Großbritannien: Eine Bibliotheksstrategie für Bristol

Bristol ist mit rund 567.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Englands und liegt im Südwesten der britischen Insel. Ursprünglich stand dem Bibliothekssystem ein schwerer Schlag bevor mit geplanten 1,4 Mio. BP Kürzungen und der voraussichtlichen Schließung von 17 der 27 Filialen. Doch nun hat Bürgermeister Martin Rees sich stattdessen für eine proaktive, zukunftsorientierte Strategie entschieden: Für eine Summe von 350.000 BP soll das System einen neuen Strategieplan erhalten. Dieser soll innerhalb von sechs Monaten und unter Beteiligung der Bürgerschaft entstehen. Als Optionen stehen unter anderem „Bürgerschaflich geführte Lösungen“ (die Umwandlung bestehender Bibliothek in nebenamtlich geführte?) und „nachhaltige Gebäudenutzung“ (kombiniert genutzte Gebäude?) im Raum.

In einem Report mit weiteren Informationen heißt es u.a.: „Die Strategie wird eine Vision für die Services enthalten, Erläuterungen zur Gestaltung zukünftiger Leistungen sowie einen Entwicklungsplan, der zu einem nachhalting und stärker bürgerschaftsorientiertem Service führen soll. Bibliotheken sind bereits ein natürlicher Knotenpunkt der Kommune, der Menschen und Interessengruppen zusammenführt in einem freien und freundlich gestalteten Raum. Wir werden untersuchen, inwieweit die aktuellen Räumlichkeiten und die aktuellen Bibliotheksleistungen ergänzt werden können.“

Es erscheint folgerichtig und konsequent, ein bereits bestehendes Bibliothekssystem neu aufzustellen, um Bildungerfolge für alle Bürger*innen zu ermöglichen. Dass dies sehr häufig auch in Großbritannien von Erfolg gekrönt ist, zeigt unter anderem dieser Bericht aus dem vergangenen Jahr: https://www.artscouncil.org.uk/case-studies/new-and-refurbished-libraries-attract-increased-numbers-visitors

Link:
https://www.bristolpost.co.uk/news/bristol-news/bristol-central-library-location-considered-2041569.amp

Advertisements

Noch 100 Tage bis zur Eröffnung der „Oodi“ in Helsinki

Drei Jahre nach der Eröffnung des DOKK1 in Aarhus steht die nächste Einweihung eines europäischen und voraussichtlich spektakulären Bibliotheksneubaus bevor: „Oodi“ – die neue Zentralbibliothek in Helsinki – steht vor ihrem „Grand Opening“ im Dezember 2018. In der Selbstprofilierung auf der Website heißt es unter anderem: „Oodi is a venue for events, a house of reading and a diverse urban experience. Oodi will provide its users with knowledge, new skills and stories, and will be an easy place to access for learning, story immersion, work and relaxation. A modern library is a living and functional meeting place.“

Die Architektur ist gekennzeichnet durch ein „Drei-Ebenen-Modell“ auf rund 10.000 qm: Das Erdgeschoss widmet sich als „Aktiv-Level“ der ständigen Veränderung mit einer großräumigen Lobby und einem Bereich für Ausstellungen sowie Aktionen, den zentralen Bibliotheksservices sowie – selbstverständlich – einem Bibliothekscafé. Als Gegenmodell zu diesem dynmamischen Bereich ist das 3. Obergeschoss konzeptioniert: Ganz deutlich mit dem Etikett „Book Heaven“ versehen widmet sich diese Ebene als Leseoase dem Entspannen und der Beschäftigung mit Büchern. Die „Oodi“ soll über einen Bestand von rund 100.000 Büchern verfügen. Ein weiteres Cáfe und eine Terrasse runden das klassische Bibliothekserlebnis in diesem Bereich ab. Das 2. Stockwerk ist auf Aktivität ausgerichtet: Arbeiten, Lernen, Interaktion, Gaming, Meeting-Räume und ein „Urban Workshop“ bilden hier die Kernelemente des Angebotes. Das 1. Obergeschoss dient als Zwischengeschoss für diverse, andere Funktionen.

Besonders wichtig ist der Kontext, in dem Gebäude errichtet wird: Die Stadt Helsinki hat in ihrer Vision das Ziel definiert, global führend bei der Bereitstellung von Werkzeugen für eine offene und partizipative Demokratie zu sein. Dazu gehören auch das „Recht auf Wissen, das Recht auf Bildung und auf öffentlichen Raum unabhängig von Lebensalter, Geschlecht, Rasse oder sozialer Herkunft“, so Helsinkis Bürgermeister Jan Vapaavuori anlässlich einer Präsentation der Bibliothek im Rahmen der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Bürgerbeteiligung bei der Konzeption der Oodi eine besondere Rolle gespielt hat, wie hier nachzulesen ist: http://bid.ub.edu/pdf/38/en/haavisto.pdf.

Die Oodi wird allerdings nicht die eigentliche Pasila-Zentralbibliothek ersetzen, diese wird als administratives Zentrum der Bibliothekssystems in Helsinki erhalten bleiben.

Links:

https://youtu.be/m9QvrZ4hRRA

http://www.oodihelsinki.fi/en/

https://www.hel.fi/uutiset/en/kaupunginkanslia/oodi-will-open-in-december

Beitrag von Andreas Mittrowann

Danke für den Hinweis von HBest im Beitrag https://biistories.wordpress.com/2018/08/26/library4all-inklusion-als-menschenrecht!

„The Guardian“: Überfliegendes, digitales Lesen ändert die Gehirnstruktur

Die Forscherin und Autorin Maryanne Wolf beschäftigt sich in einem Artikel vom 25. August in der Online-Ausgabe des „Guardian“ mit dem „überfliegenden Lesen“ (Englisch: Skim reading) in der digitalen Welt. Jede/r von uns kennt das aus dem ICE-Großraum oder Flugzeug: Smartphones, iPads, Notebooks oder E-Reader bilden heute den Schwerpunkt bei den Arbeits- und Freizeitgeräten. Mit den veränderten Werkzeugen einher geht auch ein verändertes Leseverhalten, so Wolf: Texte werden nurmehr zusammenfassend überflogen oder sind durch ihr Format (Tweets, Facebook-Texte) sowieso leichter konsumierbar als längere, anspruchsvolle Inhalte. Der oberflächlichen Aufnahme folgen auf Dauer auch die Gehirnstruktur und das vor 6000 Jahren ausgebildete intellektuelle Aufnahmevermögen, so Wolf weiter. Diese „deep reading“ genannte Fähigkeit bildet aber die Grundlage für die Internalisierung von Wissen und kritische Analyse.

Ihre eigene Forschung sowie beispielsweise Untersuchungen von Mark Edmundson in Großbritannien und Anne Mangen in Norwegen würden zeigen, dass Studierende sowie Schüler immer schlechter in der Lage seien, längere und komplexe Texte aufzunehmen. So habe eine Kontrollgruppe von Lesenden auf einem Kindle schlechtere Erinnerungsfähigkeiten und ein schlechteres Textverständnis als die Print-Vergleichsgruppe. Die „neue Norm“ beim Lesen sei das „Skim reading“, bei dem lediglich sinntragene Bestandteile eines Texte entnommen werden.

Das Fazit der Autorin: Wir brauchen eine neue Form des „bi-literaten“ Gehirns, das sowohl in der digitalen wie der klassischen Form des Lesens in der Lage ist, Texte gründlich aufzunehmen – denn davon abhängig sei letztlich die Fähigkeit, gedanklich über das Gelesene hinauszugehen, sich in andere Standpunkte hineinzuversetzen und damit auch eine lebendige Demokratie zu sichern.

Frühere oder ähnliche Untersuchungen kommen übrigens zu ähnlichen Ergebnissen:
https://www.theguardian.com/books/2014/aug/19/readers-absorb-less-kindles-paper-study-plot-ereader-digitisation

https://www.businessinsider.de/students-learning-education-print-textbooks-screens-study-2017-10?r=US&IR=T

Link:
https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/aug/25/skim-reading-new-normal-maryanne-wolf

Beitrag von Andreas Mittrowann

New York Public Library ermöglicht Zugang zu 33 weiteren Kulturinstitutionen

Die New Yorker mit einem Bibliotheksausweis ihrer NY Public Library können sich glücklich schätzen, denn dieser ermöglicht jetzt den Zugang zu 33 weiteren Museen wie dem Whitney Museum, dem Guggenheim und anderen Kulturinstituten.

Die neuen Partner haben gemeinsam mit der NYPL die Aktion „Culture Pass“ gestartet – eine Initiative mit dem Ziel, Menschen ohne die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten die kulturelle Vielfalt New Yorks zu eröffnen. Auch die Kunden der Brooklyn Public Library und der Queens Library werden in der Lage sein, die gesamte neue Vielfalt zu nutzen.

Manche Menschen sind von Museen eingeschüchtert“, so Linda Johnson, Präsidentin der Brooklyn Public Library in einem telefonischen Interview. „Sie sollten nicht von den wundervollen, kulturellen Angeboten ausgeschlossen werden, die den Einwohnern New Yorks zur Verfügung stehen“. Auch Johannes Neuer, Director Customer Experience an der NYPL und kommender Bibliothekarischer Direktor der ekz.bibliotheksservice GmbH, hat das Projekt mit auf den Weg gebracht. Einige der beteiligten Institutionen ermöglichen sogar den Zugang von bis zu vier Personen mit einem Ausweis.

Die Initiative wird von mehreren Stiftungen und dem New York City Department of Cultural Affairs finanziell unterstützt.

https://www.nytimes.com/2018/07/16/arts/design/library-card-culture-pass-new-york-museums-free.html

Eine neue Strategie für Irlands Öffentliche Bibliotheken

Das irische Ministerium für Entwicklung im kommunalen und ländlichen Raum sowie das Entwicklungskomitee für Bibliotheken der Local Government Management Agency bereiten aktuell einen neuen Strategieplan für Irlands Öffentliche Bibliotheken für den Zeitraum 2018 bis 2022 vor.

Auch hier steht – ähnlich wie im US-amerikanischen Projekt „Libraries Transform“ – der Begriff der „Transformation“ im Vordergrund, denn auch in Irland wandeln sich Bibliotheken immer stärker von „Ausleihstationen“ hin zu Orten der Kommunikation, Begegnung und des Lernens und damit zu lebendigen Zentren jeder Stadt und Gemeinde. Entsprechend heißt es gleich zu Beginn des Dokumentes:

„The ambition of this five-year strategy is to transform libraries so that every community in Ireland has access to an attractive, vibrant, multi-functional library service. Libraries will be mainstream centres for information, learning, local culture and community“.

Konkret sind dabei unter anderem die Verdoppelung der Nutzer („active membership“) von 15 auf 30 Prozent der Bevölkerung, die Beseitigung von Zugangsbarrieren inklusive der Abschaffung von Ausweis- und Mahngebühren (!), die umfassende Wandlung der Gebäude hin zu attraktiven Orten, die deutliche Erhöhung der Etats sowie eine nationale und lokale Marketingkampagne geplant. Botschaft: Es lohnt sich für jede Kommune, in Bibliotheken zu investieren!

Zur Erreichung der Ziele sind drei große Strategieprogramme vorgesehen, nämlich „Lesen und Leseförderung“, „Lernen und Information“ sowie „Gemeinschaft und Kultur“. Fünf „Key Actions“ bilden dabei die Hebel, um die Strategieprogramme mit Leben zu füllen:

  • Infrastruktur und Servicebereitstellung
  • Entwicklung des Bibliotheksteams
  • Promotion und Marketing
  • Bestände
  • Finanzierung

Eine übersichtliche und einprägsame Grafik auf Seite 9 des Entwurfs zeigt die wesentlichen Bausteine des Projektes. Kritisch darf vielleicht angemerkt werden, dass Begriffe aus der aktuellen Diskussion um öffentliche Bibliotheken wie „Gamification“, „Makerspaces“ oder „Design Thinking“ keine Rolle spielen. Die Entwicklung innovativer, kundengerechter Angebote gemeinsam mit den Bürger*innen hätte vielleicht eine weitere „Key Action“ verdient. Schön ist es daher, dass im Strategieprogramm „Community and Culture“ das Ziel formuliert wird: „Support connected, informed communities and promote civic participation.“

Sollte das Programm wie geplant zum Tragen kommen, darf man Irland beglückwünschen zu einem großen Schritt mit den richtigen Prioritäten für Bibliotheken im 21. Jahrhundert.

Der als „vertraulich“ markierte Entwurf ist öffentlich einsehbar unter: http://bit.ly/2FOChzT

Beitrag von Andreas Mittrowann

Auch in Australien: Bibliotheksfiliale ohne Bücher

Nach der Eröffnung neuer, rein digitaler Zweigstellen in San Antonio und Omaha wird jetzt im australischen Port Philip eine bereits bestehende Bibliotheksfiliale im Stadtteil Middle Park im gleichen Sinne neu ausgerichtet. Die noch vorhandenen Bücher werden in eine andere Zweigstelle gebracht. Der neue Fokus in Middle Park lautet gemäß einem Ratsbeschluss „Kreatives und kollaboratives Lernumfeld“ und wird sich insbesondere an 18 bis 25jährige, junge Erwachsene richten. Bei Middle Park handelt es sich um die kleinste der sechs Zweigstellen in der Kommune mit rund 91.000 Einwohnern. Port Phillip gehört zur Metropole Melbourne, der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria.

Die Buchausleihe in Middle Park und die Zahl der Besucher waren seit dem Jahr 2006 um 50 Prozent gesunken. Eigentlich ist die Lage der kleinen Bibliothek recht günstig, denn im gleichen Gebäudekomplex befinden sich auch Eltern-Kind-Räume, ein Kindergarten sowie eine Spielgzeugbibliothek. Bürgermeisterin Bernadene Voss zur neuen Ausrichtung: „Der Hauptfokus einer transformierten Middle Park Bibliothek ist es, den Nutzern mehr Zugang zu digitalen Ressourcen, Multimedia-Geräten und kreativen Softwarepaketen in einem neuen kollaborativen Arbeitsbereich zu ermöglichen“.

In Zeiten des Umbruchs formiert sich gegen Pläne wie den in Port Phillip auch Widerstand – so hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die gegen die neue Strategie kämpft: https://youtu.be/gdOxsx84nM8.

Link: http://www.heraldsun.com.au/news/special-features/news-in-education/the-library-with-no-books-as-port-phillip-council-votes-for-digital-space/news-story/c1a743920d2950add795164c5db1a193

Beitrag von Andreas Mittrowann

Mehr Raum, mehr Licht, mehr Interaktion: neue Bibliotheksfilialen in Boston und Philadelphia

Das Finanzierungssystem öffentlicher Bibliotheken in den USA unterscheidet sich grundlegend vom dem in Deutschland – durch Abstimmungen der Bürger*innen über eine entsprechende Erhöhung der Grundsteuer können insbesondere in Großstädten oft Renovierungsumfänge und -zyklen realisiert werden, die aus europäischer Sicht eher ungewöhnlich sind. Ende der 90er Jahre besuchte ich mit einem Team eine Reihe von Zweigstellen im King County im Staat Washington. Bei einer der Filialen hieß es dann bei der Ankunft „This is our oldest one“. „How old is it?“ fragten wir. „Already seven years old“, so die Antwort.

Typisch für die USA sind daher immer wieder großangelegte Renovierungsprojekte in diesem Bereich, so auch momentan in Boston und Phildadelphia. Aktuell wird beispielsweise die Dudley Branch der Boston Public Library für 14,7 Mio. US-Dollar renoviert. Eine  offene und transparente Innenraumgestaltung mit mehr Möglichkeiten für die menschliche Interaktion soll die brutalistische Archtektur der späten 70er Jahre ablösen. Kernelemente werden ein Ernährungslabor, ein Multifunktionsraum mit audiovisueller Technologie sowie eine afrikanisch-amerikanische Mediensammlung sein: https://www.bostonglobe.com/metro/2017/10/21/dudley-library-branch-kicks-off-million-renovation/4seOgwCuvDIHcTgGQhP96N/story.html

Eine ähnliche Ausrichtung mit einem noch deutlich größeren Umfang hat die Renovierung von vier Zweigstellen in Philadelphia. Hier wird die Notwendigkeit einer grundlegenden Neupositionierung des Bibliothekssystems besonders deutlich bei einem Blick auf die Besucherzahlen: Diese sind von 13,8 Millionen im Jahr 2014 auf knapp zehn Millionen im Jahr 2017 gesunken. Was tun? Neben Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit gehört es zu den grundlegenden Zielsetzungen der Renovierung, die Transformation von einer Ausleihstation hin zu einem Treffpunkt in der Kommune zu gestalten. Auch hat man sich bei der Innenraumgestaltung stark an Firmen wie Apple oder  der Optikerkette Warby Parker orientiert. Ergebnis: Die neuen Filialen sollen eher Raumerlebnisse bieten und als„Clubhäuser“ fungieren. Zu den konkreten Maßnahmen im Zuge der Umgestaltung gehörten:

  • Stringente Anwendung der Prinzipien des Universal Design (http://universaldesign.ie/What-is-Universal-Design);
  • Schaffung einer Wohnzimmeratmosphäre durch Sitzgruppen und -ecken mit Cafeteria-Tischen;
  • leuchtende Farben;
  • Mehr Studien- und Gruppenräume;
  • Deutliche Reduzierung der Bestände und Regale;
  • Verlegung der Eingänge und Einsatz von mehr Fenstern und Glaselementen;
  • Einführung von Selbstverbuchung und Abschaffung der Ausleihtheken;
  • Verstärkung der Programmaktivitäten, bspw. Filmnächte, Gaming, Englischklassen für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.

Der finanzielle Aufwand für die Renovierung lag bei 28 Mio. Dollar, von denen 15 Mio. von der William Penn Foundation übernommen wurden. Bibliotheksdirektorin Siobhan Reardon – die im vorvergangenen Jahr die Auszeichnung „Librarian of the Year“ erhielt – zeigt sich sehr zufrieden mit den ersten Erfolgen. So konnte die im vergangenen Jahr nach der Renovierung neu eröffnete South Philadelphia Branch ihre Besucherzahl vervierfachen, auch durch die Kombination mit einem Gesundheitscenter. Die Zentrale der Free Philadelphia Public Library hat bereits im Jahr 2014 durch die Neueröffnung eines  Kochzentrums von sich reden gemacht.

http://www.philly.com/philly/columnists/inga_saffron/philly-free-library-modernizes-branches-elevators-reading-rooms-20171122.html

 

Beitrag von Andreas Mittrowann

Mini-Porträt: Die Skokie Public Library stellt sich dem Wandel 

Nordöstlich von Chicago in den USA befindet sich die Stadt Skokie mit rund 67.000 Einwohnern, die seit den 1950er Jahren besonders von Zuzügen aus Chicago profitiert. Die Stadtbibliothek vor Ort wurde 1929 gegründet. 2003 erhielt die frühere Leiterin Carolyn Anthony die Auszeichnung „Bibliothekarin des Jahres“ der Illinois Library Association, 2013 bis 2014 wurde sie zur Präsidentin der Public Library Association gewählt. 2014 zählte die Bibliothek mit 5 Sternen zur Spitzengruppe im nationalen Bibliotheksranking.

So weit, so gut. Besonders interessant wird es allerdings, wenn wir einen Blick auf die Mitarbeiterseite im Internet werfen, denn hier zeigt sich, wie offen und innovativ die Bibliothek mit dem Wandel umgeht. Auf der Seite http://bit.ly/2gcvJwp lernen wir, dass die Bibliothek unter anderem über eine „Communications and Marketing Managerin“, eine „Community Engagement Managerin“, einen „Learning Experiences Manager“ sowie einen „Virtual Community Engagement Manager“ verfügt. Dass dies nicht einfach nur leere Worthülsen sind, sondern klare Indizien für eine zukunftsgerichtete Aufstellung, zeigt auch das Blog der Bibliothek. Dort stehen neben dem Bestand vor allen Dingen die Programmarbeit und die Zielgruppen im Vordergrund: Neben Veranstaltungen zu Inklusion und Migration finden wir Programme zu Online-Ressourcen und zu STEAM (Science, Technology, Engineering, Arts & Design) oder Events im Bereich „BOOMBox“, einer neuartigen, interaktiven Zone in der Bibliothek. Und natürlich fehlen auch klassische Aktivitäten wie ein Sommerleseclub nicht. Für ihr Engagement in der Programmarbeit und damit einem der wichtigsten zukünftigen Bereiche in der Bibliotheksarbeit erhielt die Bibliothek 2016 den ALA Excellence in Library Programming Award.

Der verstärkte Fokus hin zur Kommune und den in ihr lebenden Menschen, der sich in der Bezeichnung „Community Manager“ ausdrückt, macht vor dem Hintergrund der zurückgehenden (nicht: verschwindenden) Bedeutung des Bestandes besonders viel Sinn, wenn man sich die Ergebnisse der australischen Studie „Victorian Public Libraries: Our Future, Our Skills“ vergegenwärtigt. Dort wurden 2013 mehr als 1400 Bibliotheksmitarbeiterinnen des Public Libraries Victoria Network zu ihren erforderlichen zukünftigen Kompetenzen interviewt. Befragt nach der wichtigsten professionellen Fähigkeit in fünf Jahren, platzierten die meisten Mitarbeiterinnen das Thema „Community needs analysis“ auf Platz eins, direkt gefolgt von „Community engagement“ auf Platz 2 mit mehr als 60 Prozent Zustimmung der Mitarbeiter*innen und knapp 90 Prozent Zustimmung der Leiter*innen.

Auch hinter dem Thema „Marketing“ verbirgt sich ein ernsthafter Anspruch seitens der Skokie Public Library: So berichtet die Professorin Lisa Hinchcliffe auf Twitter, dass die Bibliothek bereits seit 2006 ihre Kundenbindung mit Direct Mailings stärkt und dieses Werkzeug bereits früh den Erfordernissen der Smartphone-Ära angepasst hat – so werden aktuell bis zu 70 Prozent der Mailings auf mobilen Geräten geöffnet.

Link: http://bit.ly/2ify7qv
Link: https://skokielibrary.info

Beitrag von Andreas Mittrowann

Die Bibliothek als Labor

In einer zunehmend komplexer werdenden Welt gibt es im Zuge der Digitalisierung viele Entwicklungen, die nur die wenigsten Bürger noch überschauen können. Nimmt man den Auftrag der Bibliothek als Wissenvermittlerin ernst, kann man aus dieser Situation eine Vielfalt von Angeboten ableiten. Die State Library of Queensland in Australien präsentiert jedes Jahr einen inhaltlichen Schwerpunkt für die Bürger*innen und hat sich in diesem Jahr für das Thema „Digitale Zukunft“ entschieden. Dazu gehört als besonderer Schwerpunkt auch ein „Digitales Zukunftslabor 2.0“. Zu seinen Bestandteilen zählen eine interaktive Ausstellung, digitale Games, Mode von morgen und tragbare Technologie, ein Drohnensimulator sowie viele weitere Möglichkeiten speziell für Familien und Kinder: http://www.slq.qld.gov.au/whats-on/events/digital-futures

Damit steht die Bibliothek in Queensland für einen weltweiten Trend: Die Bibliothek als Labor. Die kanadische Vancouver Public Library nennt es „Inspirational Lab“ mit der Möglichkeit zu digitalen Tonaufnahmen, Digitalisierung oder E-Book-Erstellung: https://www.vpl.ca/inspirationlab. Die Madison Public Library in Wisconsin (USA) nennt ihr Labor „Bubbler“ und dort beinhaltet es Möglichkeiten für Trickfilmanimationen, 3D-Design, Videoerstellung mit „Green Screens“ und grafischem Design: http://madisonbubbler.org/media-lab/.

Da ist es eine tolle Nachricht, dass auch die Düsseldorfer Stadtbüchereien nun ihr eigenen „Library Lab“ eröffnen werden. Hier umfasst die Palette unter anderem Virtual Reality, Gaming, Digitales Leben, 3D-Druck und die weiteren Online-Angebote der Bibliothek. Der Start wird natürlich mit einer vielseitigen Eröffnungswoche gefeiert, die am 14. Oktober um 11:00 Uhr beginnt – alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Link: https://www.duesseldorf.de/stadtbuechereien/bibliotheken/librarylab.html

Beitrag von Andreas Mittrowann

Die „Filia Nr. 12“ – eine neue Zweigstelle der Stadtbibliothek Wrocław (PL)

Das heutige Wrocław mit seinen über 600.000 Einwohnern präsentierte sich im Rahmen des diesjährigen Weltkongresses der Bibliotheken vom 19. bis zum 25. August als freundliche, offene Stadt mit einer gelungenen Mischung aus historischer Altbausubstanz und modernen architektonischen Kontrapunkten. Die positiven Auswirkungen aus der letztjährigen Rolle als „Kulturhauptstadt“ waren noch deutlich positiv spürbar.

Im Rahmen des Kongresses hatte ich die Möglichkeit, die im Mai 2017 im zweiten Stockwerk des Breslauer Hauptbahnhofes eröffnete neue Zweigstelle der Stadtbibliothek zu besuchen. Die Filiale umfasst 580 qm und verfolgt das Ziel, Reisende und Pendler direkt an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte mit Medien, Literatur und Informationen zu versorgen. Die Innenraumgestaltung folgt diese Zielsetzung konsequent und präsentiert sich als „Dritter Ort“ im Zentrum der Stadt mit bequemen Sofas, Loungemöbeln, Arbeitsplätze und Nischen, um mitten im urbanen Leben einen Platz für Konzentration, Lernen und Entspannung zu schaffen. Eine große Uhr hinter der Verbuchungstheke steht einerseits als Symbol für den Bahnhof und seine Betriebsamkeit, andererseits aber durch ihren Stillstand für den selbstgewählten Moment der Ruhe. Auch die Bezeichnung der Räume verfolgt den Gedanken des zweiten Zuhauses durch seine Bezeichnungen wie „Diele“, „Küche“ oder  „Wohnzimmer“.

Es war schön zu sehen, dass die Stadtbibliothek und die Kommune den mit der Jugendbibliothek „Mediateka“ im Jahr 2004 gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung begonnenen Prozess einer zielgruppenorientierten Raumgestaltung fortgesetzt haben.

Persönliche Fotos finden Sie hier: https://flickr.com/photos/67365955@N02/sets/72157685656850823

Beitrag von Andreas Mittrowann