich nach dem Verkauf des Buches „erschöpft“, daher können Verbraucher ihrer Bücher nach Belieben weiterverkaufen und Bibliotheken jedes Buch kaufen und ausleihen – dieser Grundsatz erstreckt sich nicht auf digitale Inhalte.
  • Viele Verleger haben noch keine ausgereiften Strategien für die digitale Welt entwickelt und sind unsicher. Aus dieser Situation heraus empfinden sie das zielgerichtet Vorgehen der Bibliotheken teilweise als Bedrohung, obwohl Bibliotheken durch ihre Arbeit nachweislich zum Buchverkauf beitragen und durch ihre Maßnahmen zur Leseförderung täglich neue, begeisterte Leser entstehen lassen. „Die Verleger“ gibt es natürlich nicht: Viele Verlagshäuser stehen der Ausleihe von E-Books durch Bibliotheken positiv gegenüber.
  • Rechtliche  und steuerliche Grundlagen sind weltweit extrem unterschiedlich.

Daraus resultiert ganz logisch die Frage: Was können Bibliotheken national und international tun?

Als Antwort darauf präsentierten verschiedene Kolleginnen und Kollegen nationale Kampagnen und Strategien, die auf eine Bewusstseinsänderung bei Verlegern, eine Bewusstseinswerdung bei Politikern oder auf Gipfelgespräche zwischen Bibliotheken, Verlegern, Autoren und Aggregatoren abzielen. Besonders vielversprechend scheint eine Kombination aus konstruktiven Gesprächen zwischen Bibliotheken und Verlegern – in denen auch neue, attraktive Lizenzmodelle diskutiert werden könnten – sowie das Ziel einer Gesetzgebung, die es im Sinne der Informationsfreiheit den Bibliotheken grundsätzlich ermöglicht, alle Verlagsinhalte zu kaufen und zu fairen Konditionen auszuleihen.

Zum Schluss der Veranstaltung konnten die Teilnehmer/innen an Arbeitsgruppen zur Diskussion der IFLA Principles for Library e-Lending teilnehmen, die von Stuart Hamilton, dem IFLA Director Policy and Advocacy präsentiert wurden.

Beitrag von Andreas Mittrowann

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