Bibliothekszukunft gestalten: Praxisbeispiel aus Cedar Rapids

Auf welche Bedarfe müssen Bibliotheken künftig reagieren? Wie können Ressourcen wirksam eingesetzt werden? Einer der „Königswege“, um diese Fragen zu beantworten, ist immer noch das direkte Gespräch mit den Bibliothekskunden in Form von sogenannten „Fokusgruppen“. Diesen Weg beschritt nun auch die y Cedar Rapids Public Libray im Bundesstaat Iowa in den USA. Die Stadt mit rund 130.000 Einwohnern gehört zu 23 Orten in den USA, die einen intensiven Dialog mit ihren Nutzern zur Zukunftssicherung begonnen haben.

Die Situation vor Ort ist nicht untypisch für eine Bibliothek in einem westlichen, demokratischen Land: Aufgrund eines gescheiterten Wählervotums im vergangenen Jahr (in den USA werden lokale Budgeterhöhungen für Bibliotheken häufig über eine Bürgerabstimmung zur Erhöhung bspw. der Grundsteuer entschieden) stand die Bibliothek vor Budgetkürzungen und einer Reduktion der Öffnungszeiten. Wie damit umgehen? Offensichtlich passen die Angebote und das Programm nicht mehr so gut wie früher zum Bedarf der Bürger.

Als Antwort darauf führte die Bibliothek in Abstimmung mit den kommunalen Entscheidern eine Interviewrunde vor Ort mit mehr als 40 Bürgern durch, in denen Fragen wie „Was sind die wichtigen Schritte, um die Bibliothek erfolgreich zu machen“ oder „Welche Faktoren machen die Kommune lebenswert?“ eine Rolle spielten. Kernfrage der Gruppeninterviews: Warum ist die Bibliothek für mich persönlich wichtig? „Ich wünsche mir, dass die Bibliothek mehr nach Außen geht, um sich bei den Menschen bekannt zu machen und für ihren Service zu werben“, so bspw. Hassan Selin. „Ich denke, ein Teil des Problems ist die Tatsache, dass einfach zu wenig Menschen die Bibliothek kennen und wissen, wie großartig sie ist“, führt er weiter aus.

Dara Schmidt, die Leiterin der Bibliothek: „In Zeiten mit begrenzten Ressourcen müssen wir schwierige Entscheidungen darüber fällen, was wichtig ist“. Sie drückt darüber hinaus ihre Überzeugung aus, dass der Prozess der Bürgerbeteiligung zu neuen Partnerschaften, einer verbesserten Effizienz und eine großartigen Vision der Bibliothek als kommunaler Ressource führen wird.

Das „Library Board of Trustees“ wird die aus den Fokusinterviews gewonnenen Informationen für ein Treffen zur strategischen Zukunftsplanung nutzen. Ein Video auf der Webseite unter dem angegebenen Link illustriert den Bericht und zeigt Ausschnitte aus den Gruppenarbeiten.

http://www.kcrg.com/content/news/Library-uses-community-input-to-shape-future-361356241.html

Eine Hilfestellung zur Durchführung von Fokusgruppen findet sich unter dem folgenden Link ab Seite 69 ff.

http://www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de/Bildungspartner/1.-Ebene-Material/Lesekompetenz/kooperation_macht_staerker.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann
Übersetzungen vom Autor

San Francisco und Omaha: Entdecke Deinen inneren Ingenieur

Die Stadtbibliothek im kalifornischen San Francisco liefert bei ihrem aktuellen Veranstaltungsprogramm mit der Überschrift „Entdecke Deinen inneren Ingenieur“ ein gutes Beispiel für den Wandel bei bibliothekarischen Programmangeboten. Unter dem Titel „Rock the Bike and Magna-tiles“ wird mit einem E-Bike Strom erzeugt, der dann für die Erzeugung gesunder „Smoothies“ genutzt wird. Anschließend gibt es Spaß am Bauen mit den dreidimensionalen Puzzle-Magneten „Magna Tiles“. Bei der Freude am Konstruieren darf der ewige Spielzeug-Klassiker „Lego“ natürlich nicht fehlen – hier in Gestalt des LEGO WeDO Programms, mit dem bspw. nicht nur gebaut wird, sondern anschließend die Fahrweise der kleinen motorisierten Fahrzeuge auch noch programmiert werden kann.

Den Trend zum „Lernen durch Machen“ unterstreicht eindrucksvoll der neue „Do Space“ in Omaha und zeigt, dass es sich dabei um keinen regional beschränkten Trend in den USA handelt. Der Do Space beschreibt sich selbst auf diese Weise: „Do Space is a one-of-a-kind concept: it’s a community technology library, a digital workshop and an innovation playground filled with new opportunities to learn, grow, explore and create. Our every action, from working with the Omaha community to setting a new technology education standard, is based on four core principles:

  • We’re a technology equalizer, giving people from all walks of life access to software, computing and emerging technology.
  • We’re a technology enabler, empowering everyone with the tools and guidance needed to learn, create, explore and invent with technology.
  • We’re a technology educator, creating a new path for technology literacy and understanding its potential while providing opportunities for advanced learning.
  • We’re a technology innovator, changing the shape of technology education and actively playing a role in technology advancement and creation.“

Weitere Informationen zu den genannten Initativen finden sich hier:
http://sfpl.org/index.php?pg=1021488401
http://www.dospace.org/

Übrigens: Programmarbeit für junge Ingenieure kann man auch in kleinen Bibliotheken realisieren, siehe http://www.techsoupforlibraries.org/blog/of-makerspaces-and-media-labs-tales-from-two-small-libraries

 

 

 

 

Alberto Manguel: Die Bibliothek neu erfinden

Der kanadische Schriftsteller Alberto Manguel ist unter anderem bekannt durch seine Werke „Eine Geschichte des Lesens“ und „Die Bibliothek bei Nacht“. Jetzt hat er sich in einem bemerkenswerten Artikel in der New York Times zum Thema „Reinventing the Library“ geäußert. Darin betont er zunächst die Bedeutsamkeit schriftlicher Werke und ihrer Aufbewahrung für die Kultur der Zivilisationen, bei denen früher die Hauptgefahr in Feuer, Wasser oder der Bürokratie bestand.

Heute jedoch bestünde die größte Bedrohung in einem „falsch verstandenen“ Wandel: „Librarians today are forced to take on a variety of functions that their society is too miserly or contemptuous to fulfill, and the use of their scant resources to meet those essential social obligations diminishes their funds for buying new books and other materials.“ Bibliotheken seien weder Obdachlosenheime, eine Spaßveranstaltung noch ein Anbieter für soziale oder medizinische Dienste, auch wenn dies in einigen Bibliotheken längst so sei.

Manguel verurteilt zwar nicht die „neuen Dienstleistungen“ von Bibliotheken und nennt sie gut und nützlich, allerdings macht er auch deutlich: „If we change the role of libraries and librarians without preserving the centrality of the book, we risk losing something irretrievable.“ Damit befindet sich Manguel mitten in einer höchst aktuellen Diskussion: Liegt die Zukunft der Bibliotheken in interaktiven Angeboten, ihrer Rolle als Ort der Begegnung und der Kommunikation oder in ihrem „Markenkern“, den Büchern und den Medien? Ein sehr schönes Beispiel für diese Diskussion bietet auch der jüngst veröffentlichtes Artikel über die neue Bibliothek in Aarhus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Titel „Und wo sind hier die Bücher“? Der Journalist Simon Strauss fragt darin (vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Bücher in Aarhus nicht im Vordergrund stehen) recht suggestiv: „Müsste nicht die Bibliothek der Zukunft ein Ort sein, der sich selbstbewusst von anderen unterscheidet, der darauf vertraut, dass die unmittelbare Begegnung mit dem gedruckten Buch (nicht nur, aber besonders) für Kinder gerade dadurch wieder ein Erlebnis wird, weil sonst schon so viel hinter dem allgegenwärtigen Display passiert?“

 Vielleicht muss es aber auch überhaupt kein „entweder oder“ sein, sondern die sozialen, interaktiven und kommunikativen Funktionen der „neuen“ Bibliothek lassen sich mit dem klassischen „Markenkern“ verbinden? Eine spannende, internationale Auseinandersetzung, die uns sicher noch die nächsten Jahre intensiv begleiten wird und die die Fachwelt auch nicht notwendigerweise entzweien muss: Denn um die Erhaltung der Bibliothek als wichtiger Institution geht es beiden Seiten.

Link: http://www.nytimes.com/2015/10/24/opinion/reinventing-the-library.html?_r=0

Beitrag von Andreas Mittrowann

Internships in French libraries

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
gern geben wir die folgende Information unserer französischen Kollegen an Sie weiter:

“The Bpi (Bibliothèque publique d’information / Public information Library) and the French ministry of Culture offer internships at the Bpi or in French public libraries …. To apply for these internships “Profession Culture” you need to read and speak French…

Les stages « Profession Culture », organisés par la Bibliothèque Publique d’Information (Bpi) sous l’égide du Ministère français de la Culture et de la Communication s’adressent à des bibliothécaires étrangers exerçant des responsabilités dans les bibliothèques publiques de leur pays d’origine.

Ils offrent la possibilité d’une formation pratique à travers un stage de 6 à 8 semaines, sur un thème proposé par le candidat et validé par la Bpi. Les stages ont lieu à la Bpi ou dans une bibliothèque publique française.

Ils ont pour but de former des professionnels étrangers mais se veulent aussi le point de départ de coopérations durables entre la Bpi ou les bibliothèques territoriales d’accueil et la bibliothèque d’origine du stagiaire.

Conditions et modalités

  • Les candidats doivent présenter un projet solide fondé sur l’échange de connaissances et de savoir-faire.
  • Les candidats doivent écrire et parler le français.
  • Le voyage est à la charge du candidat ou de son établissement d’origine. Il peut faire l’objet d’une demande auprès des services de coopération et d’action culturelle des ambassades de France.
  • L’hébergement et les transports en France sont financés par la Bpi.
  • Une bourse calculée sur la base de 1000€ par mois (soit le plus souvent 1500€ pour 6 semaines)
  • La couverture sociale (maladie, responsabilité civile, rapatriement) est prise en charge par la Bpi.

Pour postuler :

A message from:
Annie Dourlent
Déléguée à la coopération nationale et internationale – Head of national
and international cooperation Department

Die Eroberung des Raums: drei internationale Beispiele zur Innengestaltung von Bibliotheken

Trotz der weltweit fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft erhalten Bibliotheken als physische, nicht-kommerzielle Orte eine steigende Bedeutung. Was bewegt Bibliotheken und internationale Architekturbüros bei der Einrichtung und beim Design? Drei subjektiv ausgewählte, aktuelle Quellen zeigen Trends und Entwicklungslinien an:

  1. Die Online-Ausgabe von American Libraries zeigt mit dem Schwerpunkt „2015 Library Design Showcase“ neue Einrichtungen aus den USA. Neben sehr klassisch orientierten Beispielen aus wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken („Regale, Stühle, Tische“) wird bei der Sawyer Library des Williams College ein Akzent auf die Aufenthaltsqualität deutlich. Der Anbau eines historischen Gebäudeteils zeichnet sich durch luftige Strukturierung und dynamische Formen aus, in der Kombination mit hellem Holz und grünen Akzenten bei Teppichboden und Polstermöbeln wird hier die Aussage getroffen: „Lernen, Entspannen, anregen lassen“. Das Mitchell Park Library and Community Center zeigt durch leuchtend-blaue, großzügige Sofaflächen und entsprechende Teppiche seinen Anspruch als „öffentliches Wohnzimmer“. Die Main Library im Monroe County hingegen steht in der Fotoauswahl für den Trend hin zur kreativen Bibliothek: Ein digitales Tonstudio lädt zum Musizieren ein und bietet dabei gleichzeitig eine Teilantwort auf die Frage nach der Zukunft der Musikabteilung in Bibliotheken.
    Link: http://americanlibrariesmagazine.org/2015/09/01/2015-library-design-showcase/
  1. Das Feature „10 beautiful Canadian libraries“ in der Septemberausgabe des Canadian Geographic stellt den Aspekt der „neuen Bibliothekskathedralen“ in den Vordergrund. Vielerorts werden Bibliotheksneubauten heute für ein architektonisches Statement genutzt. Zur „ewigen Liste“ zählt hier schon länger die Vancouver Public Library mit ihrer Schneckenform und der großen Glaspassage, die auch gern schon mal für Hollywoodfilme genutzt wird. Besonders augenfällig ist die Halifax Central Library, die mit ihren gegeneinander verschobenen Stockwerk-Riegeln ein urbanes Statement setzt und durch innenlaufende Galerien sowie zeitgemäße Möblierung einen Wohlfühlcharakter vermittelt. Welche Wirkung auf die Stadtgesellschaft das lobenswerte, kommunale Engagement für diese neue Bibliothek erzeugt hat, zeigt dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=dg2qE5aebMo. Ein hervorragendes Beispiel für innovative Zweigstellenarchitektur bildet die Edmonton Public Library Jasper Place Branch.
  1. Eine „bibliotheksarchitektonische Disruption“ zeigt die Website „Weanthecolor“ mit der Einrichtungsrealisierung der Conarte Library im mexikanischen Monterrey durch die Designagentur Anagrama. Mission der Bibliothek: „The Conarte Library is known as the council for culture and art in the city of Monterrey, Mexico. The library stimulates artistic expression. In addition they support the preservation and enrichment of culture.“ Hier wurden die klassischen Regale gebogen und bis zur Decke hin über einer breiten Treppe in eine domartige Dachstruktur gebracht, die gleichzeitig schützend wirkt und dabei auch Bücher aufnimmt. Kontrastiert wird dies durch klare, weiße Präsentationsregale an den Wänden in einem anderen Gebäudeteil sowie rechteckige, langgezogene Regale im freien Raum. Link: http://weandthecolor.com/conarte-library-interior-design-concept-by-anagrama/58864

Alle genannten Beispiele zeigen, dass zeitgemäße Bibliotheksarchitektur sowie Innenraumgestaltung lebendig, dynamisch und durchaus anspruchsvolle Aufgaben sein können, die dann am erfolgreichsten gelöst werden, wenn sie aus einer engen Zusammenarbeit von Bibliothekaren und Architekten hervorgehen. Die Bürger sind jederzeit bereit, solche Ergebnisse mit einer hohen Besuchsfrequenz zu belohnen.

Beitrag von Andreas Mittrowann

Schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres ausgezeichnet

Die Dänische Agentur für Kultur und die Softwarefirma Sytematic haben in Kooperation mit dem Weltverband der Bibliotheken IFLA die schwedische Kista Public Library als internationale Bibliothek des Jahres auf der IFLA-Jahrestagung im südafrikanischen Kapstadt ausgezeichnet.

“Schweden hat die beste öffentliche Bibliothek, wenn es nach Architektur, Innenraumgestaltung, der Nutzung digitaler Technologie sowie der lokalen Bürgerbeteiligung geht”, so die Jury. Insgesamt waren fünf Bibliotheken aus Spanien, Kenia, Australien, Neuseeland und Schweden nominiert.

Morten Lautrup-Larsen, der stellvertretende Direktor der Dänischen Agentur für Kultur ist sehr zufrieden mit der Schaffung des neuen Preises, mit dem Dänemark die Verbreitung fundamentaler demokratischer Werte durch Bibliotheken fördern will. In diesem Jahr wird der Preis in Zusammenarbeit mit der Public Library Section der IFLA verliehen und ist mit 5000 US-Dollar dotiert.

Link: http://modelprogrammer.kulturstyrelsen.dk/det-sker/public-library-of-the-year-award-2015/#.VdCw25eHqf-

Ein paar schöne Fotoimpressionen finden sich hier: https://www.flickr.com/photos/stockholms_stadsbibliotek/albums/72157646602157123

Danke an die Kollegen von www.bib-info.de für den Hinweis!

Beitrag von Andreas Mittrowann

Eine nationale Strategie für Schottlands Öffentliche Bibliotheken

Am 2. Juni wurde das Dokument „Ambition and Opportunity: A Strategy for Public Libraries in Scotland 2015-2020“ vom Scottish Library & Information Council mit Unterstützung des Carnegie UK Trust veröffentlicht. Das 48seitige Paper legt seinen Fokus zunächst auf die Ausgangslage: Öffentliche Bibliotheken sind in Schottland gut genutzte und angesehene Institutionen – 61 Prozent der Schotten nutzen sie regelmäßig. Bibliotheken müssen sich aber über ein „Lagerhaus für Bücher“ hinaus entwickeln. Das reicht von der Anpassung der Öffnungszeiten über die Einbindung digitaler Medien und der entsprechenden Geräte bis hin zur gesellschaftlichen Dimension (bspw. Familien und Inklusion) sowie der Aufenthaltsqualität.

Als Vision wird nun neu definiert: „Schottlands Öffentliche Bibliotheken sind zuverlässige Führer, die alle Bürger mit den Möglichkeiten und Chancen dieser Welt verbinden“. Dem zur Seite wird eine klare Mission gestellt: „Schottlands Öffentliche Bibliotheken sind Teil eines gemeinsamen bürgergesellschaftlichen Strebens, das Potenzial Einzelner und der Gemeinschaft zu entfalten“. Damit es nicht bei allgemeinen Absichtserklärungen bleibt, werden in Strategieprozessen im nächsten Schritt üblicherweise strategische und operative Ziele sowie Handlungsfelder und dazu passende Schritte formuliert. So auch hier: Die schottische Strategie leitet aus Vision und Mission sechs strategische Ziele bzw Felder ab:

  1. Lesen, Lesefähigkeit und Lernen
  2. Digitale Inklusion
  3. Wirtschaftliches Wohlergehen
  4. Soziales Wohlergehen
  5. Kultur und Kreativität
  6. Exzellente öffentliche Services

In der Folge wird daraus eine Vielzahl konkreter Handlungsempfehlungen entwickelt, so unter anderem „Ensure access to library services for all citizens using new technology“, „Test and replicate provision of co-working spaces for small businesses“, „Pilot a collaborative venture to provide access to eBooks from Scottish publishers“ oder „Develop and implement a learning and development programme for all library staff“.

Insgesamt ein lesenswerter, inspirierender und zeitgemäßer Rahmen für eine nationale Bibliotheksstrategie!

Direkter Link zum Paper: http://scottishlibraries.org/wp-content/uploads/2015/01/Strategy.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

 

 

Österreichischer Bibliothekartag: PreConference zum Thema Bibliotheksbau

Am Dienstag, den 15. September 2015 findet im Vorfeld des Österreichischen Bibliothekskongresses eine Vorkonferenz mit dem Titel “Die Bibliothek als Marke. Bibliotheksbau im 21. Jahrhundert” statt. Die Veranstaltung ist in die Blöcke

  • “Bibliotheksbau als Marketingstrategie”,
  • “Bibliotheksbau als Chance” und
  • “Aktuelle Entwicklungen im Bibliotheksbau”

gegliedert. Referenten sind u.a. Nikolaus Berger vom Library and Learning Center WU Wien, Olaf Eigenbrodt von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Patrick Lüth  vom Architekturbüro Snøhetta (Oslo), Werner Schlacher,  Universitätsbibliothek Graz
sowie Dr. Klaus Ulrich Werner von der FU Berlin.

Weitere Informationen:
https://bibliothekartag2015.univie.ac.at/preconference/detailprogramm/

Beitrag von Andreas Mittrowann

Neuer Report „Future Libraries“ erschienen

Das weltweit tätige Ingenieurbüro ARUP hat einen wegweisenden Bericht zur Zukunft der Bibliotheken veröffentlicht. Die Grundlage des Dokuments bildet eine Serie von Workshops zu verschiedenen inhaltlichen Facetten: Während eine Teilnehmergruppe in Sydney den Fokus auf die Rolle und Funktion von Bibliotheken gelegt hat, ging es in San Francisco eher um Fragen des Designs und um das Bibliotheksgebäude. Weitere Veranstaltungen fanden in Melbourne und London statt, wo ARUP auch seinen Hauptsitz hat. Die Teilnehmer der Workshops stammten aus unterschiedlichen beruflichen und gesellschaftlichen Feldern – natürlich auch aus dem Bibliotheksbereich, unter anderem vertreten durch Diana Richards von der Australian Library & Information Association, Vicky McDonald von der State Library New South Wales, Mark Taylor vom britischen Bibliotheksverband CILIP und Jennifer Burrell von der australischen Blacktown Public Library.

Die Verfasser machen zu Beginn deutlich, dass die Unterschiede bei der internationalen Entwicklung von Bibliotheken fundamental sind. Während in Südkorea von 2009 bis 2013 493 Mio. US-Dollar für neue Bibliotheken investiert wurden, stehen viele andere Häuser vor der Herausforderung, mit weniger Mitteln mehr Aufgaben bewältigen zu müssen. Die Stichworte sind hier „digitale Umwälzungen” und „gesellschaftliche Veränderungen”. Der Report arbeitet mir vier großen Themenfeldern, die gemeinsam ein „Ecosystem for Future Libraries“ beschreiben sollen:

  1. Participatory Knowledge Preservation
  2. Enabling Collaboration and Decision-making
  3. Hubs for Community Wellbeing
  4. Seamless Learning Experiences

Anhand von fiktiven Fallbeispielen werden die Felder anschließend mit Leben gefüllt: Wir lernen die australische Schauspielerin Caitlin kennen, die im Ruhestand lebt und einen Beitrag für die Erhaltung von Filmmaterial leisten möchte. Sie unterstützt die Filmbibliothek bei der Digitalisierung von Material (Participatory Knowledge Preservation). Die 27-jährige Architektin Susan hat den Auftrag, eine „Grüne Mauer“ für Singapur zu projektieren und wird vom Bibliotheksteam mit einer Liste der dafür 20 passenden Pflanzenarten sowie vom Roboter mit möglichen Materialien für den Bau beliefert – die Bibliotheksdrone räumt dann abends den gemeinsamen Arbeitsbereich auf, den Susans Team in der Bibliothek für die Ideenentwicklung genutzt hat … (Enabling Collaboration and Decision-making).

Der Bibliothekar Loh Ki aus Taipei wird demnächst mit seiner Bibliothek umziehen und möchte ganz sicher gehen, dass der neue Ort den Erwartungen der künftigen Kunden entspricht. Der Report beschreibt einen Kunden-Workshop und die positiven Folgen (Hubs for Community Wellbeing). Schließlich lernen wir auch den Finnen Pete kennen, der sich aufgrund seiner Lebenssituation eine berufliche Auszeit nimmt und mit Unterstützung der Bibliothek Programmieren lernt – von der Nutzung der entsprechenden Lernressourcen und einer digitalen Community bis hin zu einer abendlichen Lernrunde  gemeinsam mit anderen Kursteilnehmern in der lokalen Bibliothek (Seamless Learning Experiences).

Fazit der Autoren: „The role of libraries will significantly change in the coming years, driven by demographic changes, rising urban migration and technological advances. In the future, libraries will serve more culturally diverse and physically dense communities under the pressure of limited resources. Integrating a wider range of public and commercial services in their offering will help libraries remain vital and relevant to their communities, especially in more isolated contexts. Physical interaction will remain a key demand of users, despite the opportunity for ubiquitous and constant information access offered by technology.“

Fazit des Verfassers dieses Blogbeitrags: Sehr lesenswert!

Link: http://publications.arup.com/Publications/F/Future_Libraries.aspx

Beitrag von Andreas Mittrowann

British Library: Bibliotheken können das Internet überdauern

Roy Keating, der Direktor der British Library, äußerte in einem Interview mit dem britischen „Telegraph“ sein Erstaunen darüber, wie viele „smarte Menschen“ immer noch hinterfragen, ob Bibliotheken im digitalen Zeitalter Bestand haben werden. Bibliotheken zu bewahren sei mit zahllosen Werten verbunden, die es zu verteidigen gälte. Dazu zählte insbesondere Vertrauen, denn Bibliotheken könnten beweisen, dass sie über das mächtigste und belastbarste Netzwerk überhaupt verfügten. Diese Werte seien dem Internet vorausgegangen und würden es – so Keating – „wenn wir es richtig machen, auch überdauern“.

Keating sprach auf dem „Hay Festival“, um über die Pläne seines Teams in den kommenden Jahren zu sprechen und unterstrich dabei die vitale Bedeutung von Bibliotheken in den Kommunen sowie ihre steigende Bedeutung für wahrheitsgetreue Informationen im digitalen Zeitalter.

„Wenn wir über Bibliotheken sprechen, dann wird mir von ihren alten und traditionellen Werten berichtet. Einige denken nun, diese werden von neuen Werten wie mehr Offenheit, Vernetzung und Virtualität ersetzt. Unsere leidenschaftliche Überzeugung in der British Library ist es jedoch, an beides zu glauben. Und dies ist der großartige Reichtum der Bibliotheken und was sie künftig sein können“, so Keating. Er führte weiter aus, dass Bibliotheken im Zeitalter des Internet für Freiheit, Schutz der Privatsphäre sowie Schutz der Suche und des Ausdrucks, für Sicherheit und bei Bedarf auch für Zurückgezogenheit stünden. Wichtig seien insbesondere auch Angebote in Kommunen mit einem hohen Anteil von Armut.

http://www.telegraph.co.uk/culture/hay-festival/11627276/Libraries-could-outlast-the-internet-head-of-British-Library-says.html

Beitrag und Übersetzung der Zitate von Andreas Mittrowann