Typisch finnisch mit einer Sauna: die neue Zentralbibliothek Helsinki

Unter der Überschrift „Now we know what it looks like!” werden auf der Website der Helsinki Public Library die Gewinnerentwürfe  der Architekturausschreibung präsentiert. Janne Teräsvirta und Antti Nousjoki, zwei der Gründungsmitglieder von ALA Architects stellen das Gebäude mit dem Namen “Käännös“ („Übersetzung“ / „Wendung“) vor.

„Wir wollen die Bibliothek in ein visuelles Kontinuum integrieren und gleichzeitig neue Verbindungen in verschiedene Richtungen herstellen“, sagt Janne Teräsvirta mit Blick auf das zentrale Gelände in der Innenstadt, in der das Gebäude platziert werden soll. „Die Bibliothek hat verschiedene Eingänge hin zum Kansalaistori Platz, dem nahen Park und der belebten Straße Mannerheimintie.“ Er betont darüber hinaus den einladenden, aktivierenden und funktionalen Charakter des Gebäudes. Das Gesamtkonzept verfolgt einen dreigeteilten Ansatz: Einerseits sollen eine traditionelle und zweckorientierte Bibliothek sowie eine konsequente Verbindung mit dem öffentlichen Raum realisiert werden.

Darauf bauen andererseits die drei Hauptstockwerke der Bibliothek auf: Die erste Ebene besteht aus einer offenen, raumgreifenden Lobby, zu dem auch eine Halle, Ausstellungsraum sowie ein Restaurant und eine Sauna gehören werden. Der zweite Stock hat eher einen intimen Charakter mit zahlreichen Möglichkeiten zum Lernen und kreativen Gestalten. Und die dritte Ebene? „The third floor, the top of the box, is another extensive, light, breathing and tranquil library space.”

Weitere Informationen und Gestaltungsentwürfe:
http://keskustakirjasto.fi/en/2014/01/17/kaannos-is-here/

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

 

 

 

Kalifornien: Entscheider und Interessensgruppen in die Bibliotheksplanung einbeziehen

In der kalifornischen Stadt Brentwood lässt sich aktuell der Einbezug der Kommune in die Planungen für eine neue Bibliothek beobachten. So begutachteten kommunale Entscheider neun Außengestaltungen für eine neue Bibliothek gemeinsam mit den Vertretern der Bibliotheksstiftung, um möglichst früh eine Fundraising-Kampagne vorbereiten zu können. Das Komitee für Stadtentwicklung engte die Auswahl dann anschließend auf vier Konzepte ein und diese werden von einem Architekten dann weiter modifiziert.

Stadtentwickler und -berater Kwame Reed wies darauf hin, dass es sich zunächst lediglich um allgemeine Designkonzepte handele, die vornehmlich dem Marketing dienten und um zu zeigen, wie die Bibliothek künftig aussehen könnte. Gleichzeitig begutachtet der Verein der Freunde der Bibliothek aus Brentwood neuere Bibliotheken im Umfeld, um sich ein Bild von den Gestaltungsmöglichkeiten zu machen und sich beraten zu lassen. Insgesamt ein interessantes Beispiel für den Einbezug verschiedenster Interessensgruppen und Entscheidergremien in den Vorbereitungsprozess für einen Neubau, um das Projekt zu einem nachhaltigen Erfolg zu machen.

Link:
http://www.contracostatimes.com/east-county-times/ci_25028514/brentwood-library-planners-get-community-involved-process

Beitrag von Andreas Mittrowann

Studie: Chicago Public Library ist die beste Bibliothek der USA

Die Website ABC Local weist in einer Meldung darauf hin, dass die US-amerikanische Chicago Public Library nach einer deutschen Studie zur besten öffentlichen Bibliothek in den USA und hinter Vancouver und Montreal zur drittbesten der Welt gekürt wurde. Um welche Studie es sich dabei genau handelt, konnte Dr. Johannes Fansa von der Berliner Zentral- und Landesbibliothek in einem E-Mail-Dialog beantworten: Die Studie „Public Libraries in the Knowledge Society: Core Services of Libraries in Informational World Cities“ von Informationswissenschaftlern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersuchte bereits im letzten Jahr 31 „Weltstädte“ und führt zu den Bibliotheken aus: „Public libraries play an important role as parts of the digital, smart, knowledge and creative infrastructures of these Informational Cities. Libraries have economic value as location factors in the two spaces of Informational Cities, the physical and the digital.”

Bei den untersuchten Bibliotheken wurde jeweils der “physische” und der “digitale” Arbeitsbereich untersucht, allerdings lediglich auf Basis der Webseiten. Im Fokus standen die sozialen Medien, freie digitale Angebot wie E-Books und Dienstleistungen wie Auskunftsdienste per E-Mail oder webbasierten Formularen. Bei der physischen Bibliothek flossen Daten zu Lernbereichen, Kinderbibliotheken, Gruppenräumen, WLAN oder der Einsatz von RFID-Technologie ein.

Die Kurzbeschreibung der Studie resümiert:
“The prototypical public library in the knowledge society has two core services:
(1) to support citizens, companies and administrations in their city and region with digital services, namely e-resources as well as reference services, and to communicate with their customers via social media; and
(2) to provide physical spaces for meeting, learning and working, as well as areas for children and other groups, in a building that is a landmark of the city.”

Aus Deutschland wurden Berlin, Frankfurt/Main und München in die Untersuchung berücksichtigt. Die beste deutsche Platzierung ging an die untersuchte Zentral- und Landesbibliothek Berlin mit Platz 18.

Meldung ABC Local:
http://abclocal.go.com/wls/story?section=news/local/chicago_news&id=9400375

Webseite der deutschen Studie:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss/mitarbeiter/professor/wolfgang-g-stock/publikationen/publikationen/publikationen-2013/259/

Download der Studie:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Informationswissenschaft/siebenlist/Lehre/PS_I2/libri-2013-0024_63-4-295-319_Mainka_Stock.pdf

Beitrag von Andreas Mittrowann

US-Bibliotheken: Buchlos in Bexar

Am 14. September öffnete im US-amerikanischen Bexar County (Texas) die erste kommunale Bibliothek ohne Bücher. Statt wie die meisten Stadtbibliotheken in westlichen Ländern auf einen hybriden Mix aus gedruckten und digitalen Medien plus Audio und Video zu setzen, bietet man in der der neuen Zweigstelle ausschließlich E-Books und andere digitale Medien zum Download an und verwendet dabei ein ähnliches Verfahren wie bei der deutschen „Onleihe“. Bibliothekskunden benötigen ein mobiles Gerät und eine “App”, um das Angebot nutzen zu können.

Die auch sonntags geöffnete Bexar County BiblioTech Library bietet darüber hinaus in ihrem futuristisch gestalteten Ambiente neben Laptops und Tablet-PCs auch 600 E-Reader und 48 Computerstationen an und vergisst darüber hinaus auch nicht Vorlesestunden für Kinder und Computerkurse. Die US-amerikanische Leiterin der San Rafael Public Library in Kalifornien sowie bekannte Bloggerin Sarah Houghton schätzt, dass in der nächsten Dekade rund zehn bis zwanzig Prozent der Bibliotheken ebenfalls auf buchlosen Kurs gehen könnten.

Die Bürgerinnen und Bürger wie die kommunalen Entscheider sollten dabei allerdings mitgenommen werden – dass ein buchloses Angebot auch Widerstand provozieren kann, zeigen aktuelle Erfahrungen aus dem Fairfax County. Der u. a. Quellartikel für unseren Beitrag weist in diesem Zusammenhang auf eine Veröffentlichung der Washington Post hin: Nachdem die Fairfax County Library im Zuge eines Optimierungsprozesses 250.000 Bücher aus dem Bestand entfernen wollte, brach vor Ort und überregional ein Sturm der Entrüstung los, weitere Informationen dazu siehe hier: http://wapo.st/18YrNDG

In Bexar County mit seinen 1,7 Millionen Bürgern wird dieser Konflikt voraussichtlich erst gar nicht entstehen, denn es handelt sich faktisch um eine Zweigstelle mit digitalem Fokus in einem Gesamtsystem mit der Kreisstadt San Antonio  – jeder, der weiterhin Zugriff auf gedruckte Bücher wünscht, kann auf eine der anderen Bibliotheken in der Nähe zugreifen. Die Laune bei der Eröffnung war jedenfalls offensichtlich gut, wie die ersten Fotos zeigen.

Link:
http://www.npr.org/blogs/thetwo-way/2013/09/14/222442870/bookless-public-library-opens-in-texas

Beitrag von Andreas Mittrowann

Die neue Stadtbibliothek Birmingham öffnet ihre Tore

Am 3. September findet die Eröffnung eines des prestigeträchtigsten Bibliotheksgebäude in diesem Jahr statt: Der Neubau der Birmingham Public Library und damit eine der größten europäischen Bibliotheken wird dem allgemeinen Publikum zugänglich gemacht. Zehn Stockwerke, 189 Millionen britische Pfund Baukosten und 400.000 Medieneinheiten bilden ein architektonisches und bibliothekarisches Highlight für Großbritannien, das von der Niederländerin Francine Houben gestaltet wurde.

Die Eröffnung findet allerdings in einem Umfeld statt, in dem zahlreiche Wandlungen in Freiwilligen-Bibliotheken sowie Schließungen befürchten lassen, dass die entsprechende Grundversorgung in Großbritannien keineswegs gewährleistet ist. Insgesamt werden 1000 Bibliotheksschließungen bis zum Jahr 2016 befürchtet. Auch in Birmingham wird mit Kürzungen des kommunalen Etats um 300 Millionen Euro gerechnet – wie auf dieser Basis die laufende Aktualisierung des Medienbestandes gewährleistet wird, ist derzeit noch offen.

Ein besonderer Höhepunkt der heutigen Eröffnung vor geladenem Publikum ist ganz sicher die Anwesenheit von Malala Yousafzai, dem pakistanischen Mädchen, das sich für die Bildungsrechte von Frauen einsetzt und dafür von den Taliban angeschossen wurde. Yousafzai geht in Birmingham zur Schule und erhält übrigens auch den diesjährigen, internationalen Friedenspreis für Kinder.

Links:
http://www.theguardian.com/books/2013/jul/12/library-campaigners-1000-closures-2016

http://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2013/aug/29/birmingham-library-francine-houben-pictures

http://www.theguardian.com/books/2013/aug/29/library-birmingham-local-services-austerity

http://www.buchreport.de/nachrichten/buecher_autoren/buecher_autoren_nachricht/datum/2013/08/28/im-kampf-fuer-bildung.htm

Beitrag von Andreas Mittrowann

New York Public Library mit Designkonflikt

Die öffentliche Bibliothek der Metropole New York überdenkt ihre ursprünglichen Renovierungspläne für 300 Millionen US-Dollar, die eine Entfernung diverser Regaleinbauten vorgesehen hatten. Demnach sollten sieben Ebenen mit Regalen versetzt werden, die den sogenannten „Rose Main Reading Room“ beherbergten.

Ziel war es, dort stattdessen eine neue Ausleihbibliothek zu installieren, die einen Ersatz für die übernutzen Räumlichkeiten und Bestände der Mid-Manhattan sowie die Science, Industry and Business Library bieten sollte (zu Mid Manhattan siehe auch http://www.gwathmey-siegel.com/portfolio/proj_detail.php?job_id=200001: „this facility is severely overcrowded, congested, and unable to fully meet the needs of New Yorkers for library information resources, particularly through information technology.“). Gegen die Renovierungsplänre der Zentralbibliothek wurde jetzt von Wissenschaftlern und Archivaren Klage erhoben, die einen wichtigen Teil des kulturellen Erbes bedroht sehen.

Nun präsentierte die Bibliothek eine neue Lösung, mit der beide Ziele – die Bereitstellung eines stärker kundenorientierten Bestandes sowie die Bewahrung der historischen Kernsubstanz – erreicht werden sollen. Interessant ist die öffentliche Diskussion vor allen Dingen deshalb, weil sie stattfindet – nach wie vor besteht offensichtlich ein großes Interesse an Bibliotheken, ihrer Nutzung, ihren Angeboten und ihrer Symbolkraft in der Öffentlichkeit.

Link: http://online.wsj.com/article/SB10001424127887323407104579039302911374522.html#

Beitrag von Andreas Mittrowann

USA: Supermarkt wird Bibliothek

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Wandlung eines bestehenden Gebäudes in eine öffentliche Bibliothek zeigen die Architekten Meyer, Scherer & Rockcastle in der texanischen 130.000-Einwohner Stadt McAllen im Hidalgo-County. Der mehr als 11.500 Quadratmeter umfassende frühere Walmart-Supermarkt stellt nun angeblich momentan die größte öffentliche Bibliothek der USA auf einer Etage dar. Die Gestaltung konnte den Gewinn der “2012 Library Interior Design Competition” für sich verbuchen und zeichnet sich durch die heute vielfach bei modernen Bibliotheken eingesetzte Nutzung leuchtender Farbtöne im Wechsel mit Regalen und weiteren Möbeln in weißer Farbe aus.

Die Bibliothek verfügt neben Büchern und anderen „klassischen“ Medien über eine akustisch separierte Lounge für Jugendliche sowie sechs „Teen Computer Labs“, 16 öffentliche Räume, 14 Lernstudios, 64 “Computerlabs” und weitere Angebote. Möglichkeiten zur Selbstverbuchung, ein Auditorium, eine Kunstgalerie sowie eine Caféteria runden die vielfältigen Möglichkeiten ab.

Link: http://weburbanist.com/2012/09/04/abandoned-walmart-is-now-americas-largest-library/

Beitrag von Andreas Mittrowann

 

 

NextLibrary-Konferenz in Aarhus

Rund 350 Gäste aus knapp 40 Ländern nahmen an der erneut stattfindenden Tagung „NextLibrary“ im dänischen Aarhus am 17. und 18. Juni 2013 teil. Deborah Jacobs, Direktorin der internationalen Programme an der Bill und Melinda Gates Foundation, sprach in ihren Eröffnungsworten von der weltweit innovativsten und erfolgreichsten Veranstaltung dieser Art in der Bibliotheksbranche. Gleich zu Beginn verkündeten Rolf Hapel, Leiter der Bibliotheks- und Bürgerdienste in Aarhus sowie Knud Schulz, Leiter der dortigen Zentralbibliothek, eine künftige Konferenzpartnerschaft mit der Chicago Public Library: Dort wird die Konferenz im nächsten Jahr zum ersten Mal im Wechsel mit Aarhus stattfinden.

Das diesjährige Programm stand unter der Überschrift „Re-imagination – Civic Engagement – Collaborative Innovation“ und glänzte unter anderem mit Keynotes von Gerhard Stocker von Ars Electronica in LinzMark Jones von der Designschmiede IDEO und am zweiten Tag mit dem hervorragenden Patrick Losinski von der Columbus Metropolitan Library. Die insgesamt 15 Workshops zeichneten sich vor allen Dingen durch ihre Interaktivität aus und machten dadurch die Methodik sofort auch zur Botschaft für moderne Bibliotheksarbeit.

Inhaltlich war die Veranstaltung vor allen Dingen durch drei aktuelle Herausforderungen gekennzeichnet: Sowohl das Thema der Bibliothek als Ort (Eva Ericksson in der Session „Re-imagining Library as a Learning Centre for Creativity, Innovation and Play“: „We need to create interspaces, not interfaces“ ), der Kreativität (Louise Byrge stellte in der gleichen Session ein Programm vor, bei dem durch ein tägliches, 15minütiges Kreativitätstraining neue Ideen zur Bibliotheksarbeit entwickelt werden können) bis hin zu E-Books (Trine Nielsen unterstrich in der Session „e-Books -Strategies and Actions available for the Public Libraries“, dass der ultimative Erfolgsfaktor in der systematischen Verbindung von physischen und digitalen Services besteht) spielten eine wichtige Rolle.

Auf anschließenden Besichtigungen konnten Bibliotheken des Umfeldes kennengelernt werden, unter anderem die höchst beeindruckende Baustelle der entstehenden neuen Zentralbibliothek in Aarhus, dem “Urban Mediaspace“ am Hafen. Das Programm, die Methodik, der Rahmen und die Atmosphäre der Veranstaltung gingen eine außergewöhnliche Verbindung ein und  – so mein persönliches Fazit – auf diese Weise war es nahezu unmöglich, nicht exzellent angeregt, gut gelaunt und positiv auf die Bibliothekszukunft gestimmt nachhause zu fahren.

Weitere Informationen: http://www.nextlibrary.net/program2013

Beitrag von Andreas Mittrowann

Licht im Dunkel: Bibliotheksneubauten in Großbritannien

Eine Studienreise im April 2013 in Großbritannien hat deutlich gemacht: Auch unter allgemein erschwerten Bedingungen sind moderne, zeitgemäße und konzeptionell überzeugende Bibliotheksneubauten möglich. Und von erschwerten Bedingungen kann man auf der britischen Insel momentan wahrhaftig sprechen: Phil Bradley, der Präsident des britischen Bibliotheksverbandes „Chartered Institute of Library and Information Specialists“ (CILIP) berichtete im persönlichen Gespräch, dass aktuell jeden Tag eine Buchhandlung auf der Insel schließt und insgesamt rund 600 Bibliotheken von der Schließung oder der Deprofessionalisierung bedroht sind, weil für Kernaufgaben keine Bibliothekare mehr eingestellt, sondern Freiwillige beschäftigt werden.

Trotz dieser bedrohlichen Situation gibt es aber auch Hoffnung: Der Verfasser konnte unter anderem gemeinsam mit dem „Library Service Network“ – einem lockeren, internationalen Verbund von Bibliotheksdienstleistern – die neue Bibliothekfiliale „The Shard“ („Die Scherbe“) in Birmingham besuchen. Der Name rührt von einer scharf aufragenden „Flosse“ am Gebäude her, die den „herausragenden“ Charakter der Einrichtung betont. Ziel dieses Projektes mit einer Investitionssumme von 1,9 Millionen Pfund war die Aufwertung des Stadtteils „Shard End Urban Village“ und die Steigerung der Lebensqualität nicht nur durch die helle, modern gestaltete Bibliothek, sondern auch durch das integrierte Beratungs- und Bürgerzentrum sowie das großzügige Raumangebot. Auffällig sind bei der Farbgestaltung die Verwendung von einem hohen Weißanteil in Kombination mit leuchtenden Farben – bis hin zur rosafarbenen Wand hinter der Verbuchungstheke. Bei den Regalen handelt es sich weitgehend um Schreinerarbeiten, die auf eine buchhandelsorientierte Vermittlung mit vorherrschender Frontalpräsentation abzielen, ergänzt um Computerlernplätze und vielen Designermöbeln. Der Anteil an Medien wurde zugunsten von Bürgerbüro, Caféteria, Lernplätzen und Gemeinschaftsräumen zurückgefahren – die Bibliothek versteht sich neben ihrer „eigentlichen“ Funktion gleichberechtigt als Stadtteilzentrum.

Sehr überzeugend wirkt ebenfalls „The Hive“ (“Der Bienenstock”), die im letzten Jahr eröffnete Kombination aus Universitäts- und Stadtbibliothek in Worcester. Der goldfarben verkleidete, asymetrisch gestaltete Baukörper beherbergt ebenfalls ein Bürgerbüro, ein historisches Archiv sowie kombinierte Bestände für die Zielgruppen. Konkret wird bspw. der Bestand zum Thema „Geographie“ getrennt von ÖB und WB erworben, jedoch gemeinsam in einer Aufstellung nach Dewey Classification präsentiert. Mut zur Farbe und ein hoher Tageslichtanteil kennzeichnen die Verkehrsflächen und Gestaltungselemente, kombiniert mit zahlreichen Sitz- und Lernplätzen.  Somit entsteht insgesamt eine angenehme, offene Atmosphäre. Auffällig sind die Verbuchungs- bzw. Beratungstheken, die sich als Stehplätze mitten im Raum befinden und das „Nebeneinander“ von Kunde und Bibliotheksmitarbeiter/in fördern.

Überzeugende Bibliothekskonzepte und überzeugte kommunale Entscheider können also auch in Krisensituationen noch positive Leuchtturmprojekte und begeisterte Bürger hervorbringen.

Links:
http://www.bbc.co.uk/news/uk-england-birmingham-18365304
https://www.dropbox.com/sh/ofeie9sjvss9uis/eRFKHK1nJ8

http://www.thehiveworcester.org/
https://www.dropbox.com/sh/ofeie9sjvss9uis/eRFKHK1nJ8

Beitrag von Andreas Mittrowann

Grüne Bibliotheksarbeit nimmt an Bedeutung zu

Umwelt- und Klimathemen werden auch von Bibliotheken zunehmend in ihrer Bestands- und Veranstaltungsarbeit berücksichtigt. Die San Francisco Public Library in den USA berichtet beispielsweise auf ihrer Homepage über die Aktions- und Veranstaltungsreihe „Green Stacks“. Dazu zählen die Ausleihe von Messinstrumenten, um sich über den Stromverbrauch einzelner Haushaltsgeräte zu informieren, Führungen durch eine Bibliotheksfiliale, die mit der Zertifizierung „Leadership in Energy and Environmental Design“ ausgezeichnet wurde oder natürlich die Ausgabe von recycelbaren Bibliotheksausweisen. Der Begriff „Green“ wird dabei ganz umfassend verstanden – so geht es bei kommenden Veranstaltungen um die Kunst des richtigen Säens oder die Herstellung von Buttons aus gebrauchten Materialien.

Darüber hinaus befindet sich in der San Francisco Public Library das „Wallace Stegner Environmental Center“, das nach dem gleichnamigen Pulitzer-Preisträger benannt ist und das sich zum Ziel gesetzt hat, „to inspire understanding and appreciation of the interconnectedness of life on earth by providing environmental literature and innovative public programs.“

Auch in Deutschland nehmen Bewusstsein und Aktivitäten bei diesem Themenkomplex zu. Ein Beleg dafür ist die aktuelle Publikation „Die Grüne Bibliothek“ in der Reihe „IFLA Publications“, die von Petra Hauke, Karen Latimer und Klaus-Ulrich Werner herausgegeben und im August 2013 im Verlag DeGruyer Saur erscheinen wird. Im Mittelpunkt der Veröffentlichung stehen allerdings bauliche Aspekte und das Umweltmanagement der “grünen Bibliothek”.

Links:

http://sfpl.org/index.php?pg=2000035701

http://www.degruyter.com/view/product/204586

Beitrag von Andreas Mittrowann

Update: Das Bundesumweltamt bietet jetzt in Kooperation mit der No-Energy-Stiftung insgesamt 500 Energiesparpakete für die Ausleihe durch Bibliotheken an. Weitere Informationen siehe http://www.oekobase.de/Stiftung/html/bibliotheken.html