Wie australische Bibliotheken den Wandel gestalten


In einem Online-Artikel auf der Website der Australien Broadcasting Commission (ABC) schildert die Autorin Jana Black den Wandel in australischen Bibliotheken am Beispiel Canberra. Dabei wird deutlich, wie vergleichbar die Situation vieler Bibliotheken in westlichen Demokratien ist. Auch in Canberra sind die Ausleihen physischer Medien in den letzten Jahren zurückgegangen, das Interesse an E-Books hingegen gestiegen. Bibliotheksdirektorin Vanessa Little betont, dass dies aber nur eine der vielen Möglichkeiten ist, in einem sich wandelnden Umfeld relevant zu bleiben. Dabei unterstreicht sie insbesondere die Rolle als Lernort: „Libraries emerged out of the mechanics institutes that were built around Australia [and] other places as a way of educating people so that they could participate in the industrial revolution. So people have always used libraries as places to learn.“

Daher wird in Canberra mit einem breiten Bildungsbegriff gearbeitet – „Lernort“ umfasst somit auch das Programm „CycleJam“, bei dem die Reparatur und Instandhaltung von Fahrrädern im Mittelpunkt stehen. Wichtig dabei sei der Fokus auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger vor Ort („community needs“), so Little – „[…] we know that people don’t always learn by reading, people learn by doing and listening and watching.“

Mehr Programmarbeit, weniger Print“ – so könnte das Motto lauten. Ein weiteres Beispiel dafür ist „Giggle and Wiggle“ („Kichern und Wackeln“), ein Programm zur Leseförderung, bei dem junge Familien angesprochen werden, um die Liebe am Erzählen von Geschichten mit Tanz- und Singelementen zu wecken – eines der beständigen Kernelemente von Bibliotheksarbeit heute.

Link:
http://www.abc.net.au/news/2016-07-16/act-libraries-turn-to-new-programs-as-loans-decline/7579120

Beitrag von Andreas Mittrowann

Bibliotheken bauen mit Social Media: Surrey City Centre Library in Kanada

Die Architektur-Website Dezeen.com stellt die Surrey City Centre Library des Architektenbüros Bing Thom in einem Beitrag mit eindrucksvollen Fotos vor. Dabei ist sofort erkennbar: Diese Bibliothek in der Nähe von Vancouver macht ein Statement! Der schiffsartige Bug aus Beton wird in seiner Dynamik und schwungvollen Eleganz durch gebogene, große Glasflächen unterstützt. Dabei erinnert er ein wenig an die Filiale „The Shard“ der britischen Birmingham Public Library mit ihrer ebenfalls prägnanten „Nase“.

Das Innere des Gebäudes wird dominiert von weißen Regalen, Flächen aus Naturholz bei den Sondermöbeln sowie einem terrakottafarbenen Teppich. Die kurvenreiche Linienführung der Außengestaltung setzt sich hier fort in der Gestaltung der Treppenaufgänge und Formensprache der verschiedenen Ebenen. Die Verfasser betonen als Besonderheit den starken Einbezug der Bevölkerung über die sozialen Medien bei dem bereits im Jahr 2011 fertiggestellten Gebäude und etikettieren es als „first public building in the world to be designed with the aid of social media.“

http://www.dezeen.com/2016/05/18/bing-thom-architects-surrey-library-vancouver-canada-concrete

 

Bitte mitmachen! Europäische Studie zum Lernen in öffentlichen Bibliotheken

Das European Bureau of Library, Information and Documentation Associations (EBLIDA) führt eine Studie zum nicht-formellen und informellen Lernen der europäischen öffentlichen Bibliotheken durch. Alle öffentlichen Bibliotheken sind eingeladen, sich an der Online-Befragung bis zum 17. Juni zu beteiligen!

Worum geht es dabei? In Europa existieren rund 65.000 Bibliotheken. Viele von Ihnen bieten nicht-formelle bzw. informelle Lernmöglichkeiten an und haben darüber hinaus in vielen Jahrzehnten Expertenwissen dazu aufgebaut – allerdings liegen bisher noch keine empirisch basierten Studien in diesem Umfeld vor. EBLIDA führt nun im Rahmen des „Library Advocacy for EU“-Projektes gemeinsam mit dem lettischen Bibliotheksverband LLA eine Befragung zu diesem Thema durch. Die Ergebnisse sollen als Input für die „EU Education and Training Strategy 2020“ verwendet werden.

Der Online-Fragebogen ist in englischer Sprache, die Verfasser raten außerdem dazu, die Ergebnisse der jeweiligen Jahresstatistik 2015 zur Hand zu haben. Als ungefähren Zeitrahmen für das Ausfüllen geben die Verantwortlichen 30 bis 45 Minuten an, die allerdings auf mehrere Sessions am gleichen oder am nächsten Tag aufgeteilt werden können. Bei Fragen oder Problemen kann ein Mail an liba4eusurvey@gmail.com gesendet werden.

Hier geht es zum Fragebogen: https://www.surveymonkey.com/r/LibA4EU_survey

Beitrag von Andreas Mittrowann
auf Basis einer Übersetzung des entsprechenden EBLIDA-Aufrufes

 

 

Fotos aus Bibliotheken weltweit

Ob Madrid, Birmingham oder gerade eben erst Genf: In den vergangenen Jahren hatte ich die Möglichkeit, vorwiegend öffentliche Bibliotheken weltweit und natürlich auch in Deutschland zu besuchen. Einige der Fotoimpressionen aus diesen Bibliotheken habe ich jetzt auf der Plattform Flickr unter dem Link www.bibliowelten.de für Sie zusammengestellt, liebe Fachkolleginnen und -kollegen.

Vielleicht sind ein paar Inspirationen für Ihr nächstes Einrichtungsprojekt dabei oder Ideen für eine angenehmere Raumatmosphäre in Ihrer Bibliothek?
Direktlink: https://www.flickr.com/photos/67365955@N02/albums

Viel Spaß beim Betrachten und Umsetzen wünscht Ihnen
Ihr Andreas Mittrowann

P.S. Zum Thema „Flickr“ siehe auch http://www.bibliotheksportal.de/themen/web20/flickr.html#c5002

Daten- und Wissensvisualisierung in Bibliotheken

Im Zeitalter von „Big Data“ nimmt die Visualisierung von Daten auch in Bibliotheken einen immer größeren Raum ein. Bibliotheken bauen dies im wissenschaftlichen Bereich teilweise zu einem Serviceangebot aus und bieten ihren Kunden Unterstützung bei diesem Thema an, beispielsweise die North Carolina State Libraries  oder die Harvard Law School Library in den USA.

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) hat in Zusammenarbeit mit dem Diplom-Medieninformatiker Mirko Clemente für ihr Foyer eine ganz andere, spannende Form der Datenvisualisierung entwickelt. Das Weblog der SLUB berichtet zu einer entsprechenden, neuen Installation in ihrem Foyer: „Auf der großen Projektionsfläche sehen Sie, wie sich aus den Recherchen im Katalog live ein Sternensystem von Fachdisziplinen und Themenbereichen entwickelt. Jeder Aufruf im SLUB-Katalog wird zu einem Teilchen in der Galaxie. Wir nennen das „Wissenskosmos“. Wenn Sie die in Dauerrotation laufenden Fachdisziplin-Sternbilder eine Weile beobachten, dann gewinnen Sie ein Gefühl dafür, was am heutigen Tag in der SLUB recherchiert wird.“

Weitere Informationen:
http://blog.slub-dresden.de/beitrag/2016/01/25/live-visualisierung-im-foyer-wissenskosmos/

http://mirkoclemente.net/installation/wissenskosmos.html

 

 

Bibliothekszukunft gestalten: Praxisbeispiel aus Cedar Rapids

Auf welche Bedarfe müssen Bibliotheken künftig reagieren? Wie können Ressourcen wirksam eingesetzt werden? Einer der „Königswege“, um diese Fragen zu beantworten, ist immer noch das direkte Gespräch mit den Bibliothekskunden in Form von sogenannten „Fokusgruppen“. Diesen Weg beschritt nun auch die y Cedar Rapids Public Libray im Bundesstaat Iowa in den USA. Die Stadt mit rund 130.000 Einwohnern gehört zu 23 Orten in den USA, die einen intensiven Dialog mit ihren Nutzern zur Zukunftssicherung begonnen haben.

Die Situation vor Ort ist nicht untypisch für eine Bibliothek in einem westlichen, demokratischen Land: Aufgrund eines gescheiterten Wählervotums im vergangenen Jahr (in den USA werden lokale Budgeterhöhungen für Bibliotheken häufig über eine Bürgerabstimmung zur Erhöhung bspw. der Grundsteuer entschieden) stand die Bibliothek vor Budgetkürzungen und einer Reduktion der Öffnungszeiten. Wie damit umgehen? Offensichtlich passen die Angebote und das Programm nicht mehr so gut wie früher zum Bedarf der Bürger.

Als Antwort darauf führte die Bibliothek in Abstimmung mit den kommunalen Entscheidern eine Interviewrunde vor Ort mit mehr als 40 Bürgern durch, in denen Fragen wie „Was sind die wichtigen Schritte, um die Bibliothek erfolgreich zu machen“ oder „Welche Faktoren machen die Kommune lebenswert?“ eine Rolle spielten. Kernfrage der Gruppeninterviews: Warum ist die Bibliothek für mich persönlich wichtig? „Ich wünsche mir, dass die Bibliothek mehr nach Außen geht, um sich bei den Menschen bekannt zu machen und für ihren Service zu werben“, so bspw. Hassan Selin. „Ich denke, ein Teil des Problems ist die Tatsache, dass einfach zu wenig Menschen die Bibliothek kennen und wissen, wie großartig sie ist“, führt er weiter aus.

Dara Schmidt, die Leiterin der Bibliothek: „In Zeiten mit begrenzten Ressourcen müssen wir schwierige Entscheidungen darüber fällen, was wichtig ist“. Sie drückt darüber hinaus ihre Überzeugung aus, dass der Prozess der Bürgerbeteiligung zu neuen Partnerschaften, einer verbesserten Effizienz und eine großartigen Vision der Bibliothek als kommunaler Ressource führen wird.

Das „Library Board of Trustees“ wird die aus den Fokusinterviews gewonnenen Informationen für ein Treffen zur strategischen Zukunftsplanung nutzen. Ein Video auf der Webseite unter dem angegebenen Link illustriert den Bericht und zeigt Ausschnitte aus den Gruppenarbeiten.

http://www.kcrg.com/content/news/Library-uses-community-input-to-shape-future-361356241.html

Eine Hilfestellung zur Durchführung von Fokusgruppen findet sich unter dem folgenden Link ab Seite 69 ff.

http://www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de/Bildungspartner/1.-Ebene-Material/Lesekompetenz/kooperation_macht_staerker.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann
Übersetzungen vom Autor

San Francisco und Omaha: Entdecke Deinen inneren Ingenieur

Die Stadtbibliothek im kalifornischen San Francisco liefert bei ihrem aktuellen Veranstaltungsprogramm mit der Überschrift „Entdecke Deinen inneren Ingenieur“ ein gutes Beispiel für den Wandel bei bibliothekarischen Programmangeboten. Unter dem Titel „Rock the Bike and Magna-tiles“ wird mit einem E-Bike Strom erzeugt, der dann für die Erzeugung gesunder „Smoothies“ genutzt wird. Anschließend gibt es Spaß am Bauen mit den dreidimensionalen Puzzle-Magneten „Magna Tiles“. Bei der Freude am Konstruieren darf der ewige Spielzeug-Klassiker „Lego“ natürlich nicht fehlen – hier in Gestalt des LEGO WeDO Programms, mit dem bspw. nicht nur gebaut wird, sondern anschließend die Fahrweise der kleinen motorisierten Fahrzeuge auch noch programmiert werden kann.

Den Trend zum „Lernen durch Machen“ unterstreicht eindrucksvoll der neue „Do Space“ in Omaha und zeigt, dass es sich dabei um keinen regional beschränkten Trend in den USA handelt. Der Do Space beschreibt sich selbst auf diese Weise: „Do Space is a one-of-a-kind concept: it’s a community technology library, a digital workshop and an innovation playground filled with new opportunities to learn, grow, explore and create. Our every action, from working with the Omaha community to setting a new technology education standard, is based on four core principles:

  • We’re a technology equalizer, giving people from all walks of life access to software, computing and emerging technology.
  • We’re a technology enabler, empowering everyone with the tools and guidance needed to learn, create, explore and invent with technology.
  • We’re a technology educator, creating a new path for technology literacy and understanding its potential while providing opportunities for advanced learning.
  • We’re a technology innovator, changing the shape of technology education and actively playing a role in technology advancement and creation.“

Weitere Informationen zu den genannten Initativen finden sich hier:
http://sfpl.org/index.php?pg=1021488401
http://www.dospace.org/

Übrigens: Programmarbeit für junge Ingenieure kann man auch in kleinen Bibliotheken realisieren, siehe http://www.techsoupforlibraries.org/blog/of-makerspaces-and-media-labs-tales-from-two-small-libraries

 

 

 

 

Alberto Manguel: Die Bibliothek neu erfinden

Der kanadische Schriftsteller Alberto Manguel ist unter anderem bekannt durch seine Werke „Eine Geschichte des Lesens“ und „Die Bibliothek bei Nacht“. Jetzt hat er sich in einem bemerkenswerten Artikel in der New York Times zum Thema „Reinventing the Library“ geäußert. Darin betont er zunächst die Bedeutsamkeit schriftlicher Werke und ihrer Aufbewahrung für die Kultur der Zivilisationen, bei denen früher die Hauptgefahr in Feuer, Wasser oder der Bürokratie bestand.

Heute jedoch bestünde die größte Bedrohung in einem „falsch verstandenen“ Wandel: „Librarians today are forced to take on a variety of functions that their society is too miserly or contemptuous to fulfill, and the use of their scant resources to meet those essential social obligations diminishes their funds for buying new books and other materials.“ Bibliotheken seien weder Obdachlosenheime, eine Spaßveranstaltung noch ein Anbieter für soziale oder medizinische Dienste, auch wenn dies in einigen Bibliotheken längst so sei.

Manguel verurteilt zwar nicht die „neuen Dienstleistungen“ von Bibliotheken und nennt sie gut und nützlich, allerdings macht er auch deutlich: „If we change the role of libraries and librarians without preserving the centrality of the book, we risk losing something irretrievable.“ Damit befindet sich Manguel mitten in einer höchst aktuellen Diskussion: Liegt die Zukunft der Bibliotheken in interaktiven Angeboten, ihrer Rolle als Ort der Begegnung und der Kommunikation oder in ihrem „Markenkern“, den Büchern und den Medien? Ein sehr schönes Beispiel für diese Diskussion bietet auch der jüngst veröffentlichtes Artikel über die neue Bibliothek in Aarhus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Titel „Und wo sind hier die Bücher“? Der Journalist Simon Strauss fragt darin (vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Bücher in Aarhus nicht im Vordergrund stehen) recht suggestiv: „Müsste nicht die Bibliothek der Zukunft ein Ort sein, der sich selbstbewusst von anderen unterscheidet, der darauf vertraut, dass die unmittelbare Begegnung mit dem gedruckten Buch (nicht nur, aber besonders) für Kinder gerade dadurch wieder ein Erlebnis wird, weil sonst schon so viel hinter dem allgegenwärtigen Display passiert?“

 Vielleicht muss es aber auch überhaupt kein „entweder oder“ sein, sondern die sozialen, interaktiven und kommunikativen Funktionen der „neuen“ Bibliothek lassen sich mit dem klassischen „Markenkern“ verbinden? Eine spannende, internationale Auseinandersetzung, die uns sicher noch die nächsten Jahre intensiv begleiten wird und die die Fachwelt auch nicht notwendigerweise entzweien muss: Denn um die Erhaltung der Bibliothek als wichtiger Institution geht es beiden Seiten.

Link: http://www.nytimes.com/2015/10/24/opinion/reinventing-the-library.html?_r=0

Beitrag von Andreas Mittrowann

Internships in French libraries

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
gern geben wir die folgende Information unserer französischen Kollegen an Sie weiter:

„The Bpi (Bibliothèque publique d’information / Public information Library) and the French ministry of Culture offer internships at the Bpi or in French public libraries …. To apply for these internships „Profession Culture“ you need to read and speak French…

Les stages « Profession Culture », organisés par la Bibliothèque Publique d’Information (Bpi) sous l’égide du Ministère français de la Culture et de la Communication s’adressent à des bibliothécaires étrangers exerçant des responsabilités dans les bibliothèques publiques de leur pays d’origine.

Ils offrent la possibilité d’une formation pratique à travers un stage de 6 à 8 semaines, sur un thème proposé par le candidat et validé par la Bpi. Les stages ont lieu à la Bpi ou dans une bibliothèque publique française.

Ils ont pour but de former des professionnels étrangers mais se veulent aussi le point de départ de coopérations durables entre la Bpi ou les bibliothèques territoriales d’accueil et la bibliothèque d’origine du stagiaire.

Conditions et modalités

  • Les candidats doivent présenter un projet solide fondé sur l’échange de connaissances et de savoir-faire.
  • Les candidats doivent écrire et parler le français.
  • Le voyage est à la charge du candidat ou de son établissement d’origine. Il peut faire l’objet d’une demande auprès des services de coopération et d’action culturelle des ambassades de France.
  • L’hébergement et les transports en France sont financés par la Bpi.
  • Une bourse calculée sur la base de 1000€ par mois (soit le plus souvent 1500€ pour 6 semaines)
  • La couverture sociale (maladie, responsabilité civile, rapatriement) est prise en charge par la Bpi.

Pour postuler :

A message from:
Annie Dourlent
Déléguée à la coopération nationale et internationale – Head of national
and international cooperation Department

Die Eroberung des Raums: drei internationale Beispiele zur Innengestaltung von Bibliotheken

Trotz der weltweit fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft erhalten Bibliotheken als physische, nicht-kommerzielle Orte eine steigende Bedeutung. Was bewegt Bibliotheken und internationale Architekturbüros bei der Einrichtung und beim Design? Drei subjektiv ausgewählte, aktuelle Quellen zeigen Trends und Entwicklungslinien an:

  1. Die Online-Ausgabe von American Libraries zeigt mit dem Schwerpunkt „2015 Library Design Showcase“ neue Einrichtungen aus den USA. Neben sehr klassisch orientierten Beispielen aus wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken („Regale, Stühle, Tische“) wird bei der Sawyer Library des Williams College ein Akzent auf die Aufenthaltsqualität deutlich. Der Anbau eines historischen Gebäudeteils zeichnet sich durch luftige Strukturierung und dynamische Formen aus, in der Kombination mit hellem Holz und grünen Akzenten bei Teppichboden und Polstermöbeln wird hier die Aussage getroffen: „Lernen, Entspannen, anregen lassen“. Das Mitchell Park Library and Community Center zeigt durch leuchtend-blaue, großzügige Sofaflächen und entsprechende Teppiche seinen Anspruch als „öffentliches Wohnzimmer“. Die Main Library im Monroe County hingegen steht in der Fotoauswahl für den Trend hin zur kreativen Bibliothek: Ein digitales Tonstudio lädt zum Musizieren ein und bietet dabei gleichzeitig eine Teilantwort auf die Frage nach der Zukunft der Musikabteilung in Bibliotheken.
    Link: http://americanlibrariesmagazine.org/2015/09/01/2015-library-design-showcase/
  1. Das Feature „10 beautiful Canadian libraries“ in der Septemberausgabe des Canadian Geographic stellt den Aspekt der „neuen Bibliothekskathedralen“ in den Vordergrund. Vielerorts werden Bibliotheksneubauten heute für ein architektonisches Statement genutzt. Zur „ewigen Liste“ zählt hier schon länger die Vancouver Public Library mit ihrer Schneckenform und der großen Glaspassage, die auch gern schon mal für Hollywoodfilme genutzt wird. Besonders augenfällig ist die Halifax Central Library, die mit ihren gegeneinander verschobenen Stockwerk-Riegeln ein urbanes Statement setzt und durch innenlaufende Galerien sowie zeitgemäße Möblierung einen Wohlfühlcharakter vermittelt. Welche Wirkung auf die Stadtgesellschaft das lobenswerte, kommunale Engagement für diese neue Bibliothek erzeugt hat, zeigt dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=dg2qE5aebMo. Ein hervorragendes Beispiel für innovative Zweigstellenarchitektur bildet die Edmonton Public Library Jasper Place Branch.
  1. Eine „bibliotheksarchitektonische Disruption“ zeigt die Website „Weanthecolor“ mit der Einrichtungsrealisierung der Conarte Library im mexikanischen Monterrey durch die Designagentur Anagrama. Mission der Bibliothek: „The Conarte Library is known as the council for culture and art in the city of Monterrey, Mexico. The library stimulates artistic expression. In addition they support the preservation and enrichment of culture.“ Hier wurden die klassischen Regale gebogen und bis zur Decke hin über einer breiten Treppe in eine domartige Dachstruktur gebracht, die gleichzeitig schützend wirkt und dabei auch Bücher aufnimmt. Kontrastiert wird dies durch klare, weiße Präsentationsregale an den Wänden in einem anderen Gebäudeteil sowie rechteckige, langgezogene Regale im freien Raum. Link: http://weandthecolor.com/conarte-library-interior-design-concept-by-anagrama/58864

Alle genannten Beispiele zeigen, dass zeitgemäße Bibliotheksarchitektur sowie Innenraumgestaltung lebendig, dynamisch und durchaus anspruchsvolle Aufgaben sein können, die dann am erfolgreichsten gelöst werden, wenn sie aus einer engen Zusammenarbeit von Bibliothekaren und Architekten hervorgehen. Die Bürger sind jederzeit bereit, solche Ergebnisse mit einer hohen Besuchsfrequenz zu belohnen.

Beitrag von Andreas Mittrowann