Und immer wieder Holland…

Die Kolleginnen und Kollegen in den Niederlanden haben sich in den letzten Jahren gemeinsam mit den Dänen an die europäische Spitze bei innovativen Konzepten und herausragenden Bibliotheksbauten gesetzt. Ein Bericht des Kultursenders Arte vom 20. Juli in der Sendereihe Metropolis stellte unter anderem das Architekturbüro Neutelings & Riedijk vor, die für zwei neue Kulturzentren und die darin integrierten öffentlichen Bibliotheken in Arnheim und Amersfoort verantwortlich sind. Zitat von der Arte-Website zu Arnheim:

„Das Baukünstler-Duo Neutelings & Riedijk schuf für die Stadt Arnheim ein phantastisches Kulturzentrum mit Konzertsaal, Proberäumen, Bibliothek und einem coolen Restaurant. Bis spät abends lockt es die Bewohner an, gibt der Stadt ein neues Herz. Das Gebäude ist nur ein typisches Beispiel für das Büro der beiden in Rotterdam residierenden Baumeister. Sie haben sich darauf spezialisiert, skulpturale Bauwerke zu entwerfen, die sich den Bürgern auf eine neue, freundliche Art öffnen.“

Damit nicht genug: Die Kollegen vom nordrhein-westfälischen Bibliotheksblog berichteten kürzlich auch über das spannende neue niederländische Strategiepapier zur Zukunft der Bibliotheken mit dem Titel The Library of the Future : Hub for Contact, Knowledge and Culture. Daraus ein Kernsatz:

„Knowledge and information will be essential production resources in 2025. Not just the development of knowledge, but also its exchange, will be increasingly important for the economy and competitive position of the Netherlands. The core purpose of the library is to contribute to and form a foundation for the knowledge and information society. This consists of stimulating, supporting, facilitating and equipping people with what they need to be able to participate in and contribute to the modern knowledge society. The library also plays an important socio-cultural role.“

Lust auf mehr? Der 10. Deutsch-niederländische Bibliothekentag der Ems-Dollart-Region am 20. Oktober in Coevorden greift einzelne, aktuelle Themen der Fachdiskussion auf und ist offen für alle Interessierten.

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

USA: Nashville Public Library mit „Learning Lab“ für Jugendliche

Studien des Harvard Family Research Projektes haben gezeigt, dass Nachmittagsprogramme für Schüler signifikant dazu beitragen, soziales Verhalten und Bildungserfolg zu verbessern. Das Institute für Museums and Libraries in den USA hat ein entsprechendes Programm aufgelegt, um innovative Lernlabore für Jugendliche zu schaffen, mit denen Kreativität, kritisches Denken und praktisches Lernen unterstützt werden sollen.

CNN.com berichtet auf seiner Website über das Learning Lab in Nashville, dass durch eine lebendige Atmosphäre geprägt ist: Der Raum ist mit farbigen Regalen, PC-Stationen und Gamingkonsolen eingerichtet, die durch einen „Makerspace“ zur kreativen Erstellung von Kunst, Vogelkäfigen oder Brieftaschen ergänzt wird: “We want to provide teens with spaces to explore learning and digital media that they don’t have access to in their homes or at school“, so Elyse Adler von der Nashville Public Library.

Vorbild für das Projekt ist das YOUMedia Center in der Chicago Public Library, dass sich in den USA zum Vorreiter bei der Hinwendung von einem passiven Medienangebot hin zu aktiven Lernmöglichkeiten in der Bibliothek entwickelt hat.

Link:
http://edition.cnn.com/2014/06/02/living/library-learning-labs-connected-learning/

Beitrag von Andreas Mittrowann

Norwegen: Erste „Open Library“ in Stavern eröffnet

In Dänemark werden bereits seit mehreren Jahren positive Erfahrungen mit sogenannten „Offenen Bibliotheken“ gesammelt: Durch den kombinierten Einsatz mehrerer Technologien wie einer Zugangsautomatik sowie Selbstverbuchung können dort in mehr als 100 Bibliotheken die Kunden auch außerhalb der eigentlichen Öffnungszeiten das Angebot nutzen, müssen allerdings auch auf die Betreuung durch qualifiziertes Personal verzichten.

Der Trend verbreitet sich nun in anderen nordischen Bibliotheken und so wurde auch vor einiger Zeit im norwegischen Stavern eine “Offene Bibliothek” eingerichtet. Die südnorwegische Hafenstadt gehört zur Kommune Larvik und hat rund 5.500 Einwohner. Im Sommer können durch den florierenden Tourismus daraus leicht 30.000 bis 40.000 Menschen werden.

Der Bibliotheksausweis dient gleichzeitig als Schlüssel und die Nutzer können das Haus von 18:00 bis 22:00 Uhr das ganze Jahr lang nutzen. Durch das Angebot der „Open Library“ konnte Stavern der Bibliotheksleitung zufolge seine Öffnungszeiten verdreifachen und berichtet von weiteren positiven Konsequenzen: Der Bibliotheksservice wurde sichtbarer in der Kommune und die Mitarbeiter/innen haben stärker daran gearbeitet, den Zugriff auf den Bestand durch attraktive und themenorientierte Präsentation zu vereinfachen. Darüber hinaus sei die konsequentere Bestandsbereinigung ein weiterer Erfolgsfaktor gewesen.

Auch die öffentliche Bibliothek im finnischen Hämeenlinna ist seit mehreren Jahren eine „Offene Bibliothek“ und berichtet von ähnlichen Entwicklungen, genau wie Vadstena, Alingsås and Frillesås in Schweden. Dort wird übrigens der Ausdruck der „noch offeneren Bibliothek“ für das neue Angebot verwendet. Selbstverständlich muss von Einrichtungskosten für den Service ausgegangen werden, dazu zählen ein sicheres Zugangssystem, Selbstverbuchungstechnologie (falls nicht sowieso schon vorhanden) und eine Rückgabemöglichkeit für die Medien sowie natürlich RFID-Etiketten in allen Medien. Auch eine Sicherheitskamera und ein Besucherzähler gehören zur Grundausstattung.

Ein kurzes Video aus Hämeenlinna in finnischer Sprache vermittelt ein paar Eindrücke:
http://areena.yle.fi/tv/1530922

Link:
http://slq.nu/?article=volume-47-no-1-2014-7

Beitrag von Andreas Mittrowann

Philadelphia: Kochen in der Bibliothek

Die Free Library of Philadelphia in den USA eröffnet am heutigen 2. Juni ihr „Culinary Literacy Center“ in der Zentralbibliothek. Das neue Kochcenter bietet 3 Öfen, 16 Kochplatten sowie 36 Sitzplätze und soll sich nicht nur der Kunst der Essenszubereitung, sondern auch der Ernährungskunde, der Leseförderung, der Mathematik und der Chemie widmen.

Sandy Horrocks, stellvertretende Bibliotheksleiterin, erklärt den Hauptgrund für die neue Initiative: „Menschen lernen auf verschiedene Weise.“ Und genau diese unterschiedlichen Lernwege soll das neue Center unterstützen: Auch für Rezepte benötigt man Lesefähigkeit, das Rechnen für die Befüllung des Messbechers und ganz grundlegende Lösungskompetenzen, um am Ende einen (genießbaren) Erfolg zu erzielen.

Partner bei der Realisierung des Projektes waren die Garces Foundation, die Vetri Foundation, das “Careers through Culinary Arts Program”, die Drexel University und weitere. Das neue Kochcenter wird für alle offen sein, so Horrocks, jedoch sind eine Anmeldung und die Betreuung durch einen zertifizierten Mitarbeiter erforderlich. Parallel zur Eröffnung wird ein Kräutergarten eingeweiht.

Link:
http://www.philly.com/philly/food/20140529_Library_cooks_the_books.html

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

Typisch finnisch mit einer Sauna: die neue Zentralbibliothek Helsinki

Unter der Überschrift „Now we know what it looks like!” werden auf der Website der Helsinki Public Library die Gewinnerentwürfe  der Architekturausschreibung präsentiert. Janne Teräsvirta und Antti Nousjoki, zwei der Gründungsmitglieder von ALA Architects stellen das Gebäude mit dem Namen “Käännös“ („Übersetzung“ / „Wendung“) vor.

„Wir wollen die Bibliothek in ein visuelles Kontinuum integrieren und gleichzeitig neue Verbindungen in verschiedene Richtungen herstellen“, sagt Janne Teräsvirta mit Blick auf das zentrale Gelände in der Innenstadt, in der das Gebäude platziert werden soll. „Die Bibliothek hat verschiedene Eingänge hin zum Kansalaistori Platz, dem nahen Park und der belebten Straße Mannerheimintie.“ Er betont darüber hinaus den einladenden, aktivierenden und funktionalen Charakter des Gebäudes. Das Gesamtkonzept verfolgt einen dreigeteilten Ansatz: Einerseits sollen eine traditionelle und zweckorientierte Bibliothek sowie eine konsequente Verbindung mit dem öffentlichen Raum realisiert werden.

Darauf bauen andererseits die drei Hauptstockwerke der Bibliothek auf: Die erste Ebene besteht aus einer offenen, raumgreifenden Lobby, zu dem auch eine Halle, Ausstellungsraum sowie ein Restaurant und eine Sauna gehören werden. Der zweite Stock hat eher einen intimen Charakter mit zahlreichen Möglichkeiten zum Lernen und kreativen Gestalten. Und die dritte Ebene? „The third floor, the top of the box, is another extensive, light, breathing and tranquil library space.”

Weitere Informationen und Gestaltungsentwürfe:
http://keskustakirjasto.fi/en/2014/01/17/kaannos-is-here/

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

 

 

 

Kalifornien: Entscheider und Interessensgruppen in die Bibliotheksplanung einbeziehen

In der kalifornischen Stadt Brentwood lässt sich aktuell der Einbezug der Kommune in die Planungen für eine neue Bibliothek beobachten. So begutachteten kommunale Entscheider neun Außengestaltungen für eine neue Bibliothek gemeinsam mit den Vertretern der Bibliotheksstiftung, um möglichst früh eine Fundraising-Kampagne vorbereiten zu können. Das Komitee für Stadtentwicklung engte die Auswahl dann anschließend auf vier Konzepte ein und diese werden von einem Architekten dann weiter modifiziert.

Stadtentwickler und -berater Kwame Reed wies darauf hin, dass es sich zunächst lediglich um allgemeine Designkonzepte handele, die vornehmlich dem Marketing dienten und um zu zeigen, wie die Bibliothek künftig aussehen könnte. Gleichzeitig begutachtet der Verein der Freunde der Bibliothek aus Brentwood neuere Bibliotheken im Umfeld, um sich ein Bild von den Gestaltungsmöglichkeiten zu machen und sich beraten zu lassen. Insgesamt ein interessantes Beispiel für den Einbezug verschiedenster Interessensgruppen und Entscheidergremien in den Vorbereitungsprozess für einen Neubau, um das Projekt zu einem nachhaltigen Erfolg zu machen.

Link:
http://www.contracostatimes.com/east-county-times/ci_25028514/brentwood-library-planners-get-community-involved-process

Beitrag von Andreas Mittrowann

Studie: Chicago Public Library ist die beste Bibliothek der USA

Die Website ABC Local weist in einer Meldung darauf hin, dass die US-amerikanische Chicago Public Library nach einer deutschen Studie zur besten öffentlichen Bibliothek in den USA und hinter Vancouver und Montreal zur drittbesten der Welt gekürt wurde. Um welche Studie es sich dabei genau handelt, konnte Dr. Johannes Fansa von der Berliner Zentral- und Landesbibliothek in einem E-Mail-Dialog beantworten: Die Studie „Public Libraries in the Knowledge Society: Core Services of Libraries in Informational World Cities“ von Informationswissenschaftlern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersuchte bereits im letzten Jahr 31 „Weltstädte“ und führt zu den Bibliotheken aus: „Public libraries play an important role as parts of the digital, smart, knowledge and creative infrastructures of these Informational Cities. Libraries have economic value as location factors in the two spaces of Informational Cities, the physical and the digital.”

Bei den untersuchten Bibliotheken wurde jeweils der “physische” und der “digitale” Arbeitsbereich untersucht, allerdings lediglich auf Basis der Webseiten. Im Fokus standen die sozialen Medien, freie digitale Angebot wie E-Books und Dienstleistungen wie Auskunftsdienste per E-Mail oder webbasierten Formularen. Bei der physischen Bibliothek flossen Daten zu Lernbereichen, Kinderbibliotheken, Gruppenräumen, WLAN oder der Einsatz von RFID-Technologie ein.

Die Kurzbeschreibung der Studie resümiert:
“The prototypical public library in the knowledge society has two core services:
(1) to support citizens, companies and administrations in their city and region with digital services, namely e-resources as well as reference services, and to communicate with their customers via social media; and
(2) to provide physical spaces for meeting, learning and working, as well as areas for children and other groups, in a building that is a landmark of the city.”

Aus Deutschland wurden Berlin, Frankfurt/Main und München in die Untersuchung berücksichtigt. Die beste deutsche Platzierung ging an die untersuchte Zentral- und Landesbibliothek Berlin mit Platz 18.

Meldung ABC Local:
http://abclocal.go.com/wls/story?section=news/local/chicago_news&id=9400375

Webseite der deutschen Studie:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss/mitarbeiter/professor/wolfgang-g-stock/publikationen/publikationen/publikationen-2013/259/

Download der Studie:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Informationswissenschaft/siebenlist/Lehre/PS_I2/libri-2013-0024_63-4-295-319_Mainka_Stock.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann